Billigheim-Ingenheim
Wo du Wolle: Warum Alpakas auch im Schneetreiben schön warm haben
Es riecht nach Heu, wenn man sich der Koppel am Klingbach in Ingenheim nähert. Alpakahengst Silver hebt seinen Kopf und schaut interessiert. Aber nur kurz. Dann ist das Gras wieder interessanter. „Kommen Sie ruhig rein“, sagt Dorothe Becht, die gerade auf der Koppel zugange ist. Auf die Idee, Alpakas zu halten, kam das Ehepaar Becht wegen der Wolle der Tiere. Schafswolle war ihnen zu kratzig, wohingegen die Wolle der Alpakas sehr zart und auch für Allergiker geeignet ist. „Es war eine Entscheidung ins Blaue hinein. Die Tiere haben uns direkt verzaubert“, sagt Dorothe Becht.
Für die Bechts fing alles mit Ninifee an. Die zehn Jahre alte Stute ist Chefin der Herde und Mutter der vierjährigen Benita, der zweijährigen Selma und des zwei Monate alten Bruno. Dann gibt es da noch Benitas einjährigen Sohn Filou sowie ihren zweimonatigen Sohn Luis. Zur Herde gehören auch die fünfjährige Emma und die zweijährige Sally. Übrig bleiben der zweimonatige Theo sowie der neunjährige Leithengst Silver.
Alpakas werden oft mit Lamas verwechselt
Die Stuten werden von den Hengsten getrennt gehalten, um die Nachwuchsplanung kontrollieren zu können. Einmal pro Jahr könne eine Alpaka-Dame schwanger werden, sagt Dietmar Becht. Das Ehepaar sieht sich nicht als Zuchtbetrieb. Die Bechts wollen den manchmal sturen Tieren möglichst viel Freiheit gewähren. Das beruhigende Wesen der Tiere merkt man übrigens schon nach wenigen Augenblicken. Wegen ihrer Gelassenheit sind sie auch als Therapietiere für psychisch oder kognitiv beeinträchtigte Kinder, Jugendliche und Erwachsene geeignet. Alpakas sind zwar anfangs sehr scheu, aber auch sehr neugierig. Eine spannende Mischung. Oft verwechseln Menschen Alpakas und Lamas, jedoch gibt es markante Unterschiede. Alpakas sind von ihrer Statur her wesentlich kleiner und leichter, zudem sind ihre Ohren gerade nach oben stehend, während die der Lamas leicht gebogen sind. „Auch wurden sie ursprünglich für unterschiedliche Zwecke gezüchtet“, sagt Dietmar Becht, „Alpakas wurden zur Fleisch- und Wollgewinnung gezüchtet, Lamas dienten als Nutztiere.“
Alpakas sind keine Gourmets, sie ernähren sich kostengünstig und genügsam von Gras und Heu, für andere Nahrung wie Äpfel oder Karotten ist ihr Verdauungsapparat nicht ausgelegt, diese enthalten zu viel Zucker. Der Salzleckstein deckt ihre Mineralienzufuhr, und ganz selten, um sie anzulocken, gebe es Pellets, sagt Dorothe Becht. Für Futter würden manche Tiere alles tun, ergänzt sie augenzwinkernd. An diesem Tag dürfen die Alpakadamen an den neu nachgewachsenen Grashalmen knabbern, die ihnen besonders munden. Im Schnitt werden die Tiere um die 20 Jahre alt, was einem menschlichen Alter von 80 entspräche, sagt Dietmar Becht.
Kälte kann Tieren nichts anhaben
Weil ihre Wolle die Tiere so gut warmhalte, entschieden dieses selbst, ob sie sich im Winter im Stall aufhalten oder draußen bleiben, sagt Dorothe Becht. Selbst Schnee auf ihrem Fell könne ihnen nichts anhaben, denn die Kälte würde das Vlies nicht durchdringen. Im Sommer hingegen würden die Tiere im Mai oder Juni vor der extremen Hitze geschoren. Unabhängig davon lägen manche Alpakas sogar kurzweilig in der prallen Sonne, um Vitamin D aufzunehmen, oder aber sie suchten sich schattige Plätze, zum Beispiel unter Bäumen, erzählt die Tierliebhaberin.
Interessant bei den Tieren ist das „Berserk male syndrome“. Das bedeutet, dass Alpakabesitzer männliche Jungtiere nicht zu sehr verwöhnen und vermenschlichen sollten, denn sonst würden die Tiere Menschen später respektlos und aggressiv gegenübertreten, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Während sich die Stuten im Streit um die Rangfolge „nur“ anspucken oder den Hals nach unten drücken, würde es bei Hengsten brutaler zur Sache gehen, sagt Dorothe Becht. Sie würden sich gegenseitig in die Beine beißen, bis sich der Gegner hinlegt und somit unterwirft. Ihre spitzen Zähne würden zum Schutz von Fachleuten abgeschliffen, die Hufpflege übernimmt das Ehepaar selbst, sagt Dorothe Becht.
Sie spucken eher selten
Wie aber hält es sich mit dem hartnäckigen Gerücht, dass Alpakas Menschen öfter anspucken würden. Zwar würden sie sich gegenseitig anspucken, um Dominanz zu zeigen und die Rangordnung festzulegen, allerdings würden Menschen höchstens mal aus Ungeduld bei der Fütterung oder aber in großer Not angespuckt werden, sagt Dorothe Becht. Generell sei es ratsam, die Tiere statt am Kopf am Hals zu streicheln und sich nicht von hinten anzunähern. Auch Trauer sei bei diesen Tieren spürbar, sie würden beispielsweise noch Tage, nachdem ein Gruppenmitglied verstorben sei, Klagelaute ausstoßen und nach ihm Ausschau halten.
Aus der gewonnen Wolle stellen die Bechts Socken her, aber nur für den Eigengebrauch. Außerdem fertigen sie Keratinseife mit einer Wollverzierung. Das Ehepaar fühlt ihre Alpakaherde in Ingenheim gut aufgehoben. Die Tiere kämen bei den Leuten gut an, es gebe häufig Besucher. Für die Zukunft planen die Bechts Alpakawanderungen, aber erstmal müsse man mit den Tieren üben, an der Leine zu laufen, sagt Dietmar Becht.
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