Lambsborn RHEINPFALZ Plus Artikel Aus 16 mach’ 36: Nahwärmenetz wird um 20 Haushalte erweitert

Karl (links) und William Gortner betreiben neben ihrem Kartoffelhof schon seit mehr als zehn Jahren in Lambsborn ein Nahwärmenet
Karl (links) und William Gortner betreiben neben ihrem Kartoffelhof schon seit mehr als zehn Jahren in Lambsborn ein Nahwärmenetz. Zu den bislang 16 Haushalten, die auf diese Weise mit Wärme versorgt werden, kommen nun 20 weitere hinzu.

Seit März 2013 betreibt der Kartoffelhof Gortner in Lambsborn auf der Grundlage von Holzhackschnitzeln ein Nahwärmenetz. Zu den bisher 16 angeschlossenen Haushalten kommen nun 20 weitere hinzu. Von einer Sache ist Initiator Karl Gortner fest überzeugt.

Mehr als elf Jahre ist es mittlerweile her, dass der Kartoffelhof Gortner in Lambsborn ein Nahwärmenetz aufgebaut hat. 16 Haushalte werden seitdem auf diesem Weg beheizt, und noch mal mehr werden nun in den Kreislauf aufgenommen.

Karl Gortners Sohn William macht keinen Hehl daraus, was den Kartoffelhof damals zu der Entscheidung bewogen hat. „Das war Geschäftssinn. Wir haben den Wald. Wir haben unsere Feldränder. Wir machen im Ort die Wegepflege. Dabei kommt allerhand Holz zusammen, das man für sonst nichts gebrauchen kann.“ Vor der Errichtung des Nahwärmenetzes gab es auf dem Hof eine Kartoffelschnapsbrennerei. Dann wurde das Branntweinmonopol abgeschafft. „Plötzlich waren 40 Prozent unseres Einkommens weg.“ Zwar sei im Grunde schon jahrelang klar gewesen, dass es eines Tages dazu kommen könnte. „Es hat aber keiner damit gerechnet, dass das wirklich passiert. Und dann, innerhalb von drei Jahren, war das Monopol weg.“ Grund sei gewesen, dass in diesem Zusammenhang auch Subventionen gezahlt wurden, von denen die EU weg wollte. „Das mussten wir kompensieren“, erinnert sich Karl Gortner.

Idee aus dem Schwarzwald in die Westpfalz importiert

Wie kam er dann auf die Idee, ein Nahwärmenetz anzustoßen? „Als Jugendlicher bin ich über die Landjugend viel in Deutschland herumgekommen. Im Schwarzwald habe ich einen guten Freund, der in der Nähe seines Hofes in Triberg einige Ferienhäuser gebaut hat. Der beheizt sie mithilfe eines Nahwärmenetzes“, erzählt Gortner, wie alles begonnen hat. Sogar ein zwei Kilometer entferntes und bekanntes Sporthotel habe sein Bekannter auf diese Weise mit Wärme versorgt. Dennoch scheiterte damals sein erster Versuch, die Lambsborner im Zuge eines Vortrags durch einen Energieversorger für das Vorhaben zu begeistern. „Die Versorger wussten damals ja selbst noch nicht so genau, wie es geht“, sagt Karl Gortner und schmunzelt heute darüber. Dennoch hat sich nicht von seinen Plänen abbringen lassen und mit dem Nahwärmenetz losgelegt.

Heute sagt er: „Wir sind günstiger als andere.“ Wie das funktioniert? „Die Verbandsgemeinde Bruchmühlbach hat in Martinshöhe ein Nahwärmenetz, dort hängen die gemeindlichen Einrichtungen dran. Das Netz, das die gleiche Leistung hat wie unseres, hat damals beim Bau das Vierfache gekostet“, so Gortner. Der Unterschied sei, dass die VG bauen lassen musste – „wir haben es selbst gemacht, weil wir einen Großteil der Leitungen auf eigenem Grund verlegen konnten“. Zudem sei der laufende Betrieb in Martinshöhe teurer, weil hierfür ein Bereitschaftsdienst in drei Schichten habe aufgestellt werden müssen. Gortner: „Wir sind in Lambsborn halt da. Wir stellen unseren Kunden keine Bereitschaft in Rechnung, wir berechnen nur den Wärmepreis. Das ist der wesentliche Unterschied.“

Eine Kilowattstunde kostet 8,5 Cent

Bislang werden 16 Haushalte von den Gortners mit Wärme und Warmwasser versorgt. Die Häuser befinden sich in der näheren Umgebung des Landwirtschaftsbetriebs; das Netz reicht unter anderem bis in die Hauptstraße hinein. Seitdem es besteht, habe es nur einen Ausfall gegeben, erzählt Karl Gortner: „Wegen eines Stromausfalls, wo ja ansonsten auch nix geht.“ Das Netz funktioniere so gut, weil dessen Technik pflegeleicht und ausgereift sei, sagt sein Sohn. „Sonst würden wir nicht über eine Erweiterung nachdenken.“ Während die VG in Martinshöhe vor drei Jahren pro Kilowattstunde 24 Cent in Rechnung gestellt habe, verlange man in Lambsborn nur 8,5 Cent (inklusive Mehrwertsteuer), bei fünf Jahren Preisgarantie.

Das gehe deshalb, weil Familie Gortner nur eine Investitionssumme von 200.000 Euro abschreiben müsse – nicht, wie in Martinshöhe, 800.000 Euro. So mussten in Lambsborn von 800 Metern Leitungen nur 130 im öffentlichem Verkehrsraum verlegt werden. „Diese 130 Meter haben fast doppelt so viel Geld gekostet wie der ganze Rest.“ Ferner sei in Martinshöhe damals die Angst vor einem Ausfall des Nahwärmenetzes so groß gewesen, dass die Verbandsgemeinde dort noch einen Ölbrenner in gleicher Größe danebengestellt habe. „Das ist eigentlich Quatsch“, sagen die Gortners.

„Leute bezahlen nur das, was im Haus verbraucht wird“

Sie bringen die aus ihrer Sicht bestehenden Vorteile des Gortnerschen Nahwärmenetzes auf den Punkt: „Bei uns gibt es keine Folgekosten nach dem Einbau unserer Anlage in die Häuser.“ Deren Inhaber bräuchten keine Wartung und keinen Schornsteinfeger zu bezahlen. Und es gehe keine Energie durch den Schornstein verloren, bei einem Ölbrenner seien das 15 Prozent der Abwärme. „Die Leute bezahlen nur das, was für ihre Wärmeerzeugung im Haus verbraucht wird“, betonen Vater und Sohn.

Nahwärme ist nach Karl Gortners Überzeugung nicht nur eine große Chance für Lambsborn, um bei der Wärmeerzeugung unabhängig zu werden. Zumindest alle Waldgemeinden sollten seiner Ansicht nach diesen Weg wählen. „Mein Bestreben ist es, andere zu animieren, auch mit Nahwärme zu heizen.“ Beispielsweise alle Kommunen, „die am Pfälzerwald hängen. Oder Gemeinden, die Privatwald haben.“ Denn dort verrotte oft das Holz, mit dem man Nahwärmenetze betreiben könne.

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