Kreis Südliche Weinstrasse
Wolfgang Anselmann ist seit mehr als 40 Jahren bei Prunksitzungen in Edesheim aktiv
Jeder, der sich für den südpfälzischen Karneval interessiert, kennt ihn: Wolfgang Anselmann, Chemielaborant bei der BASF in Ludwigshafen, der seit mehr als 40 Jahren bei den Prunksitzungen des Männergesangvereins Concordia Edesheim als närrische Allzweckwaffe das Publikum begeistert.
Von Gerhard Sommer
Er gehört zum Urgestein des Edesheimer Faschings: Wolfgang Anselmann. Angefangen hat alles ganz anders. Schon lange bevor er die erste Prunksitzung des MGV Concordia im Jahr 1978 mit aus der Taufe hob, begann sein fasnachtliche Wirken als Mitgestalter der „närrischen Singstunde“.
Die Redensart „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ gilt auch für den 63-Jährigen. Fasnacht, das war schon immer eine Familienangelegenheit bei Anselmanns. Vater Otto Anselmann war nicht nur der erste Vorsitzende der Concordia, sondern schlüpfte bei der Prunksitzungspremiere auch gleich in die Rolle des Sitzungspräsidenten. Auch bei vier Söhnen wurde der „Bazillus Carnevalis“ entdeckt. Auch heute zählen noch zwei Brüder zu den Aktivposten im Edesheimer Karneval.
Missen möchte Wolfgang Anselmann die mehr als 40 Jahre mit Narrenkappe und spitzer Zunge nicht. „Ich wurde bereits in jungen Jahren vom Faschingsfieber gepackt und gehe im Fasching auf“, resümiert er aus tiefstem Herzen. Anselmann blickt zurück auf das, was in den zurückliegenden vier Jahrzehnten in der fünften Jahreszeit zum Schmunzeln, Lachen oder auch zum Nachdenken angeregt hat. Seine Auftritte machten ihn bald zu einem der populärsten Edesheimer Fasnachter.
Vollständige Manuskripte seiner Büttenreden gibt es zumindest für die vergangenen 13 Jahre nicht. Zuvor trat der Tausendsassa in verschiedenen Rollen gemeinsam mit unterschiedlichen Partnern auf. Als Solist in seiner Paraderolle als Hausmeister reichen Wolfgang Anselmann Handzettel mit Stichworten völlig aus. Mit feiner Ironie und verstecktem Witz würzt er seinen Auftritt, der stets vor der Pause den Saal ins Wanken bringt. Über den Sitzungspräsidenten, seine Frau und über das Dorfgeschehen weiß der Hausmeister allerlei zu berichten. Außerdem liest er dem Publikum immer wieder die Leviten. Als Hausmeister – eine Rolle, die ihm auf den Leib zugeschnitten ist – tritt er mit dem Publikum in den direkten Dialog und beweist meisterhaft, wie Menschen in den Bann gezogen werden können.
Ein Muss bei den Zuhörern sind Anselmanns „Lipes“, bei denen von allen Variationen des Lebens berichtet wird. So werden zwei Wochen vor dem Urlaub die Koffer gepackt und die Kleider stehen nicht mehr zur Verfügung. Unter die Gürtellinie gehe bei ihm kein Witz. Man wolle ja schließlich auch nach dem Abend den Mitmenschen in die Augen sehen können, sagt er. Mit Mitbürgern, deren Namen in seinen Büttenreden vorkommen, spricht er vorher und holt sich deren Einverständnis ein. So blieben unangenehme Überraschungen und Disharmonien bei den Betroffenen aus.
Vor 30 Jahren seien Büttenredner noch reine Witze-Erzähler gewesen. Heute sei das Publikum damit nicht mehr zufrieden, betont Anselmann im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Leute im Saal hätten Vergleichsmöglichkeiten mit dem Fernsehen und wollten zumindest genau so gut unterhalten werden.
Die karnevalistische Vielseitigkeit von Wolfgang Anselmann unterstreicht er nicht nur als Hausmeister, sondern auch als Mitglied des Elferrats, des Männerballetts und als Sänger im „kleinen Chor“, der – auf bekannte Melodien vertont – das Dorfgeschehen parodiert. Anselmann weiß, dass bei seinen karnevalistischen Aktivitäten auch die Familie hinter ihm steht. Seine Frau Regina gehört hinter den Kulissen zum Schmink-Team, Tochter Eva tanzte früher bei der Garde mit.
Nach Wünschen für die Zukunft gefragt, sagt Wolfgang Anselmann, der beliebte Aktivposten der Concordia: „Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass es gelingt, auch in Zukunft mit vielen Menschen in vollen Sälen und auf den Straßen schön Karneval zu feiern.“