Kreis Südwestpfalz An den Bäumen hängt so viel Obst, dass die Äste brechen

Die ersten Zwetschgenkuchen sind gebacken, und wer Glück hat, der kann noch einige schöne Mirabellen pflücken. Denn die Fäulnis quer durch alle Obstsorten ist das große Ärgernis der Obsternte in diesem Jahr. An den Bäumen brechen auffallend viele Äste ab: Die Last ihres viel zu üppigen Fruchtbehanges und ihres Gewichts nach den heftigen Gewittern in den vergangenen Wochen sind daran schuld.
„In diesem Jahr gibt es vom heimischen Obst einfach nur viel zu viel“, sagt Michael Höh aus Herschberg. Wo man in die Obstanlagen hineinblickt, hängen die Äste bis zum Boden oder sind unter dem extremen Übergewicht des Obstbehanges zusammen gebrochen, berichtet der Fachmann vom Obst- und Gartenbauverein. Er hat seinen Bäumen bereits Erleichterung verschafft, da er den Fruchtbehang kräftig ausgedünnt hat. Das ist eine Maßnahme, die sich bezahlt gemacht hätte in der Qualität und Fruchtgröße. Außerdem hätte es verhindert, dass die Bäume unerwünschte Schäden am Astwerk erlitten haben. Seit Juli konnte der Obstbauer viele Zwetschgen in hervorragender Güte ernten. Mirabellen hatte er sogar in solch großer Menge geerntet, dass er von dem Überangebot Maische angesetzt hat, um daraus einen Mirabellenschnaps brennen zu lassen. Große Freude bereiten Michael Höh auch seine Apfelbäume. Durch die ausreichende Feuchtigkeit wurden seine Äpfel immer kräftiger und saftiger. Höh bedauert allerdings, dass in diesem Jahr wieder viele Tonnen Obst in der Region verderben, weil sie nicht geerntet werden. „Es ist jammerschade um das viele gesunde Obst“, meint er, „denn es reift ganz natürlich und kerngesund heran“. Doch wer den richtigen Erntezeitpunkt erwischt, der kann der Fäulnis zumindest teilweise ein Schnippchen schlagen, weiß er. Karl Ehresmann aus Winterbach hat schon einige seiner Bäume abgestützt, damit die Äste nicht brechen, hatte damit aber nur teilweise Erfolg. Der Fruchtbehang war einfach viel zu stark. Nur eine rechtzeitige Reduzierung des Fruchtansatzes hätte den Astbruch verhindern können, aber das wäre eine Heidenarbeit gewesen, meint er. Er kann nur bestätigen, dass man förmlich zusehen konnte, wie sich die Fäulnis des Obstes auf dem Baum ausgebreitet hat. Wer sich nicht zum umweltfreundlichen Spritzen zum richtigen Zeitpunkt entscheiden konnte – das bedeutet, bei bei jeder Obstsorte zu einem anderen Termin –, der hat nur noch wenig Freude an seiner Obsternte. Die Einschätzung von Ehresmann teilt Edwin Laborenz aus Battweiler. Für ihn steht fest, dass nach einer solchen Ernte mit einem riesigen Überangebot, das eigentlich niemand richtig nutzen kann, im Folgejahr die Bäume häufig überhaupt kein Obst tragen. Sie müssen eine Erholungspause einlegen, da sie sich völlig verausgabt hätten. Aber er freut sich über die vielen Mirabellen, die seine Frau eingekocht hat und genießt den saftigen Zwetschgenkuchen, seine Leibspeise. Auch Manfred Becker aus Battweiler freut sich über den Zwetschgenkuchen. Ebenso gut hätte in diesem Jahr auch der Kirschkuchen geschmeckt. „Es hat richtig Freude gemacht, Kirschen, Mirabellen oder Zwetschgen zu brechen, denn im Nu war der Korb voll“, erzählt Heinz Ruble aus Battweiler. Leider müsse man auch viel Obst vom Wiesenboden entfernen, da es die Bäume aus Überlastung einfach abwerfen. Bei den Apfelbäumen sei nach drei Tagen der Boden wieder mit Fallobst bedeckt. Die heimischen Obstanbauer sind besorgt, weil viele Bäume große Astbruch-Schäden haben. Vor allem die älteren Bäume seien davon betroffen. Deshalb müssten wieder Jungbäume als Ersatz angepflanzt werden, aber dies geschieht immer weniger. Das Obst vom eigenen Baum würde immer mehr an Bedeutung verlieren. Die heimische Landschaft würde wesentlich ärmer werden, wenn es keine Obstbäume mehr in der Feldflur und ums Haus gibt. Das farbenfroh blühende Frühjahr würde man vermissen und den Bienen, Hummeln und Insekten würde eine wichtige Nahrungsquelle fehlen. „Verschwinden die Streuobstwiesen, dann hat das auch schwerwiegende Auswirkungen auf unsere Singvögel“, mahnt Karl Ehresmann. (hac)