Klingenmünster
Wird das Lokal „Zum Fuchsbau“ wiederbelebt?
Sabrina Dietz sagt: „Ich habe die Weinstube geliebt, es war wie mein zweites Wohnzimmer. Und die Gäste waren wie eine Familie für mich.“ Die frühere Betreiberin des Lokals wird emotional, wenn sie über vergangene Tage spricht. Von Zeiten, in denen sie und die Kundschaft gemeinsam gelacht und getanzt haben.
Es ist Dietz auch ein halbes Jahr nach der Schließung anzumerken, wie sehr ihr Herz an der Gaststätte hing. Doch sie habe keine andere Wahl gehabt. Sie sei mit der Zeit körperlich an ihre Grenzen gestoßen, sie habe einfach nicht mehr weitermachen können.
Pandemie nicht die Ursache der Schließung
Es waren die coronabedingten Umsatzeinbußen, die das Fass letztlich zum Überlaufen gebracht und sie dazu bewogen hätten, die Türen des Lokals im Herbst vergangenen Jahres für immer zu schließen. Die Pandemie sei allerdings nicht der Hauptgrund für die Geschäftsaufgabe gewesen, sondern vielmehr das fehlende Personal.
„Als meine Köchin 2018 in den Ruhestand ging, fing das Drama an“, berichtet Dietz. Sie habe keinen passenden Nachfolger für die Stelle am Herd finden können. Viele Mitarbeiter hätten sich als unzuverlässig erwiesen und sie hängen lassen, sodass sie Reservierungen kurzfristig stornieren musste, wenn sie mal wieder alleine im Laden stand.
Als Servicekraft eingestiegen
16 Jahre war der Fuchsbau eine Adresse im Ort. Dietz war von Anfang mit dabei. Begonnen hatte sie als Servicekraft. Die Chefin im Haus war Annemarie Bader, die mit ihrem Mann die frühere Klingbachstube übernommen hatte. Hans Bader, inzwischen Witwer, erzählt: „Wir führten bereits eine Straußwirtschaft in Heuchelheim. Der Kontakt mit den Gästen hat uns so viel Freude bereitet, dass wir das ganzjährig machen wollten.“
So kam der Umzug der Baders in das Gebäude, das sich im Ort an der markanten Kurve der viel befahrenen Bundesstraße befindet und einst als Tankstelle und Friseursalon genutzt wurde. Das Paar wandelte das Lokal nach dem Kauf in eine Wirtschaft um, wo pfälzische Gerichte serviert und Weine ausgeschenkt wurden. Annemarie Bader schmiss dabei die Küche, ihr Mann stellte sich hinter den Tresen. Dietz, die zufällig von der freien Stelle mitbekommen hatte, war für die Gäste da.
Der Name der guten Stube, den sich die Baders haben einfallen lassen, ist doppeldeutig: Fuchsbau sollte nicht nur an ihren früheren Wohnort Heuchelheim erinnern, deren Bürger als Füchse bezeichnet werden. Die Großmutter von Annemarie Bader hieß mit Nachnamen Fuchs, wie die Eigentümer berichten.
Fuchsbausteak war besonders gefragt
Als sich Annemarie Bader 2014 zur Ruhe setzte, musste sie nicht lange nach einem Nachfolger suchen. In Sabrina Dietz hatte sie die passende Pächterin gefunden, die neuen Schwung reinbrachte, indem sie unter anderem den Gastraum neu dekorierte und die Speisekarte umstellte. Ihr Paprikaschnitzel und das mit Meerrettich überbackene Fuchsbausteak wurden zu den Leibgerichten ihrer Gäste, die hauptsächlich Stammkunden waren.
„Ich bin unheimlich glücklich darüber, dass mich meine Gäste immer unterstützt haben, auch in schweren Zeiten“, sagt Dietz. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 habe sie den „harten Kern“ ihrer Stammkundschaft jedes Wochenende zum Essen und zum Trinken da gehabt. Er wollte Geld da lassen in diesen schwierigen Zeiten. Als die Gäste später von der Schließung mitbekamen, verabschiedeten sie Dietz mit vielen Geschenken.
Wohlfühloase geplant
Hans Bader lebt noch im Haus. Er werde oft gefragt, was aus der Weinstube nun wird. „Dazu kann ich nichts sagen.“ Das Wohn- und Geschäftshaus steht seit Kurzem für einen niedrigen sechsstelligen Betrag zum Verkauf. Die Eigentümer hoffen für die Gemeinde, dass die Tradition der Weinstube im Haus fortgesetzt wird. Sollte sich ein Wirt finden, könne er sich jedenfalls auf eine gute Nachbarschaft freuen, sagt Sabrina Dietz.
Sie selbst wolle nach der Auszeit wieder in der Gastro-Szene Fuß fassen, wenn auch in einem kleineren Rahmen. Dietz schwebt eine „Wohlfühloase“ vor, eine Lokalität, die sie alleine betreiben könne, mit Gerichten wie Currywurst nach hausgemachtem Rezept auf der Karte. Sie sucht derweil nach einem passenden Standort.