Kreis Südwestpfalz Alte Hüttenstadt, moderne Kunst

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„Das is jo richtig geil“, staunt ein Besucher beim ersten Blick in die neuen Museumsräume. Nein, so klingt sie wirklich nicht, die feine Schriftsprache, wie man sie in Kulturkreisen pflegt. Dennoch hat der Mann den Nagel auf den Kopf getroffen. Er war am Samstag Eröffnungsgast im Neunkircher Kulturzentrum „Kult“: Das krachneue Museum für moderne Kunst sprengt den gewohnten Rahmen saarländischer Mittelstädte. Beeindruckend, in der Tat.

Für 1,3 Millionen Euro hat die Stadt ihre frühere Festhalle namens Bürgerhaus umbauen lassen; die Hälfte der Kosten bezahlte die Europäische Union. Seit Neunkirchen mit der modernisierten Gebläsehalle eine neue leistungsfähige Konzert- und Theaterhalle hat, wurde das kleine Bürgerhaus in seiner bisherigen Form überflüssig. Am Samstag feierte das umgekrempelte Bürgerhaus nun unter seinem neuen Namen „Kult“ Premiere. Das Kürzel, so erklärte es Oberbürgermeister Jürgen Fried, steht für die Schlagworte Kultur, Unterricht, Literatur und Theater. Unter einem Dach fasst die Stadt hier neuerdings ihre Bücherei sowie die Volkshochschule und die Verwaltung der Kulturgesellschaft und der Musik- und Musicalschule samt Probebühne zusammen. Regionale Strahlkraft dürfte bald das moderne Kunstmuseum erlangen, das im umgerüsteten früheren Bürgerhaus-Veranstaltungssaal eingerichtet wurde. Dort entfaltet sich die Städtische Galerie nun auf gut 500 Quadratmetern. Von der Modernen Galerie Saarbrücken abgesehen, dürfte man im Saarland kaum Vergleichbares vorfinden. Gegenüber Großmuseen hat das neue Neunkircher Schmuckstück den Charme, dass es noch klein genug dafür ist, dass der Besucher auch wirklich alle ausgestellten Bilder und Installationen betrachten kann, ohne irgendwann erschöpft kapitulieren zu müssen. Der Kunsthistoriker Wolfgang Kermer, langjähriger Rektor der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste, hat seiner saarländischen Heimatstadt gut 300 moderne Kunstwerke aus seiner privaten Sammlung geschenkt. Mit deren dauerhafter Ausstellung im Obergeschoss des neuen Kunstzentrums kann die Stadt Neunkirchen nun mit einem bemerkenswerten Pfund wuchern: Dank Kermers Geschenk gibt es hier nun jederzeit die Handzeichnungen, Aquarelle, Radierungen, Lithografien, Fotos, Collagen sowie Glas- und Bildhauerarbeiten von 114 Meistern zu entdecken – darunter von Kermer selbst, aber auch vom skandalumwitterten Wiener Enfant terrible Alfred Hrdlicka und von dem exzentrischen Neo-Expressionisten Markus Lüpertz. Einer der Ausstellungsräume ist ganz den Blättern eines Totentanzes gewidmet, in dem der Grafiker Fritz Arnold anno 1918 seine Horror-Erlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg verarbeitet hat. Noch in den Kinderschuhen steckt das neue Hüttenstadt-Museum im Erdgeschoss: Hier soll in den nächsten drei Jahren eine Schau zur Sozialgeschichte des früheren Neunkircher Eisenwerks Gestalt annehmen. Bewusst ist kein technisches Industriemuseum geplant. Zur Premiere wird hier jetzt eine Auswahl journalistischer, künstlerischer und dokumentarischer Fotos und Videos vom Glanz und Niedergang des Werks gezeigt. Adresse, Öffnungszeiten Das neue Kulturzentrum „Kult“ befindet sich im ehemaligen Bürgerhaus an der Adolf-Kolping-Straße 1 in Neunkirchen. In seinem Innern öffnen das Hüttenstadt-Museum sowie die moderne Städtische Galerie mit Wechselausstellungen und der dauerhaften Sammlung aus der Schenkung Wolfgang Kermer jeweils dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 12.30 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr. Donnerstags von 10 bis 12.30 sowie von 14 bis 18 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr. Sonntags und an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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