Kreis Südwestpfalz Aus 887 Pfarreien sollen 35 werden

Die mehr als 1,3 Millionen Katholiken im Bistum Trier stehen vor einem Wandel der Kirchenstrukturen. Ihre 887 Pfarreien sollen zu 35 großen „Pfarreien der Zukunft“ zusammengeschlossen werden. Morgen wird in Trier erneut über die Gebietsreform beraten. An der Kirchenbasis finden die Pläne nicht überall Gefallen.
Nach einem ersten Entwurf für die neue Raumgliederung vom März sei Ende Oktober ein zweiter auf den Tisch gekommen, sagt Judith Rupp, Pressesprecherin des Trierer Bistums. Dieses umfasst unter anderem ganz Saarbrücken, Neunkirchen, Ottweiler und Gebiete im Raum St. Ingbert. „Die Rückmeldungen werden den diözesanen Räten am Freitag zur abschließenden Beratung vorgelegt.“ Knapp 200 Räte sollen die „Pfarreien der Zukunft“ diskutieren und dem Bischof ihre Empfehlung zur Neugliederung geben. Dann sei die öffentliche Diskussion beendet; die örtlichen Räte und der Priesterrat würden sich mit dem Thema befassen. Der „Strukturplan 2020“ sieht für das Saarland zehn Großpfarreien vor, für Rheinland-Pfalz 25; Dekanate fallen weg. Ein Beispiel: Der St. Wendeler Pfarrer Klaus Leist, der heute sechs Pfarreien mit 14 000 Mitgliedern betreut, wäre ab 2020 für 25 Pfarreien mit 26 000 Katholiken auf 233 Quadratkilometern zuständig. Dann reicht die neue „Pfarrei der Zukunft“ St. Wendel im Osten bis in den Kreis Kusel und im Norden bis Nohfelden. Von den deutlich größeren Einheiten erwartet sich Henning Gramlich vom Pfarreienrat St. Wendel hingegen gar nichts. Nach den Zusammenschlüssen von Pfarreien zu Pfarreiengemeinschaften vor wenigen Jahren könne er nicht nachvollziehen, warum die jüngste Reform schon wieder Geschichte sein soll: „Was bisher geschaffen wurde, wird jetzt wieder zunichte gemacht.“ Kirchenmitglieder würden verunsichert, weil ihre Gemeinden aufgelöst würden und ihre Eigenständigkeit verlören. Dies wirke sich auf die Verwaltung der Vermögen aus, die komplett in die neue Großpfarrei eingebracht würden. „Damit wird den Gemeinden die Substanz entzogen“, kritisiert Gramlich. Im Saarland soll es künftig die Pfarreien Saarbrücken, Neunkirchen, St. Wendel, Theley, Saarlouis, Völklingen, Dillingen, Lebach, Wadern und Merzig geben. Laut Gramlich wurden aus einigen Regionen Protestnoten ans Bistum gesandt; mit rechtlichen Schritten wurde gedroht. Ein Zentrum des Protests war Lebach. Hintergrund des „Strukturplans 2020“ sind der Priestermangel sowie die rückläufige Zahl der Katholiken. Damit verbunden gehen die Kirchensteuern zurück. 2007 zählte das Bistum noch fast 1,6 Millionen Mitglieder. Diese Zahl sei in den vergangenen zehn Jahren um gut zehn Prozent zurückgegangen, so Rupp. Die Zahl der aktiven Priester sei allein in den vergangenen beiden Jahren um rund 50 gesunken. Waren 2000 noch 588 Priester im aktiven Dienst, sank die Zahl Ende 2016 auf 294. „Aus Ordensgemeinschaften und anderen Bistümern sind derzeit zusätzlich 142 Priester im Bistum Trier im Einsatz, darunter rund 25 Priester aus Indien“, berichtet Rupp. Sie erwartet für die nächste Dekade einen weiteren altersbedingten Rückgang von rund 100 Priestern aus dem aktiven Dienst. Nachwuchs ist kaum in Sicht. Im Priesterseminar seien derzeit 20 Priesteramtskandidaten; 2007 waren es 42: „Derzeit gibt es pro Jahr zwei bis drei Priesterweihen.“ Der „Strukturplan 2020“ trat laut Rupp bereits 2011 in Kraft und sollte bis 2020 Bestand haben. Damals wurden Pfarreien bereits zu Pfarreiengemeinschaften zusammengefasst. Allerdings habe sich gezeigt, so Rupp, „dass die Fortsetzung der Seelsorge wie in den letzten Jahrzehnten keine angemessene und nachhaltige Reaktion auf die gesellschaftlichen Entwicklungen darstellt“. Mit der jetzigen Reform wolle man mehr auf lokale Gegebenheiten antworten. Es werde mehr Kooperationen geben, dafür biete man nicht mehr überall das Gleiche an.