RHEINPFALZ-Sommeraktion Wo das Trinkwasser am Viehstrich herkommt
Der ausgiebige Regen in den vergangenen Wochen hat die Lage etwas entschärft, vom Tisch ist das Thema Wasserknappheit deshalb aber nicht. Die lebenswichtige Ressource droht, zum knappen Gut zu werden. Umso interessanter ist es, zu wissen, woher das Trinkwasser eigentlich kommt und wie es um die Versorgungssicherheit in der Südpfalz bestellt ist. „Wasser ist für uns ein Thema. Der Grundwasserpegel sinkt, der Bedarf steigt“, sagt Susanne Roth. Sie ist eine von zehn Lesern, die bei der RHEINPFALZ-Sommeraktion einen Blick hinter die Kulissen des Wasserwerks in Steinfeld werfen konnten.
Die gute Nachricht gleich vorweg: Die Trinkwasserversorgung im Bad Bergzaberner Land ist nicht gefährdet. Das erklären Wassermeister Kai Bernhart und der stellvertretende Leiter der VG-Werke, Jaroslaw Misiak. Dazu trägt auch PAWENA bei. Das grenzüberschreitende Projekt ist von der EU gefördert und hat zum Ziel, die Trinkwasserversorger in der Südpfalz und im Nordelsass zu vernetzen. Das Wasserwerk in Steinfeld ist ein Teil des Projekts. Eingeweiht wurde es vor gut einem Jahr, nachdem es für rund 4,6 Millionen Euro – zwei Millionen Euro davon kamen aus einem EU-Fördertopf – neu gebaut wurde. Das besondere ist, dass von hier aus nicht nur Steinfeld, Kapsweyer, Schweighofen, Niedereotterbach, Dierbach, Hergersweiler, Barbelroth, Oberhausen und zum teil die Stadt Bad Bergzabern versorgt werden, sondern auch Teile von Weißenburg. Umgekehrt, also von Frankreich nach Deutschland, geht das noch nicht. Aber auch diese neue Leitung ist ein Teil von PAWENA, der noch in diesem Jahr fertig sein werde, wie Misiak erklärt.
Unterirdischer See liefert Wasser
Aber woher kommt denn nun das Trinkwasser? „Das wissen die meisten gar nicht, außer aus dem Hahn“, sagt Wassermeister Bernhart mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Die Erklärung: Es wird mit drei Brunnen, zwei davon direkt am Wasserwerk, einer im Bienwald, aus dem Boden entnommen. „Unter uns ist ein riesiger See“, erzählt Bernhart, während er an einem der Brunnen vor dem Werk steht. „Der ist etwa 15 Kilometer lang, reicht von hier bis mehrere Kilometer ins Elsass hinein.“
Wie alt denn das Wasser sei, möchte Heinrich Weid wissen. Bernhart erklärt, dass es 500 bis 1000 Jahre alt sei, „das hat man mal grob so festgestellt“. Sicher sei jedenfalls: „Das, was es heute regnet, trinken wir nicht mehr.“ Und dann geht es mit einem Glas frischem Trinkwasser in der Hand für die Besuchergruppe hinein ins Werk.
Dort fallen sofort zwei riesige Behälter mitten in der Halle auf. Es sind die beiden Speicher, in jeden passen rund 1000 Kubikmeter Trinkwasser. Das heißt, hier werden maximal zwei Millionen Liter Wasser vorgehalten. Ansonsten schlängeln sich vor allem unzählige Rohre durch das Gebäude, alle sind sie aus blitzblankem Edelstahl.
Alles läuft komplett digital
Die erste Station, die das Wasser im Werk durchläuft, ist die Oxidationsstufe, wo Eisen und Mangan entzogen wird. „Wir müssen an dem Grundwasser gar nicht so viel machen“, sagt Bernhart. Denn nachdem die beiden Schwermetalle herausgefiltert sind, muss nur noch der pH-Wert angehoben werden. Das passiert, indem Luft ins Wasser geblasen wird. Und dann ist das begehrte Gut auch schon fertig und kann mit einem Druck 5,4 bar zu den rund 80.000 Menschen im Projektgebiet gepumpt werden.
Für Verwunderung sorgt dann Misiak im – nach seinen Worten – „Herzstück der ganzen Anlage“, dem Technikraum. So richtig viel zu sehen gibt es dort gar nicht. In erster Linie sind es mehrere Schaltschränke und ein Monitor, der viele Zahlen und Abbildungen zeigt. „Man kann von hier aus alles überwachen“, erklärt Misiak. Auch Störmeldungen können hier abgelesen werden. „Die kommen dann direkt aufs Handy“, sagt Misiak – und er liefert damit die Erklärung, wieso im Wasserwerk Steinfeld im Normalbetrieb nur jeden zweiten Tag ein Mitarbeiter vorbeischaut. Ansonsten läuft hier alles komplett digital. „Das hätte ich echt nicht gedacht, dass alles so automatisch geht“, bringt Kim Bachmann seine Verwunderung zum Ausdruck. Sein Fazit ist deckungsgleich mit dem der übrigen Teilnehmer: „Es war wirklich sehr interessant zu sehen, wo das Trinkwasser herkommt.“