Kleinbundenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Als ein halbnackter Mann dem Nikolaus die Tür öffnete

„Wir hatten auch schon Kinder, die schreiend weggelaufen sind“, erzählt Manfred Gerlinger, der am Samstag zusammen mit seiner Fr
»Wir hatten auch schon Kinder, die schreiend weggelaufen sind«, erzählt Manfred Gerlinger, der am Samstag zusammen mit seiner Frau Rita, Schwiegersohn Stefan Wagner und Tochter Sina Wagner (von links) die 40 Kinder im Dorf beschenkt hat.

Die halbe Feuerwehr stand vor der Tür, als ein halbnackter Mann öffnete. Solche Geschichten kann Kleinbundenbachs Bürgermeister Manfred Gerlinger erzählen, der am Samstag wieder als Nikolaus unterwegs war. Er erklärt auch, warum sein Dorf einen eigenen Kindergarten möchte.

KLEINBUNDENBACH. Herr Gerlinger, Sie sind seit wann Ortsbürgermeister und seit wann Nikolaus?
Ortsbürgermeister bin ich seit Juli 2019, den Nikolaus mache ich schon sehr lange. Günther Hahm hat das immer gemacht, und als der verstorben ist, habe ich das übernommen. Das dürfte zehn Jahre her sein.

Das Nikolaus-Amt ist also nicht an den Posten als Ortsbürgermeister gebunden?
Um Gottes Willen, nein. Eigentlich hat das immer jemand von der Feuerwehr gemacht. Und das Ganze ging damals auch vom Freundeskreis der Feuerwehr aus. Ich bin jetzt 47 Jahre Mitglied der Kleinbundenbacher Feuerwehr, und ungefähr als ich eingetreten bin, hat das mit dem Nikolaus angefangen. Also rund 45 Jahre jetzt schon, fast sogar 50.

Was verteilen Sie heute eigentlich?
Weckmänner für die Kinder und für die Kleinkinder verschiedene Süßigkeiten wie Schokolade. Und die Geschenke, mit denen uns die Eltern beauftragt haben. Die stehen dann meist schon vor der Haustüre, wenn wir kommen, einzelne haben wir aber auch dabei. Insgesamt kostet der Inhalt des Bollerwagens rund 300 Euro, die übernimmt der Förderverein der Feuerwehr.

Wer bekommt ein Geschenk vom Nikolaus? Musste man sich anmelden?
Nein, eher abmelden. Alle Kinder in Kleinbundenbach von einem Jahr bis zum Schuleintrittsalter bekommen ein kleines Nikolausgeschenk. Außer, die Eltern wollen es nicht, dann können sie ihre Kinder abmelden. Das hat aber niemand getan dieses Jahr. Es kommen sogar Kinder von außerhalb extra am Nikolausabend nach Kleinbundenbach, beispielsweise, wenn die Großeltern hier wohnen, um den Kleinbundenbacher Nikolaus zu sehen. Und Geschwisterkinder, die schon in der Schule sind, bekommen sonst immer Bonbons. Wir hatten immer einen Eimer, in den sie einfach reingreifen durften, aber wegen Corona haben wir die Gutsjer in diesem Jahr hygienisch verpackt. Genau wie die Weckmänner, die sind auch einzeln in Folie verpackt.

Wie viele Kinder beschenken Sie heute?
40. Und das bei 420 Einwohnern.

Hallo? Das sind ja nahezu zehn Prozent! Haben die Kleinbundenbacher im Dunkeln nichts Besseres zu tun als Kindermachen?
(lacht) Deshalb brauchen wir ja einen eigenen Kindergarten. Ich denke mal, nach Corona wird die Kinderzahl noch mal steigen. Wir denken auch schon über neue Bauplätze nach.

Und Sie dürfen heute auch zu viert zusammen laufen, da gibt es keine Probleme?
Nein, wir sind zwei Haushalte, meine Frau und ich und meine Tochter und ihr Mann. Sowas wie in Clausen kann bei uns nicht passieren. Und wir haben alle Mundschutz an an den Haustüren. Der Nikolaus bleibt ein par Meter weg, einer von uns geht klingeln und tritt auch direkt zurück, und wir stellen die Geschenke kontaktlos vor die Tür. Alles Corona-konform. Ich habe extra zuvor bei der Verbandsgemeinde-Verwaltung nachgefragt. Mit der Begleitung etlicher Mitglieder der Feuerwehr, wie wir es früher immer gemacht haben, ist es in diesem Jahr leider nicht möglich. Wir hatten schon Jahre, da war die ganze Feuerwehr dabei, also bis zu 20 Mann. Aber das dürfen wir heute nicht. Die Kinder dürfen dann aber schon kurz singen oder ein Gedicht aufsagen, um ein bisschen Normalität reinzubringen. Es sind ja sämtliche Feste im Ort flachgefallen dieses Jahr, auch der Martinsumzug. Da muss man schon was machen für die Kinder. Früher sind wir noch in die Wohnungen eingeladen worden, das geht natürlich jetzt auch nicht.

Wie viele Kilometer legen sie heute zu Fuß im Nikolauskostüm zurück?
Insgesamt so vier, fünf Kilometer vielleicht. Wir haben um 17 Uhr angefangen. Früher hat es länger gedauert, weil die Aufenthalte länger waren, heute sind wir wahrscheinlich früher fertig. Ich denke, es geht bis 20 oder 20.30 Uhr. Früher hat sich die Feuerwehr dann noch getroffen und gemeinsam gegessen hinterher, aber in diesen Zeiten dürfen wir ja unsere Mannschaftsräume gemeinsam ja gar nicht mehr betreten.

Gibt es besondere Erlebnisse aus den vergangenen Jahren?
Jedes Jahr sind die strahlenden Kinderaugen etwas Besonderes. Und das ein oder andere Dankeschön, wenn Kinder uns selbst gemalte Bilder überreichen, zum Beispiel. Oder Gedichte. Die habe ich über die Jahre gesammelt zuhause. Aber es gibt auch lustige Begebenheiten. Einmal haben wir geklingelt, da hat ein halbnackter Mann die Tür geöffnet. Er hat vermutlich gerade mit der Freundin zusammen gebadet, als wir kamen. Der wohnt nicht mehr hier und war auch zugezogen, und er kannte unsere Nikolaustradition vermutlich nicht. Der war total überrascht, als der Nikolaus und die halbe Feuerwehr vor der Tür standen. Wir hatten auch schon Kinder, die schreiend weggelaufen sind. Der Nikolaus ist eine Respektsperson, bei der die Kinder sofort still werden. Und die Kinder sind erstaunt, wenn der Nikolaus den Namen des Kindes kennt. Weil ich Bürgermeister bin, kenne ich die meisten ja mit Namen, die gehen ja in den Kindergarten, für den ich zuständig bin. Ich habe selbst zwei Enkel, die kriegen auch was, aber da wird der Nikolaus gewechselt, die würden mich direkt erkennen.

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