Kreis Südliche Weinstraße Zur Sache: „Manchmal plakativ und oberflächlich“

Placeholder-Image

Wie bewertet die Forschung das Diskussionspapier der SPD-Landtagsfraktion zur Zukunft des ländlichen Raums? „Man muss anerkennen, dass sich die Fraktion bemüht hat, alle Lebensbereiche im ländlichen Raum anzusprechen. Bei dieser Fülle entsteht aber auch das Problem, dass manche Punkte plakativ und oberflächlich dargestellt werden, die tiefer beleuchtet werden müssten. Außerdem fehlt dem Papier eine Priorisierung und eine übergeordnete Perspektive“, erklärt Gabriela Christmann vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner, Brandenburg, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Professorin für Soziologie forscht seit Jahren über den ländlichen Raum in Deutschland und Europa. Ein Punkt, den sie äußert positiv bewertet, dreht sich um die medizinische Versorgung. Auch wenn Mangelerscheinungen in manchen Landstrichen immer wieder zurecht kritisiert würden, sei Rheinland-Pfalz im Vergleich zu anderen Bundesländern hervorragend aufgestellt und der Zustand beneidenswert, das belegten wissenschaftliche Untersuchungen, sagt Christmann. Enttäuscht sei sie hingegen vom Kapitel zum Thema Wertschöpfung in den Regionen. „Natürlich geht es um die Sicherung von Fachkräften, aber dazu braucht es Unternehmen, die diese beschäftigen. Und die kann man nicht einfach herzaubern“, betont die Forscherin. Die SPD-Fraktion arbeite in ihrem Papier mit sehr herkömmlichen Wirtschaftsförderungsmodellen wie der Clusterbildung – dabei sollen bestimmte Regionen Schwerpunkte für bestimmte Wirtschaftsbereiche bilden –, diese sei jedoch inzwischen in die Kritik geraten, weil sie Regionen von einem Wirtschaftszweig abhängig machen könne. „Deshalb sollte das Land auch stärker Start-ups unterstützen.“ Aus Christmanns Sicht sind folgende Punkte für die Zukunft des ländlichen Raums von entscheidender Bedeutung: Die Basis sei eine wirtschaftliche Perspektive für die Menschen in der jeweiligen Region. Zudem spielten auch Schulen eine wichtige Rolle, deshalb begrüße sie auch die geringen Klassenmesszahlen in Rheinland-Pfalz. Und dann gehe es vor allem um regionale Wertschöpfungsketten, das erwirtschaftete Geld müsse in der Region bleiben. Deshalb seien besonders regionale Wirtschaftkreisläufe entscheidend. „In Deutschland gibt es noch keine ausgestorbenen Dörfer, aber es wird sie geben. Doch die Gemeinden haben ihre Zukunft auch selbst in der Hand. Die Forschung zeigt, dass diejenigen Orte bei Menschen beliebt sind, in denen es Aktivitäten gibt“, sagt Christmann.

x