Kreis Südwestpfalz Angst, abgehängt zu werden

Ein ICE fährt in den Bahnhof Saarbrücken ein. Personal, das vor Ort schnelle Entscheidungen treffen kann, wird künftig fehlen.
Ein ICE fährt in den Bahnhof Saarbrücken ein. Personal, das vor Ort schnelle Entscheidungen treffen kann, wird künftig fehlen.

Die Deutsche Bahn zieht mit DB Regio die letzte eigenständigen Bahn-Standort der Saarländer von Saarbrücken ab. Rund 40 Mitarbeiter werden dann nach Mannheim und Frankfurt wechseln müssen. Damit bestätigt Ralf Damde, Landeschef der Bahngewerkschaft auf Nachfrage einen Bericht der Saarbrücker Zeitung.

Das Saarland verliere bei der Bahn gerade die letzten Ansprechpartner und Entscheidungskompetenzen in der Region. Künftig müsse die Landesregierung für alle strategischen Standortfragen und regionalen Interessen entweder in Mainz oder in Frankfurt Rücksprache halten, sagt der Landesvorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft (EVG), Ralf Damde. Verbesserungen im Fernverkehr oder dem Nahverkehr seien unter diesen Vorzeichen nicht mehr zu erwarten. Seit der Bahnreform vor 25 Jahren seien die Arbeitsplätze im Land von 6000 auf 2000 geschrumpft, ein Verlust von 60 Prozent, rechnet Damde vor. In anderen Bundesländern hätte man gerade einmal Arbeitsplätze im Bereich von 30 Prozent gestrichen. „Stattdessen wird in der Zentrale aufgebaut“, kritisiert Damde. In den vergangenen drei Jahren seien 700 Millionen Euro an Berater gezahlt worden, die DB Regio neu organisieren sollten. „Man kann zwar sagen, DB Regio sei schon immer von Mannheim aus geführt worden, doch zunächst sind die Häuptlinge vorausgegangen und nun folgen die Indianer“, sagt Damde. Bei der Bahn heißt es auf Anfrage, das Büro bleibe. Damde meinte dazu nur gallig: „Leere Büros haben wir hier schon genug“. Der Abzug von DB Regio bedeute den Wegfall einer Leitstelle, die Verlegung von Teamleitern und das fehlen von Personal, das vor Ort schnelle Entscheidungen zugunsten der Bahnkunden treffen kann. Die Bahn führte weiter aus: „Seit 2015 wird der DB Nahverkehr im Saarland von DG Regio Mitte – mit Sitz der Regionalleitung in Mann heim – organisatorisch betreut. Daran wird sich auch künftig nichts ändern.“ Die Bahn erklärt notwendige Anpassungen mit Ausschreibungsgewinnen und -verlusten. „Im Saarland betrifft das konkret den Verlust von Los 2 im Elektronetz Saar RB“. Allein hier bedeute der Verlust eine Leistungsreduzierung von jährlich 2,3 Millionen Zugkilometer bei DB Regio Mitte im Saarland. „Gewinne und Verluste machen organisatorische Anpassungen notwendig.“ Dennoch beteuert die Bahn: „Das Saarland ist für die DB ein wichtiges Bundesland und wird nicht abgehängt“, sagt ein Bahnsprecher. Darüber hinaus zieht die Bahn Damde zufolge die oberste Führungskraft, den Konzernbevollmächtigten für das Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen voraussichtlich noch im ersten Quartal 2019 ab. Er sei der zentrale Ansprechpartner für alle Bahninteressen an der Saar. Zu der Personalie wollte sich der Bahnsprecher nicht äußern. Damde erhob allerdings schwere Vorwürfe an die Politik. Es werde immer nur Hilfe zugesichert, aber wenn es darauf ankomme, geschehe nichts. Als alarmierend bezeichnete der Vorsitzende der Linksfraktion im saarländischen Landtag, Oskar Lafontaine, die Vorwürfe des Landeschefs der Eisenbahngewerkschaft, Damde, an die saarländische Landesregierung. Dass das Saarland bei der Bahn gerade die letzten Ansprechpartner in der Region verliere, weil die DB Regio nach Mannheim und Frankfurt verlegt werde, sei besorgniserregend. Gute Schienenverbindungen seien für die zukünftige Entwicklung des Saarlandes lebenswichtig. Bedauerlich sei, dass die verantwortlichen Politiker der Regierungsfraktionen in Berlin, Kramp-Karrenbauer, Altmaier und Maas, keine Zeit für die saarländische Eisenbahnergewerkschaft gefunden hätten. Es sei bedrohlich, dass Ralf Damde mit weiteren Verschlechterungen im Bahnverkehr rechne, insbesondere auf der Strecke Frankfurt-Saarbrücken-Paris. Lafontaine: „Es ist nicht nachvollziehbar wie die Landesregierung Verbesserungen im Schienenverkehr, die früher durchgesetzt wurden, leichtfertig aufs Spiel setzt. Das mangelnde Engagement von Kramp-Karrenbauer, Altmaier und Maas wenn es darum geht, saarländische Interessen in der Bundespolitik durchzusetzen, ist ein Skandal.“

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