Kreis Südwestpfalz 55 Jahre altes Feuerwehrauto wird doch repariert
Das ausgemusterte Feuerwehrfahrzeug der Althornbacher Wehr muss auf seine alten Tage noch mal ran. Der Sechstonner wird heute mit einem Tieflader aus Althornbach abgeholt und nach Hessen gebracht.
Ende Januar bezahlte ein Unternehmer aus dem Landkreis Offenbach bei einer Internet-Auktion 3827 Euro für den 55 Jahre alten Magirus (wir berichteten am Donnerstag). Er möchte das Fahrzeug wieder instand setzen und zu einem Kipper umbauen. Wie eine Angestellte im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagte, betrieb der Firmeninhaber früher einen Containerdienst, mittlerweile habe er diesen Geschäftszweig aber stark zurückgefahren. Er kaufe Grundstücke und baue Garagen drauf. Eben für diese Bautätigkeit brauche er das alte Feuerwehrauto. Mit einem Oldtimer-Kennzeichen versehen, soll das 125 PS starke Fahrzeug zum Materialtransport eingesetzt werden. Ihr Chef habe noch weitere Oldtimer, darunter PKW, die er an Hochzeitspaare verleihe. „Er hat außerdem schon ein anderes ausgemustertes Feuerwehrauto. Einen Leiterwagen. Den nimmt er zur Reinigung von Dachrinnen“, verrät die Angestellte. Es sei eine Mischung aus Sentimentalität und wirtschaftlichem Denken, das ihren Brötchengeber zu solchen Aktionen bringe. Ein Oldtimer mit einem entsprechenden Sonderkennzeichen sei auch nicht von möglichen Fahrverboten für Diesel-Fahrzeuge betroffen. Das Magirus-Deutz-Löschgruppenfahrzeug mit neun Plätzen, Baujahr 1963, war laut Althornbachs Wehrführer Frank Böhm das älteste Feuerwehrauto in Rheinland-Pfalz. Mitte Juli hatte es bei einem Brand in Hornbach einen Motorschaden, seitdem war es außer Dienst gestellt. Die Verbandsgemeinde hat es Mitte Dezember bei einer Internetauktion angeboten. 29 Gebote von sieben Bietern waren bis Mitte Januar eingegangen. Das Feuerwehrauto mit 125 PS fuhr eine Spitzengeschwindigkeit von 75 Stundenkilometern, und wenn man in einen anderen Gang schaltet, musste man Zwischengas geben oder die Kupplung doppelt treten. Der frühere Wehrleiter Markus Schmidt bekannte aber vor anderthalb Jahren im Gespräch mit der RHEINPFALZ: „Wenn ich die Wahl habe, fahre ich mit dem Magirus statt mit einem modernen Auto.“ Dass das Auto, das zuvor in Rodalben beim Katastrophenschutz im Einsatz war, so lange durchhielt, führte er auf das massive Material zurück: „Das sieht man schon bei den Stoßstangen. Die sind einfach solide, und die verdienen ihren Namen absolut.“ Und Probleme ließen sich oft mit zwei Schraubenschlüsseln und einem Hammer rasch beseitigen. „Die neuen Autos müssen bei Störungen gleich außer Dienst gestellt werden und womöglich zum Hersteller in die Werkstatt“, sagte Schmidt damals. Der Motorschaden vom vergangenen Sommer war dann allerdings so gravierend, dass sich eine Reparatur für die Verbandsgemeinde nicht mehr gelohnt hätte. Die Verwaltung habe eine rein wirtschaftliche Entscheidung getroffen, sagte Verbandsbürgermeister Jürgen Gundacker im Dezember im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Und er ergänzte: „Wehmut ist da nicht dabei.“