Kreis Südwestpfalz Bad Contwig ist nur eine Legende

Contwig. „Ich möchte etwas aufklären“, so beschreibt die 14-Jährige Anna Müller aus Contwig ihre Motivation, den Dingen auf den Grund zu gehen. Durch diese Leidenschaft und ihr Interesse an Biologie und Chemie hat sie den Landeswettbewerb „Schüler experimentieren“ – ein Teil von „Jugend forscht“, aber für jüngere Schüler bis 14 – in der Sparte Geo- und Raumwissenschaften gewonnen. Anna Müller, die in die Klasse 8d des Helmholtz-Gymnasiums geht, ist der Frage nachgegangen, ob es in Contwig eine Heilquelle gibt (wir berichteten am 8. und 9. Mai im überregionalen Teil).
„Der Alois, ein Freund meiner Oma, hat mich gefragt, ob ich von der Heilquelle wüsste. Das Wasser des Michelsbrunnens, der am Ende der Schottenbachstraße gegenüber den Fischteichen liegt, habe viele Mineralstoffe“, erzählt Anna Müller. „Der Brunnen hat den Namen von einem Michael, genannt Michel, der damals viele Brunnen in Contwig gegraben hat“, fügt sie hinzu. Sie wollte der Sache mit dem Heilwasser auf den Grund gehen, fragte die Oma und andere ältere Contwiger, las in Heimatkalendern nach und recherchierte im Internet. Dabei hat sie herausgefunden, dass die Leute das Wasser für ihr Aquarium am Brunnen holen und es für ihren Tee abfüllen. „Als ich am Brunnen war, füllte gerade jemand Wasser in einen Fünfliterkanister ab. Er nutzt das Wasser als Trinkwasser“, erzählt die Schülerin. Das Wasser soll sehr kalkarm sein und eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben. Das wollte die junge Forscherin genauer wissen und analysieren. Sie wollte herausfinden, woher das Wasser kommt, beobachtete die Veränderungen des Wassers bei mehr oder geringeren Niederschlagsmengen und nahm Proben. „Das Wasser kommt aus einer Quelle ein paar hundert Meter weiter oberhalb. Auf dem Weg zum Brunnen fließt es zwischen zwei konventionell bewirtschafteten Feldern durch“, erklärt sie. Nachdem sie das Wasser in der Schule analysiert hatte, stand fest, dass es mit Kolibakterien belastet ist. Die Geschichte um das Heilbad Contwig scheint also nur eine Legende zu sein. Allerdings hat die 14-Jährige in alten Zeitungsartikeln gelesen, dass bereits Adelige im 18. Jahrhundert auf die Heilkraft des Contwiger Wassers geschworen haben. „Die Leute haben gesagt, dass es ihnen besser gehe, nachdem sie das Wasser getrunken haben. Allerdings wussten die Chemiker damals schon, dass in dem Wasser nichts Besonderes drin ist. Aber die Leute haben daran geglaubt“, beschreibt Anna Müller die Geschichte. In Contwig gibt es noch weitere Brunnen. Am Gutenbrunnen soll früher regelrechter Kurbetrieb geherrscht haben. Die Leute kamen von weit her nach Contwig, um das Wasser zu trinken. Die Brünnchen am Ende der Schottenbachstraße werden „Pferdsbrünnchen“ genannt, weil die Bauern früher dort ihre Pferde getränkt haben. Auch im Klingeltal gibt es mehrere Brunnen, die auch „Michelsbrünnchen“ genannt werden. Den Namen haben sie von dem Contwiger Michael Sefrin, der die Brunnen gefasst hat. Anna Müller hat bereits viermal beim Wettbewerb Jugend forscht mitgemacht und insgesamt neun Preise gewonnen. Vergangenes Jahr hat sie den Landeswettbewerb in der Sparte Biologie gewonnen, als sie die lokalen Lebensräume von Schmetterlingen untersuchte. Das Projekt Mauereidechsen in Contwig brachte ihr im Regionalwettbewerb einen zweiten Platz. Mit ihrer Familie hat sie bereits als Kind viel Zeit in der Natur verbracht und dabei auch die Schmetterlinge beobachtet. Ihre Lieblingsfächer sind Biologie und Englisch, in ihrer Freizeit spielt sie Klavier und liest Jugendbücher. Als neues Projekt will sie sich nochmals den Schmetterlingen widmen – das Thema mit dem sie im vergangenen Jahr den Landessieg in der Kategorie Biologie holte. „Das Highlight bei ,Jugend forscht’ war, dass ich letztes Jahr eine Woche lang das Deutsche Museum in München besuchen durfte und an Vorträge zu naturwissenschaftlichen Themen teilnehmen durfte“, erzählt sie begeistert von ihrem Aufenthalt in München und will damit ihre Mitschüler zum Mitmachen animieren. Seit Jahren nehmen Schülerinnen und Schüler des Helmholtz-Gymnasiums an „Jugend forscht“ teil. Das erste Projekt wurde damals von Werner Richter begleitet. Heute betreut Oliver Blauth die Teilnehmer. „Die Themen können sich die Schüler selbst aussuchen. Aber so ein Projekt ist viel Arbeit, und die Bereitschaft dazu ist nicht immer da. Die Arbeitsgemeinschaft ist nach dem Unterricht“, erläutert der Lehrer. „Viele Mädchen nehmen an den Wettbewerben teil. Naturwissenschaft ist nicht nur was für Jungen. Und bei den Mädchen ist eher das Interesse da, zusätzlich was zu machen“, fügt er hinzu. Im vergangenen Jahr haben 15 Helmholtzler an dem Wettbewerb teilgenommen.