Wallhalben RHEINPFALZ Plus Artikel Als Wallhalben noch aus zwei Dörfern bestand, es den Fassmacher gab und man bei Adidas arbeitete

Die evangelische Kirche spielt eine große Rolle im Leben von Mathilde Zeiler. Dort wurde sie getauft und konfirmiert, und sie ha
Die evangelische Kirche spielt eine große Rolle im Leben von Mathilde Zeiler. Dort wurde sie getauft und konfirmiert, und sie hat dort auch die Ehe geschlossen. Ihre drei Mädchen wurden am Altar ebenfalls getauft, darunter die heutige Bürgermeisterin. Schon beim Kaffee Trinken am Morgen genießt sie von ihrem Esszimmer den Blick zur Kirchturmuhr.

Leute aus der Nähe: Wenig erinnert heute noch daran, dass Wallhalben vor 50 Jahren aus zwei Dörfern entstanden ist: aus Wallhalben und Oberhausen. Dass das Dorf immer noch zwei Friedhöfe hat, ist vielleicht das auffälligste Zeichen. Aber Mathilde Zeiler, 1944 geboren, kann noch viel mehr aus der Geschichte des Dorfes – oder der Dörfer – erzählen.

„Ich bin eigentlich eine echte Wallhalber-Oberhauserin“, sagt Mathilde Zeiler. Ihre Mutter Paula, geborene Löhr, war Wallhalberin, und Vater Gustav Schäfer aus Oberhausen hat nur einen Steinwurf von der Katzenmühle entfernt gewohnt. Er hatte es gewagt, der Liebe wegen, über die damalige Kreisgrenze an der Wallhalb zwischen Zweibrücken und Pirmasens nach Wallhalben zu kommen. Oberhausen gehörte zum Landkreis Zweibrücken, Wallhalben zum Landkreis Pirmasens.

Nur der Geburtsort konnte bei Mathilde Zeiler nicht Wallhalben sein, da sie 1944 in der so schweren Kriegszeit geboren wurde. Die Mutter hatte die Zeit der Schwangerschaft trotz vieler Entbehrungen und Gefahren gut überstanden. Als jedoch die Geburt anstand, da musste sie mit dem ungeborenen Kind ins Finsterbrunnertal bei Trippstadt. Hermann Ziegler von der Sägemühle gegenüber der Würschhauser Mühle hat die Mutter ins dortige Naturfreundehaus gebracht. Die Ärzte aus dem Krankenhaus in Kaiserslautern waren dorthin umgezogen, da es in der Stadt längst zu gefährlich war, um den Bewohnern noch annähernd beruhigt und sicher zu helfen.

Damals hatte kaum jemand in der Gegend ein Auto

Der gute Hermann vom Sägewerk habe damals mehrere Frauen in der Erwartung von Nachwuchs ins Finsterbrunnertal gefahren, denn er hatte eines der wenigen Autos im weiten Umkreis. Sägewerk und Getreidemühle nur 200 Meter vor Wallhalben gehören jedoch schon immer zu Herschberg.

An die Glockenweihe für die Dorfkirche wenige Jahre nach Kriegsende kann sich Mathilde Zeiler noch gut erinnern, da durften sie und ihre Freundinnen in ihren schönsten Kleidchen an den Feierlichkeiten teilnehmen. Die Glocken waren für die Rundfahrt durchs Dorf besonders geschmückt. Es war ein beeindruckendes Fest bei schönem Wetter. Die evangelische Kirche habe einen besonderen Platz in ihrem Leben. Dort wurde sie getauft und konfirmiert, und sie hat dort auch die Ehe geschlossen. Ihre drei Mädchen wurden am Altar ebenfalls getauft. Schon beim Kaffeetrinken am Morgen genießt sie von ihrem Esszimmer den Blick zur Kirchturmuhr.

Zur Schule musste die junge Mathilde für die ersten vier Jahre nach Oberhausen. Die letzten Jahre der Schulzeit erlebte sie in Wallhalben beim beliebten Lehrer Ernst Schick. Das Schulhaus war der heutige Altbau und langjährige Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung Wallhalben, bis 1991 die Erweiterung mit dem Neubau kam. Für Frauen damals nicht selbstverständlich, hat Mathilde Zeiler sich auch besonders für das Gemeindeleben interessiert. Ein Grund sei wohl auch das Wirtshaus des Vaters „Zum Gustav“ gewesen, wo nicht nur am Stammtisch das Dorfgeschehen heiß diskutiert wurde.

Vater und Bruder Hans von der Tankstelle und der Landmaschinenwerkstatt in Wallhalben waren viele Jahre im Ortsgemeinderat. Ihre Art mitzuhelfen und dabei zu sein, wenn es galt anzupacken, hat Mathilde Zeiler in die Lokalpolitik geführt. So gehörte sie für die FDP dem Verbandsgemeinderat an. Diese Ader für das politische Geschehen scheint sie an ihre Tochter Christine Burkhard weitergegeben zu haben, die jetzt Bürgermeisterin von Wallhalben ist – wenn auch nicht für die Freien Demokraten, sondern für die Freien Wähler.

Aufgewachsen mit dem Geruch von Wallhalber Brot

Im historischen Dorfkern von Wallhalben mit Blick zur ehrwürdigen Dorfkirche aus dem 12. Jahrhundert ist Mathilde Schäfer, wie sie mit Mädchennamen hieß, aufgewachsen. Das dörfliche Miteinander bis ins elterliche Gasthaus hinein hat sie geprägt. Fast jeden Tag schon früh am Morgen habe sie den frischen Brotgeruch aus der Bäckerei Leiner oder von der Wallhalber Mühle in der Nase gehabt, wo Karl Ritter und Karl Leiner das beliebte große Mühlenbrot gebacken haben. Ob beim Leiner oder beim Ritter – Wallhalber Brot sei immer eine Besonderheit gewesen. Vor allem noch in der schlechten Nachkriegszeit habe man die Backkunst der tüchtigen Bäcker zum Wohle aller Dorfbewohner geschätzt, erinnert sich die Wirtshaustochter. In Wallhalben gab es viele Annehmlichkeiten, sodass man für viele Notwendigkeiten des täglichen Lebens nicht zeitaufwendig in die Stadt musste.

„Wir hatten das Kaufhaus Dreßler an der Straßenecke nach Saalstadt, wo es neben Lebensmitteln auch eine Konfektionsecke gab“, erinnert sie sich. Im gleichen Haus hatte schon die Raiffeisenbank ihren Sitz, bis mit der Verbandsgemeinde die Kreissparkasse kam. Es gab noch das Gasthaus Rudolf Höhn mit der Metzgerei nur 30 Meter von ihrem Elternhaus entfernt. Der Gemeindepfarrer wohnte im Pfarrhaus bei der Kirche. Es gab die Sattlerei und Polsterei Zumstein und den Fassmacher und Küfermeister Bender. Das Dorf hatte mit Fritz Gerhard und Ernst Gesing zwei Ärzte. Außerdem den Zahnarzt Ludwig Saalfrank. Die Apotheke Blickensdörfer war zu jener Zeit zwischen dem Dorfladen und der Tankstelle. Die Mahlmühle Ritter am Bachlauf gehörte schon immer zum Dorfbild der beiden Mühlendörfer, die bis 1968 zwei eigenständige Dörfer waren, berichtet Zeiler.

Es seien harte, gelegentlich unsachliche und zugespitzte Verhandlungen um Nichtigkeiten gewesen, bis die Vernunftehe zustande kam. Die Oberhauser hätten ihren kostbaren Buchwald gehabt und die Wallhalber ihre Sandkaut (Sandgrube), die weniger wert war als der Wald. Beides habe bald für die gemeindlichen Finanzen überhaupt keine Rolle mehr gespielt.

Als Adidas mit seiner Fabrik für Wohlstand im Dorf sorgte

Schließlich kam die Adidas Schuhfabrik mit am Ende über 500 Mitarbeitern nach Wallhalben, was das Dorf zeitweilig zu einer der wohlhabendsten Gemeinden im Landkreis machte. Die Aufgabe der hochwertigen Schuhproduktion und der völlige Abzug des Weltunternehmens war für Wallhalben Ende der 80er Jahre und für viele Familien im Umfeld eine Katastrophe, erzählt Zeiler. Ein unersetzliches Standbein für Wohlstand sei über Nacht verschwunden. Der Weltkonzern habe kein Mitleid verspürt.

Die Erinnerungen der Wirtstochter über die Geschehnisse im Dorf haben sich in ihrem Gedächtnis stark eingeprägt, sodass Mathilde Zeiler die jüngere Dorfgeschichte in einigen Abläufen noch gut vor Augen hat. Für die Bewohner der Sickinger Höhe und des Arnbachtals sei Wallhalben immer ein wichtiger Mittelpunkt gewesen. Dass Wallhalben 1972 Verwaltungssitz wurde, als die Verbandsgemeinden in Rheinland-Pfalz gegründet wurden, das sei nur die Fortsetzung einer langen Tradition mit den umliegenden Dörfern gewesen. Die Verbandsgemeinde habe für die Entwicklung der Dörfer große Fortschritte bewirkt, findet die Wallhalberin, die schon immer gerne in ihrem Mühlendorf zuhause ist.

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