Kreis Südwestpfalz Bei alten Römern auf der Baustelle

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Theophil Gallo, Landrat des Saarpfalz-Kreises, und Patrick Weiten, Parlamentspräsident des französischen Départements Moselle, unterzeichneten am Donnerstag einen Vertrag zur engeren Zusammenarbeit des Saarpfalz-Kreises und des Départements beim Ausbau des Europäischen Kulturparks Reinheim-Bliesbruck. Das gallisch-römische Ausgrabungsgelände erstreckt sich beiderseits der deutsch-französischen Grenze. Saarpfälzer und Lothringer eröffneten zudem im Archäologiepark eine neue Mitmach-Jahresausstellung für Kinder.

Laura Muscata und Dennis Dreher belegen ein Stück Römerstraße mit flach behauenen Steinplatten. Ganz wie im Asterix-Comic („Langsam fahren! Sklavenarbeit!“) wächst die Straße Stein um Stein in die Länge. Der Unterschied zum antiken Original: Die Pflastersteine, die hier von den beiden Elfjährigen bewegt werden, sind aus Kunststoff und federleicht. Die Kinder sind mit ihren Mitschülern von der Gemeinschaftsschule Rohrbach ins Museumsgebäude „Crex“ auf der französischen Seite des Europäischen Kulturparks gereist. Sie sind beim Start der Ausstellung „Römische Baustelle – eine Stadt entsteht“ dabei, der sie hier als jugendliche Fachberater in den vergangenen Wochen gemeinsam mit Kindern aus dem französischen Bliesbruck den letzten Schliff verliehen haben. Wie der Park-Archäologe Andreas Stinsky sagt, wird hier „für Kinder spielerisch begreifbar, wie die Römer ihre Häuser und Straßen gebaut und die Wasserversorgung hinbekommen haben.“ Um die konischen Einzelsteine eines Torbogens aufzutürmen und in der Mitte den Schlussstein einzusetzen – auch hier sind alle Bauteile leicht und weich –, muss zu dritt gearbeitet werden. „Wenn sich jemand ganz allein daran versucht, stürzt die ganze Konstruktion irgendwann zusammen“, erläutert Stinsky, dass diese Aufgabe den Teamgeist und das Denken in dreidimensionalen Strukturen schärft: „Hier ist es ganz und gar nicht damit getan, über einen Handy-Bildschirm zu wischen.“ Äußerst knifflig ist die Herausforderung, einem hölzernen Geländemodell die Einzelteile einer römischen Wasserleitung, Aquädukt genannt, einzufügen. „Hat man alles richtig gemacht, kullert am Ende eine Murmel das Gefälle hinab“, erklärt Stinsky, dass die Murmel das fließende Wasser symbolisiert. Zusammengestellt wurde die Ausstellung vom Landesmuseum Württemberg in Stuttgart: In dessen Kinder-Abteilung „Junges Schloss“ wurde die römische Stadt-Baustelle von 100 000 kleinen Gästen besucht. Jetzt haben der deutsche Saarpfalz-Kreis und das französische Département Moselle, die Betreiber des Kulturparks Bliesbruck-Reinheim, ihre Altertums-Fachleute zusammengetan, um hier gemeinsam die Kinder-Ausstellung zu zeigen. Zur Ergänzung stellten sie Vitrinen mit echten antiken Wasserleitungen und Handwerksgegenständen auf, die man im Erdreich unter der hier einst ansässigen Römerstadt entdeckt hat. Landrat Theophil Gallo: „Beide Partner teilen sich die Ausgaben und die Organisation der Ausstellung. Die Einnahmen werden geteilt.“ Noch nie hätten Saarpfälzer und Franzosen hier im Park derart eng zusammengearbeitet. Schwarz auf weiß sichtbar wird diese neue, vertiefte Kooperation durch den Vertrag, den Gallo und Weiten am Donnerstag signierten: In dem Kontrakt verpflichten sich beide Partner dies- und jenseits der Grenze, in organisatorischer und finanzieller Hinsicht noch näher zusammenzurücken. „In einer Zeit, in der auf dieser Welt vielfach wieder Grenzen gezogen und Mauern gebaut werden, gehen wir einen besseren Weg“, kündigten Gallo und Weiten neue saarpfälzisch-lothringische Initiativen zur Sprachförderung und zur Stärkung des gegenseitigen Verständnisses für kulturelle Unterschiede an, die es bei Deutschen und Franzosen gibt. Info —Die Mitmach-Ausstellung im Museumsgebäude auf der französischen Parkseite kann bis 5. November täglich von 10 bis 18 Uhr besucht werden; nur am 1. Mai ist sie geschlossen. Gruppen über zehn Personen, auch Schulklassen und Kindergärten, sollten sich vor ihrem Besuch anmelden. —Der Eintritt kostet 1,50 Euro pro Person. Es gibt Familien- sowie Kombitickets, die zum Besuch aller Einrichtungen des Kulturparks berechtigen. Karten für den ganzen Park kosten fünf Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Kinder bis 16 Jahre haben freien Eintritt. —Kontakt: Telefon 06843/900211 —www.europaeischer-kulturpark.de

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