Kreis Südwestpfalz „Auf dem Weg des Wahnsinns“

Einstimmig fasste der Homburger Stadtrat gestern Abend eine Resolution. Diese appelliert an die Frankenthaler Geschäftsführung der Firma KSB, auf die geplante Schließung ihres Produktionsstandorts Homburg zu verzichten. Für 19. November sind erste Gespräche der Geschäftsführung mit Gewerkschaften und Betriebsrat anberaumt.
Wie mehrfach berichtet, wären von einer Schließung der Homburger Niederlassung des Pumpenherstellers KSB 81 Arbeitsplätze betroffen. Unter den vielen KSB-Mitarbeitern und Gewerkschaftern, die die Ratssitzung am Donnerstagabend besuchten, war auch Ralf Reinstädtler von der IG Metall Homburg-Saarpfalz. Er sagte, er könne die von der Geschäftsführung mit der Schließung offenbar beabsichtigte Einsparung von 5,5 Millionen Euro nicht nachvollziehen. Und große Unterwasserpumpen, wie sie in Homburg mit seiner 18 Meter tiefen Prüfanlage gefertigt werden, könne man in Frankenthal gar nicht bauen, da das dortige Prüffeld nur elf Meter tief sei. Die Rechnung der KSB-Entscheider sei fehlerhaft. Ein Gegengutachten, das das Saarbrücker Info-Institut im Auftrag der IG Metall im Oktober vorgelegt hat, komme zu dem Schluss, dass bei einer Schließung in Homburg nicht nur 81 Menschen arbeitslos, sondern auch noch der Konzern selbst geschädigt würde. In seiner Resolution unterstützt der Stadtrat die Bemühungen des Homburger Oberbürgermeisters um ein Gespräch mit der KSB-Geschäftsführung. Dort soll es um mögliche Beiträge gehen, die die Stadt zum Erhalt des Standorts leisten kann. Barbara Spaniol (Linke) nannte das Homburger KSB-Werk „top“, es dürfe keinesfalls „zerstört“ werden. Die Geschäftsführung müsse vom „Weg des Wahnsinns“ abgebracht werden. Namens der CDU-Fraktion würdigte Michael Forster den Erhalt von Arbeitsplätzen als „die allerbeste Sozialpolitik“. Salvatore Vicari (SPD), selbst Gewerkschafter, lobte die Resolution als „starkes Signal aus dem Rathaus“. Dagegen kritisierte Carola Piazolo (Grüne) das Papier als „zu unkonkret, zu allgemein formuliert“. Wie Georg Weisweiler (Allianz für Homburg) stellte sie die Frage, was denn die Homburger Stadtverwaltung im vergangenen Vierteljahr unternommen habe, seit der Schließungsbeschluss bekannt sei. OB Rüdiger Schneidewind (SPD) entgegnete, dass er vor seinem Amtsantritt im Oktober von KSB kaum als Verhandlungspartner akzeptiert worden wäre. Auch habe er zuerst das Gutachten vom Info-Institut abwarten müssen. Dieses liege nun vor – zusammen mit der gestrigen Stadtrats-Resolution könne er jetzt „gestärkt in die Gespräche gehen“. (ghm)