Lambsborn
Am letzten Oktobertag ist bei der Bäckerei Schmidt Schluss
Im Nachhinein sieht Udo Schmidt die damalige Entscheidung, die Bäckerei in Lambsborn zu kaufen und zu betreiben, als Fehler an. „Das Dorf müsste dreimal so groß sein, um das Geschäft wirtschaftlich betreiben zu können“, sagt er. Deshalb hat er hier auch keinen Nachfolger gefunden.
Nicht ohne Grund hat Schmidt also schon vor 25 Jahren nach Bruchmühlbach-Miesau expandiert, in die Kaiserstraße. Schaut er aus seinem Geschäft auf die gegenüberliegende Straßenseite, erzählt er: „Da drüben war der alte Laden. Vor drei Jahren sind wir hierher umgezogen.“
„Brot müsste fünf bis sieben Euro kosten“
Schmidt, 61 Jahre alt, hätte bis vor wenigen Monaten keinen Gedanken daran verschwendet, vorzeitig aufzuhören. Doch dann kamen Corona und der Krieg in der Ukraine. Die Preise seiner Waren musste der Bäckermeister schon wegen Corona vorsichtig um etwa 10 bis 15 Cent erhöhen. Das reicht aber nicht mehr, um die durch den Krieg weiter gestiegenen Kosten aufzufangen. Schmidts Tochter Laura Gauter schätzt: „Würden wir alle Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben, müsste ein Brot fünf bis sieben Euro kosten. Das kann sich aber keiner leisten.“
Udo Schmidt: „Im Februar war in Lambsborn acht oder neun Stunden lang der Strom weg. Da war irgendwo auf der Höhe eine Leitung kaputt. Die Pfalzwerke haben die gleich repariert. Ich glaube, innerhalb von 25 Minuten war der Strom wieder im Ort. Zumindest im Verteilerhäuschen. Aber die Elektrik darin müsste schon seit Jahren repariert werden. Der Strom kam nicht gleich an die Häuser. Die Pfalzwerke schreiben der Verbandsgemeinde immer wieder auf den Rapportzettel, dass der Verteilerkasten nicht mehr standhält, wenn das Netz in Lambsborn hochgefahren wird. Denn dann bleibt der Verteilerschutz nicht drin. Da muss ein neuer Sicherungsautomat in den Verteiler im Dorf. Der ist ein bisschen größer und kostet mehr Geld. Ein halbes Jahr vorher hatten wir das schon mal. Und beide Male war die Produktion eines ganzen Tages kaputt. Ich konnte alles aus der Backstube wegwerfen. Im Februar habe ich dann zum ersten Mal überlegt, ob ich das noch hinnehmen will.“ Schmidt wollte wissen, warum das Problem nicht behoben wird. „Ich habe den Verbandsgemeinde-Bürgermeister von Bruchmühlbach-Miesau angeschrieben und den Bürgermeister. Ich warte bis heute auf Antwort.“
Gewinn wird immer weniger
Noch im Mai hat Schmidt eine Messe besucht. Um herauszufinden, was andere Bäckereien tun und wie sie produzieren. „Da war ich noch recht zuversichtlich. Aber dann kamen die ständigen Preiserhöhungen, die ich an meine Kunden nicht weitergeben kann. Der Gewinn wurde immer weniger. Und ich finde keine Leute mehr, die mitarbeiten wollen. In Lambsborn hatten wir schon dienstags geschlossen, weil wir nicht mehr genug Verkäuferinnen haben. Wir können nicht planen. Was passiert im nächsten halben Jahr? Was ist mit den Energiepreisen? Mit den Rohstoffpreisen? Kein Mensch weiß das. Da kam mein Entschluss: Wir machen zu.“ Schmidt suchte einen Nachfolger für seine beiden Häuser. Nach Lambsborn wollte keiner. Trotz der Backstube dort.
Insgesamt beschäftigte Udo Schmidt zehn Personen. Für den Verkauf, die Buchhaltung oder als Fahrer. Die Filiale in Bruchmühlbach-Miesau konnte er aufrechterhalten, weil seine Frau und seine Tochter dort mitarbeiten. „Früher waren wir in der Produktion vier Leute. Jetzt sind wir in der Backstube nur noch zu zweit. Das ist nicht zu schaffen.“ Um zu verdeutlichen, was das für seine Familie bedeutet, zieht der Großvater einen sportlichen Vergleich. „Was wir hier machen, das ist Formel Eins fahren. Wir kriegen im Moment noch jede Kurve. Mit viel Glück und Kraft. Aber irgendwann sind die Reifen abgefahren. Dann rutschen wir raus. Das will ich nicht.“ Noch arbeite sein Betrieb wirtschaftlich. „Die Zahlen sind sogar gut. Aber wir haben keine Perspektive mehr. Wir hören auf, weil wir nicht genügend Kräfte haben, um die viele Arbeit zu stemmen. Ich mache das hier schon seit eineinhalb Jahren ohne Urlaub. Ohne freien Tag. Ich will das Schiff nicht auf Grund setzen.“
Erst einmal durchatmen
Das Café in Bruchmühlbach-Miesau und Schmidts Lieferungen wird die Bäckerei Dusch aus Mackenbach übernehmen. Das Personal bleibt. Für sich hat der gebürtige Otterberger Udo Schmidt beschlossen: „Ich mach erst mal nix. Erst einmal durchatmen. Und mal schauen, ob sich irgendwann was ergibt, das mir Spaß macht.“