Landau
Wir über uns: Wenn Kinder mit dem Sprechen anfangen
Für Eltern gibt es unzählige einzigartige Momente im ersten Lebensjahr ihres Kindes. Wenn die kleinen Fortschritte des Babys zu großen Erlebnissen für Mama und Papa werden. Unser zehn Monate alter Sohnemann gibt neuerdings nicht nur „Ba“ , „Da“ oder „Mmh“ von sich. Er sagt immer häufiger „Baba“ oder „Mama“.
Wobei ihm gerade sein „Da“, kombiniert mit einem ausgestreckten Zeigefinger, bislang gut geholfen hat, die Richtung vorzugeben, in die er möchte. Sei es, um mit uns an der Hand dort hinzulaufen oder dorthin getragen zu werden. Überhaupt unterhält er sich schon seit Längerem mit uns, nur eben auf die Art und Weise, wie es Babys tun, also vor allem mit Gestiken und Mimiken. In der US-amerikanischen Komödie „Kuck mal, wer da spricht“ aus dem Jahr 1989 und in den Fortsetzungen sollte ja schon vermittelt werden, wie viel die Kleinen in den ersten Lebensmonaten mit uns und Gleichaltrigen kommunizieren.
„Papa schwitzt“
„Wenn du mal erst erzählen kannst“, sagen immer die Großeltern, wenn sie unseren Kleinen brabbeln hören. Wie viele spannende und lustige Gespräche sie dann erwarten, wissen sie ja. Sie müssen nur der großen Schwester am Essenstisch zuhören. Mit ihren dreieinhalb Jahre kann sie Oma und Opa so einiges erzählen.
Wessen Kind ebenfalls mit dem Sprechen angefangen hat, sollte gewarnt sein: Sobald der Nachwuchs mitreden kann, kann es für Mama und Papa auch mal ganz schön unangenehm werden. So wie für mich, als unsere Kleine mal vor versammelter Runde am Essenstisch anmerkte, dass ich schwitze. Sie können sich vorstellen: Als die Blicke meiner Geschwister, Eltern, Schwiegereltern und Urgroßmutter auf mich gerichtet waren, liefen gefühlt weitere Dutzende Schweißperlen die Stirn herunter.
Kein Fluchen beim Autofahren
Eltern sollten zudem noch stärker auf ihre Wortwahl achten, wenn ihre Sprösslinge mit dem Reden anfangen. So viel, wie die Kleinen aufschnappen. Dann kann es schon mal vorkommen, dass die Kritik des Ehepartners ans Licht kommt. Als ich kürzlich zur Mittagspause nach Hause kam, hieß es beispielsweise direkt: „Man, man, man. Der Papa ist ja geil, hat er einfach den Kakao leer gemacht.“ Würde das meine Frau zu mir sagen, würde ich es zur Kenntnis nehmen. Sagt es aber die Kleine, plagt einem das schlechte Gewissen. Dann fühlt man sich als Vielfraß abgestempelt. Und merke: kein Fluchen beim Autofahren. Sonst heißt es plötzlich aus der hinteren Reihe regelmäßig: „Mensch, fahr doch!“
Wann Fremdsprachen helfen
Schön ist jedoch, wie ehrlich die Kleinen doch sind. Als ich meiner Tochter kürzlich zur Verabschiedung ein Küsschen gab, sagte sie nur trocken: „Papa, den Bart wegmachen.“ Einer muss es ja sagen, mag sie sich gedacht haben. Die Mama verkneift sich ja einen Kommentar, da sie weiß, dass ihr Mann wiederum weiß, wann es Zeit ist, zur Rasierklinge zu greifen. Und was ist, wenn die Eltern etwas Wichtiges zu besprechen haben, die Kinder aber nicht hören sollten? Dann kann sich auf Englisch ausgetauscht werden. Das hilft. Jedenfalls wurden wir von unserer Tochter bislang nie gefragt, wieso wir plötzlich eine Sprache sprechen, die sie nicht versteht. Alternativ kürzen wir auch Namen und Begriffe ab. Dann werden aus Oma und Opa oft O und O. Sonst würden wir ständig gefragt werden, wann die Großeltern zu Besuch kommen oder wir wieder zu ihnen fahren.
Auch wenn ich selbst Farsi, die iranische Landessprache, beherrsche, haben wir davon abgesehen, unsere Kinder zweisprachig aufzuziehen. Nicht nur, weil ich schon viele iranische Wörter mit der Zeit einfach vergessen habe, da ich nur mit meinen Eltern und teilweise mit meinen Geschwistern Iranisch spreche. Auch müssten sich unsere beiden Kinder und ich permanent auf Iranisch unterhalten, damit sie die Sprache auch gut lernen. Das würde wiederum bedeuten, dass wir uns in einer Sprache unterhalten würden, die meine Frau nicht beherrscht – auch wenn sie oft erkennt, worüber ich mich mit meinen Eltern auf Iranisch unterhalte.
Unsere Kleine lernt aber auch schon so „Fremdwörter“ – das Pfälzische macht sich bei ihr bemerkbar. Was sie vor allem ihrem Opa aus „Minschder“ und ihrer Urgroßmutter aus „Loscht“ zu verdanken hat. Ihr Pfälzisch färbt so sehr ab, dass sie letztens zu ihrem Bruder sagte: „Do hämmer noch ebbes.“