Kreis Südwestpfalz Über die erste Komödie hat einfach niemand gelacht

Contwig/Zweibrücken. Literatur ist die große Leidenschaft von Jan Erik Conrad aus Zweibrücken. Der 16-jährige Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Contwig liest nicht nur alles, was er in die Finger bekommt, sondern schreibt auch eigene Geschichten. Für eine seiner Kurzgeschichte wird er nun ausgezeichnet: Heute erhält Conrad einen Preis des landesweiten Wettbewerbs zur Förderung junger Schreibtalente.
Die prämierte Geschichte ist der zehnseitige Krimi „Brennende Neuigkeiten“. Darin berichten der junge Reporter Jack Fredwick und seine Kollegin Ami über eine Mordserie, in die sie unversehens selbst verwickelt werden. Denn der Mörder hat es auf Journalisten abgesehen, speziell die, die Jahre zuvor seine Betrügereien aufgedeckt und veröffentlicht hatten – darunter auch Ami. Conrad hat sich schon in einigen Genres versucht. „Ganz am Anfang hab ich Fantasy geschrieben, also nicht die kindliche Art, sondern mehr die ernsthafte, brutale Schiene“, sagt er und grinst. Seine erste Komödie verfehlte ihr Ziel: „Es hat einfach niemand gelacht.“ Also setzte er sich wieder hin und probierte es erneut. Eine andere Komödie über den Tod und das Leben sei dann bei der kritischen Zuhörerschaft im Verwandten- und Freundeskreis besser angekommen. Auch ein richtiges Buch habe er begonnen, aber nach rund 130 Seiten aufgehört. „Die Geschichte hatte sich irgendwie totgelaufen“, erklärt der 16-Jährige. Das findet er aber gar nicht schlimm: Jede Geschichte, ob er sie nun fertigschreibt oder zwischendurch abbricht, sei eine gute Übung und helfe ihm, besser zu werden. Für den Wettbewerb „Durchblick“ wollte er ein Genre nutzen, das möglichst viele Leute anspricht. Ein Krimi bot sich an. David Polak hatte dem jungen Mann vorgeschlagen, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Der Lehrer an der IGS fungiert als Conrads Mentor und Ansprechpartner. Von der Arbeit seines Schützlings ist er begeistert. Conrad sei „einer der eloquentesten Rhetoriker“ der Schule. „Er hat eine angenehme Art zu schreiben. Es liest einfach sich gut.“ Für „Brennende Neuigkeiten“ fertigte Conrad vier verschiedene Fassungen an, änderte einiges ab, schmiss alles um und begann wieder von vorne. Wenn er anfängt zu schreiben, habe er eine bestimmte Situation im Kopf, vielleicht eine Frau, die nachts aus dem Schlaf gerissen wird. Von diesem Bild gehe er aus, dann entwickele sich die Geschichte. Die Namen ändere er zu einem späteren Zeitpunkt meist noch einmal. Namen sind wichtig, so Conrad, denn sie lassen ein Bild im Kopf entstehen, eine bestimmte Vorstellung des Charakters. Fünf Tage vor Einsendeschluss entschied Conrad, alles bisherige wegzulassen und noch einmal von vorne anzufangen. Das bereitete seinem Lehrer schlaflose Nächte. „Ich dachte, das reicht niemals. Und die Geschichten, die er vorher geschrieben hatte, waren auch gut“, erzählt Polak. „Zum Teil bin ich bestimmt perfektionistisch. Manchmal gibt es einfach einen Störpunkt in der Geschichte, und dann funktioniert sie nicht mehr für mich“, erklärt Conrad. Die Zeit reichte dann doch noch, und der Beitrag wurde prämiert. Mit rund 20 anderen Geschichten wird Conrads Krimi in einem Sammelband veröffentlicht. Der Zweibrücker Landtagsabgeordnete Fritz Presl nimmt den Schüler heute mit zur Ehrung nach Mainz. Privat liest Jan Conrad Bücher aus allen möglichen Genres. „Ich lese in alles mal rein.“ Er mag immer noch Fantasy, wie Eragon oder der Herr der Ringe. Zuletzt habe ihn aber die schwarze Komödie „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“ von Sebastian Niedlich sehr beeindruckt. „Er macht sich über den Tod lustig, aber es ist gleichzeitig ernst. Es ist mysteriös und auch traurig“, berichtet er. Und für die Schule gibt es immer etwas zu lesen. Die Bücher, die im Deutschunterricht durchgenommen werden, mag Conrad aber selten: Es wäre besser, meint er, wenn jeder Schüler ein Buch, das ihm gefällt, vorstellen dürfte, statt immer nur die Klassiker durchzunehmen. Vor allen Dingen will Conrad weiterschreiben. Auf dem Computer habe er über 100 teilweise unfertige Geschichten, und es kommen ständig neue dazu. Das nächste Projekt wird wohl noch einmal ein Krimi. Vielleicht will er damit an einem weiteren Wettbewerb teilnehmen. Im Oktober hat der junge Schriftsteller seine erste öffentliche Lesung in der Zweibrücker Stadtbücherei, zusammen mit dem Schriftsteller Wolfgang Ohler. Außerdem steht im nächsten Jahr die Oberstufe an, auf die sich Conrad konzentrieren muss. Aber Zeit für eine neue Geschichte bleibt immer.