Kreis Südwestpfalz „Aus Misthaufen wurden Blumenbeete“
Ein sehr viel jüngerer Hans Erich Henkes empfängt auf einem Foto an der Pinnwand mit stolzgeschwellter Brust die Goldmedaille des bundesweiten Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke. 1967 war das, als das Konzept „Rosendorf“ in Schmitshausen noch ganz am Anfang stand. Gestern feierte die Gemeinde ein Jubiläum: Seit 50 Jahren nennt sie sich nun schon Rosendorf und genauso lang besteht der Verein der Rosenfreunde.
Neben Henkes auf dem alten Foto steht der strahlende Georg Buchheit, damals Bürgermeister von Schmitshausen. Die Gemeinde war damals seit rund einem Jahr Deutschlands erstes Rosendorf. Mit viel Mühe und Eigenleistung hatten die Einwohner ihr Dorf hergerichtet. Oskar Scheerer, damaliger Gartenbaudirektor im Zweibrücker Rosengarten, habe Śbeobachtet, wie sich die Bürger abmühten, ihr Dorf „aus dem Dornröschenschlaf zu befreien“, sagte Hanne Stauch, Vorsitzende der Zweibrücker Oskar-Scheerer-Stiftung, in ihrer Laudatio. Das Konzept „Rosendorf“ sei Scheerers Art gewesen, die Gemeinde zu unterstützen. Durch seinen Einfluss spendeten Händler und Baumschulen 10 000 Rosen, die unter fachkundiger Anleitung im Ort gepflanzt wurden (wir berichteten am Freitag ausführlich). In ihrer Rede unterschied Stauch die Menschen in drei Kategorien: Die Unbeweglichen, die an Althergebrachtem festhalten, die Beweglichen, die neue Ideen ausarbeiten und auf den Fortschritt hinarbeiten, und die, die sich bewegen, die Macher und ständig Werkelnden. Zur zweiten Gruppe der Vordenker sagte Stauch: „Hier hat Schmitshausen Glück, Sie haben ja Hans Erich Henkes.“ Als die Landwirtschaft zunehmend unprofitabel wurde und Betriebe schließen mussten, habe Henkes maßgeblich daran mitgearbeitet, dem Dorf ein neues Gesicht zu verleihen. „Aus Misthaufen wurden Blumenbeete“, fasste sie den Wandel vom landwirtschaftlich geprägten zum Rosendorf zusammen. Aus dem „traditionsreichen Bauerndorf“ Schmitshausen sei ein „schmuckes Rosendorf in der Westpfalz“ geworden. Als „unermüdlichen Impulsgeber“ bezeichnete Stauch Hans Erich Henkes, der 1982 das Bundesverdienstkreuz für seine Arbeit in der Gemeinde bekommen habe. Schmitshausen habe sich eine Richtung gegeben und diese 50 Jahre lang eingehalten, sagte Landrat Hans Jörg Duppré. Henkes bezeichnete er als „Symbolfigur“ für den stetigen Fortschritt in der Gemeinde. In Anerkennung seiner besonderen Leistungen auf kulturellem Gebiet und bei der Dorfentwicklung verlieh der Landrat Henkes die Ehrenplakette des Landkreises in Silber. Henkes Ehefrau, Helga Henkes, die ihrem Mann stets zur Seite gestanden habe, schenkte Duppré eine Kiste mit Kräutertee – für den Fall, dass sie ihren umtriebigen Gatten zügeln müsse. Markus Bold, Beigeordneter der Verbandsgemeinde, betonte, dass der hübsche Ort Schmitshausen Gäste anlocke und damit Werbung für die ganze Region mache. Wittenfels, die Partnergemeinde von Schmitshausen in der ehemaligen DDR, schickte Jubiläumsgrüße und eine Rosenpflanze mit Namen „Schloss Wittenfels“. Dann kam Henkes selbst zu Wort: Mithilfe einer Dia-Show gab er einen Abriss der Dorfentwicklung in den vergangenen 50 Jahren. Besonders lobte er den unermüdlichen Einsatz der vielen Helfer über viele Jahre hinweg. „So viele positive Dinge wurden heute gesagt, aber wir dürfen nicht verschweigen, dass wir auch große Probleme haben“, mahnte er und sprach von Überalterung und Bevölkerungsschwund. „Wir sind nicht mehr genug Leute, die bereit sind, sich voll reinzuknien.“ Deshalb sei es schwierig, die Anlagen im Dorf wie den Oskar-Scheerer-Platz und das Rosengärtchen am Friedhof instand zu halten. Die Auflösung des Ortsverbandes der Landfrauen bezeichnete er als großen Verlust. „Der Verein hat für mich zwei, drei Jahre zu früh aufgegeben.“ Eindringlich mahnte Henkes Rosenverein, Gemeinderat und Bürger zur Zusammenarbeit. Nur so könne man die Zukunft in Schmitshausen positiv gestalten. Er warnte vor Streit unter den Akteuren im Dorf. Man könne es sich keinesfalls leisten, sich zu entzweien. Reinhold Katschuk, Vorsitzender der Rosenfreunde, ehrte langjährige Mitglieder. Unter den 36 Mitgliedern der Rosenfreunde sind immer noch 18 Gründungsmitglieder. Hans Erich und Helga Henkes wurden Ehrenmitglieder. Anna Dörr, Alex Faust, Alois Groß, Manfred Hartenstein, Willi Hunsicker, Hilde Klug, Walter Lenhard, Cäcilia Mehler, Hermann Müller, Ottmar Müller, Greta Müller, Marianne Schieler, Hans Schieler, Pirmin Schieler, Jenny Staab und Anton Zimmer wurden für 50 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet. Außerdem zeichnete Reinhold Katschuk Schriftführer Markus Bauer und Horst Wosnitza für 25-jährige Mitgliedschaft aus. Adolf Strauf bekam eine Dankurkunde. (mefr)