Kreis Südwestpfalz Auch die Hobbygärtner hatten unter der Hitze zu leiden
Seit Monaten sind Wiesen und Weiden in unserer Region so braun und ausgedorrt, dass Pferde und Rindvieh keinen grünen Halm mehr finden. Die Landschaft gleicht der Sommerdürre Italiens, Südfrankreichs und Spaniens. Gut, dass die Landwirte in der Südwestpfalz bereits im Frühjahr begonnen haben, ihre Futtervorratsspeicher prall zu füllen. Der in die abgeernteten Stoppel- und Maisfelder ausgesäte Raps- und Getreidesamen liegt weitgehend reglos im Erdreich. Regen für den Austrieb fehlt. Der Unwetterregen vor einer Woche war ein kleiner Lichtblick.
Die Erdmieten mit Silage sind so häufig auf den Feldern und bei den Bauernhöfen zu sehen wie nie zuvor. „Die Bauern werden im nächsten Frühjahr noch froh sein, wenn sie im Mai noch bisher nicht benötigte Erdmieten zur Viehfütterung öffnen können. Niemand weiß, ob 2019 der Frühling so zeitig ist wie in diesem Jahr, als schon im April Grünfutter gemäht werden konnte“, sagt Landwirt Fritz Gerhardt aus Herschberg. Niemand solle sich täuschen lassen, dass das abgelaufene Erntejahr ein schwieriges und sorgenreiches für die Bauern war. Trotz zeitweilig schlechter Prognosen blieb der Ertrag bei der Getreide- und Maisernte oft über dem normalen Durchschnitt. Auf der Sickinger Höhe und bis ins benachbarte Saarland habe man keine Noternte zu verzeichnen, erzählt Gerhardt mit Erleichterung. Nur dürfe sich eine solch hartnäckige Trockenheit mit einer so unerträglichen Hitze nicht jedes Jahr wiederholen. Andreas Veith aus Battweiler blickt auch erleichtert auf die Winterzeit, denn er und sein Vater haben mehrere Silagemieten mit Gras-, Mais- und der Luzerne angelegt, um nicht in Futternot zu kommen. In den letzten warmen Tagen des Septembers wurde vor allem in den Talwiesen noch überall das Krummet in Ballen gewickelt oder gepresst. Nur im feuchteren Talgrund konnten die Wiesen noch einmal grün werden und für einen mähfähigen Aufwuchs sorgen, erzählt Jörg Klein aus Winterbach. Ansonsten mussten die Bauern auf ihre Maisernte vertrauen, die unter der Hitze ohne kräftigere Regenschauer enorm zu leiden hatte. Zum Glück habe sich auch hier durch kurze Regengüsse mit vier bis sechs Liter Regen noch einiges zum Besseren gewendet, da der Mais bereits von geringer Feuchtigkeit profitiert. Trotz alledem wurde der Mais im Schnitt mindestens drei Wochen früher geerntet als sonst üblich. Es hat auf der Feldflur gestaubt wie noch nie, wenn der Mais eingebracht wurde. Auf die freien Felder konnten die Landwirte noch ihre Gülle fahren, bevor die Güllegruben übergelaufen wären. Danach musste auch eingesät werden, obwohl kein Regen kam. Dies führte dazu, dass die Keimung im Boden weder beim Raps noch beim Getreide in Gang kam. Deshalb sind die Bauern froh über den Regen, der am Sonntag vor einer Woche beim Unwettersturm über der Landschaft niedergeprasselt ist. Der Regenmesser von Renate Kau aus Battweiler hat eine Niederschlagsmenge von 30 Litern angezeigt. Es sei viel kostbarer Regen noch verloren gegangen, bedauert die Hobbygärtnerin. Es habe in kurzer Zeit geschüttet und nicht sachte geregnet, damit das ausgedorrte Erdreich den Niederschlag hätte aufnehmen können. In der Schlossparkstraße vor ihrem Haus habe es die Kanaldeckel aus der Verankerung gedrückt, weil selbst der Kanal die Wassermassen in diesem Tempo nicht aufnehmen konnte. Auch für die Liebhaber eines Nutzgartens hat dieser Hitzesommer viel Verdruss gebracht. Alle Pflanzen hatten zu leiden, sodass selbst gießen keinen Erfolg mehr hatte. Viele Gartenbesitzer haben nur noch Tomaten, Gurken, Paprika und Zucchini bewässert, weil diese Pflanzen auch bei diesen Bedingungen noch Ertrag bringen. Alles andere hätte den Wasserverbrauch unnötig kräftig erhöht, ohne einen wirklichen Nutzen im Garten zu haben. Eine ganz schlechte Saison sei es für den beliebten grünen Salat gewesen. Auch für die Bienen sei der Sommer eine Plage gewesen, erzählt Ewald Hüther aus Stambach. Sie hätten viel Wasser benötigt, um ihren Bienenstock zu kühlen, damit vor allem auch der Nachwuchs überleben konnte. Es wäre wichtig gewesen immer eine Wasserstelle zum Auftanken anzubieten. Die kurze Bodenfeuchte durch den Regen am Sonntag vergangener Woche haben die Landwirte ab Montag genutzt, um Felder zu pflügen und sie gleich für die Aussaat von Triticale und teilweise Weizen vorzubereiten. „Es läuft nicht wirklich gut mit der Feldbestellung“, meint Andreas Veith. Zwar seien es schöne Herbsttage, um draußen Arbeiten zu können, aber dieser erfrischende Regen ist fast schon wieder verflogen. Das Erdreich hat von der Hitzedürre Risse, die bis einen Meter in den Boden hinein gehen. Es hat deshalb jetzt wieder keinen Sinn mehr zu pflügen, weil alles knochenhart ist. Weizen wird gesät, obwohl dafür noch etwas Zeit wäre. Die Bauern fürchten jedoch, dass irgendwann ein Wetterumschwung kommt, sodass sie möglicherweise nicht mehr in die Felder kommen. „Dieser Dauersommer wird wahrscheinlich über Nacht vorbei sein und es kommt ein anderes Extrem“, befürchtet Veith. Ein wenig Unterstützung für die Keimung versprechen sich die Bauern vom dem Tau, der jetzt durch die starken Temperaturschwankungen zwischen der wärmeren Tageszeit und der starken Abkühlung in der Nacht entsteht. In einigen Feldern spitzt der Raps aus der Erde, aber viel häufiger sei er nicht zu sehen, so Veith. Die sei beängstigend, meinen die Bauern, denn niemand möchte die Felder noch einmal bewirtschaften. Es bräuchte einfach Regen, der einmal mindestens bis 25 Zentimeter ins Erdreich eindringt. Beim Grünland an den Südhängen und mit Sandboden würde es bis Weihnachten dauern, damit dort wieder grünes Gras lebendig wird, so der düstere Blick in die Zukunft unter den Landwirten. Werner Veith kann am Mühlweg nach Niederhausen blauen Klee mähen, der mit solch trockenen Wetterbedingungen noch ganz gut zurecht kommt im Gegensatz zum Gras.