Kreis Südliche Weinstraße Wo Erinnerung lebendig wird

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„Ich habe es noch genau vor Augen, wie Alt und Jung bei Kriegsende 1945 mit erhobenen Händen aus dem Stollen kamen, vor dem die Amerikaner standen“, sagt der 84-jährige Rudi Schwarz aus Vorderweidenthal. Nun wurden zwei Info-Tafeln zum Westwall aufgestellt.

Auch nach fast 70 Jahren nicht ohne Emotionen. Der 1000 Quadratmeter große Stollen, der unterhalb des Rappenfelsens in Vorderweidenthal als Teil des Westwalls in den Berg getrieben wurde, sollte den Nazis als Krankenstation dienen. Rund 500 Vorderweidenthaler haben in diesem Stollen das Ende des Krieges erlebt und überlebt. Auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Ludwig Berger wurde der Stollen aufgebrochen, um einer weiteren Evakuierung zu entgehen. Die Idee, dem Vergessen entgegen zu wirken und zu diesem Thema zwei Informationstafeln – eine am alten Schulhaus in der Ortsmitte und eine am Eingang des heute zugeschütteten Stollens – aufzustellen, stammt von Lothar Wagner. Er ist Beigeordneter im Gemeinderat und Mitverfasser der Dorfchronik von Vorderweidenthal und Oberschlettenbach. Er hat viele Stunden in Archiven zugebracht und die Texte geschrieben (wir berichteten am 11. Juni). Unterstützt wurde er von Archivar Rolf Übel und Alwin Becker aus Vorderweidenthal. „Wir haben die Tafeln optisch an die des Westwallwegs angepasst“, so Übel beim Treffen am alten Schulhaus. Ortsbürgermeister Artur Helfer, der bei Kriegsende fünf Jahre alt war, weiß die Namen derer, die im Stollen an Krankheiten gestorben sind, darunter seine Großmutter. Die Namen der zwölf Männer, die auf einem der Fotos zu sehen sind, kennt Rudi Schwarz, der damals 14 Jahre alt war. Es sind die Männer, die bei der ersten Evakuierung 1939 als einzige im Dorf zurückblieben, um das Getreide zu dreschen. Er kann sich auch an den Weihnachtsgottesdienst 1944 erinnern, der im Stollen abgehalten wurde. Dort steht eine zweite Tafel, die über die Anlage des Stollens informiert. Den Text dazu hat Bauingenieur Alwin Becker geschrieben. (pfn)

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