Kreis Südwestpfalz Auf Stimmenfang im Netz
In den sozialen Medien herrscht theoretisch rund um die Uhr Wahlkampf. Jeder kann heutzutage kostenlos Informationen verbreiten. Doch bei der Wahl zum Oberbürgermeister zwischen Markus Zwick (CDU) und Sebastian Tilly (SPD) scheint es keine große Rolle zu spielen. Eine Analyse.
Am 7. August schreibt der User @tillywaehlen auf Twitter: „Jetzt könnt ihr mich auch hier finden.“ Dahinter scheint der OB-Kandidat Sebastian Tilly zu stecken. Allerdings ist der Twitter-Account nicht besonders erfolgreich. Nur eine Person folgt @tillywaehlen. Und aktuell ist der Account auch nicht, denn der letzte Post wurde abgesetzt am 8. August. Sucht man nach Markus Zwick, findet man nichts auf Twitter. Von Zwick hingegen gibt es ein Video auf YouTube, hochgeladen von der Jungen Union Pirmasens. In knapp elf Minuten läuft Zwick durch die Stadt und beantwortet Fragen von verschiedenen Bürgern, die offensichtlich einen zuvor auswendig gelernten Text aufsagen. Dieses Video nutzt Zwick – aufgeteilt in mehrere Abschnitte –, um auf Facebook auf sich aufmerksam zu machen. Bewegtbild soll, so sagen viele Experten, im nahezu undurchschaubaren Algorithmus des Sozialen Netzwerks besser behandelt werden als etwa Links oder Text-Posts. Tilly postet vor allem Fotos von Wahlkampfständen, Unterstützern und Werbeaktionen in der Stadt Pirmasens. Aber auch Artikel von Medien, die über ihn berichten, dominieren seinen Feed, wie man die chronologische Darstellung nennt. Wer hat die besten Posts? Wir haben uns die Facebook-Beiträge der letzten 30 Tage angeschaut und die Interaktionen gezählt. Das ist die Anzahl aller Likes, Shares und Kommentare. Die ersten sieben Plätze belegen Posts von Markus Zwick. Platz eins titelt Zwick mit „Haustürwahlkampf fordert erste Opfer“. Im Text erzählt er davon, dass seine Sohlen durchgelaufen sind und er einen Schuhmacher besucht hat. Schuhe gehen offenbar immer in Pirmasens. Auch im Internet. Tillys Post mit den meisten Interaktionen ist ein Foto von der Podiumsdiskussion mit dem Text „Auf einen gelungenen Abend. Abendessen im China Wok Pirmasens... lecker. Danke an alle meine Unterstützer! IHR SEID SUPER!“ Wer ist aktiver im Netz? Markus Zwick postet im Schnitt 1,37 Beiträge pro Tag. Bei Sebastian Tilly sind es 0,57 Posts pro Tag. Doch Tillys Anhänger sind offenbar aktiver. Seine Interaktionsrate, also die Interaktionen pro Follower, lag in den letzten 30 Tagen bei etwa 31 Prozent. Bei Markus Zwicks Anhänger auf Facebook sind es nur etwa acht Prozent. Wer hat den Wahlkampf im Netz gewonnen? Das lässt sich so einfach nicht sagen. Denn: Ein Besucher der Seite muss den Post nicht liken oder teilen, um ihn gesehen zu haben. Wichtig ist vor allem auch, wie er auf den Besucher wirkt. Auch, wenn man die Aktivitäten im Social Net besser messen kann als bei klassischer Plakatwerbung, heißt das noch nicht, dass man dem Wähler ansehen kann, in welcher Art und Weise er sich von der Werbung auf Handy und Bildschirm beeinflussen lässt. Nicht sehen kann man als Außenstehender, wie viel die beiden Pirmasenser Wahlkampfteams in bezahlte Werbung im Netz investiert haben. Denn: Reichweite kann man bei Facebook auch kaufen. Zwar werden die Beiträge, die so verteilt werden, auch als Werbung gekennzeichnet, doch ist das vielen Internet-Usern schlicht und ergreifend egal. Sie sehen den Post so oder so. Wie bei klassischer Plakatwerbung.