Herxheimweyher
Willkommen im Club: Pächter sind für das Clubhaus in die Pfalz gekommen
Wer im 580-Seelen-Dörfchen außer Haus essengehen möchte, braucht nicht lange zu überlegen. Das einzige gastronomische Angebot befindet sich im Clubhaus am Sportplatz. Geführt wird es seit März 2022 vom Pächterehepaar Sveti und Nico Weber. Dass die beiden Gastronomen im beschaulichen Herxheimweyher ihren Arbeitsplatz fanden, haben sie dem Online-Marktplatz Ebay zu verdanken: Auf dieser Plattform suchte der Fußballverein einen Wirt für sein Lokal, das seit Monaten leer stand.
Nico Weber (51) kennt die Gastro-Branche seit Kindesbeinen, führten doch seine Eltern gleich mehrere Lokale im Saarland. Diese Familientradition setzte er fort und fand in Svetlana, genannt Sveti, eine Partnerin, die ihn tatkräftig unterstützt. Dabei war der Weg für sie nicht unbedingt vorgezeichnet, denn sie studierte in ihrer alten Heimat Russland Englisch, mit dem Berufsziel Lehrerin. Doch 2001 kam sie nach Deutschland, lernte ihren Mann kennen und seither betreiben die beiden selbstständig Gaststätten. Zunächst im Saarland und nachdem sie bei Ebay-Kleinanzeigen fündig wurden, in der Südpfalz.
Es stehen drei Gerichte auf der Karte
Nico ist der Koch und Sveti macht den Service – mehr Personal braucht es im Herxheimweyherer Clubhaus nicht. Auf der Speisekarte stehen aktuell drei Gerichte und Stammgast Manfred Kupper, der an der Theke sein Feierabendbier genießt, lobt: „Das Essen schmeckt gut und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt“. Den Schaschlik-Topf und das Putengeschnetzelte gibt es für 9,90 Euro, das Zwiebelfleisch kostet 10,50 Euro, als Beilagen können Spätzle, Kroketten oder Pommes gewählt werden.
Daneben gibt es Gerichte für den kleinen Hunger, die alle unter 10 Euro liegen, wie etwa Bratwurst, Rindswurst und Frikadelle mit Brötchen oder auch Flammkuchen. Für Vegetarier hält der Koch Spaghetti mit Tomatensoße bereit oder auch – nach Anmeldung – ein scharfes Chili ohne Carne. Jeden Freitag bietet das Pächterpaar zusätzlich zur Tageskarte ein „Clubhaus Special“, nämlich ein besonderes Gericht. Mal ist es ein saftiges Rindergulasch mit Spätzle, mal „e Päärle Brodworscht, Saumache oder Lewwerknepp mit Sauerkraut“.
Auch internationale Gerichte werden gekocht, wie am Saint Patrick’s Day im März ein Irish Stew, wobei ein Guinness nicht fehlen darf. Oder der Chef bereitet zusammen mit einer Brasilianerin landestypische Gerichte zu und reicht davor einen Caipirinha. Auch das tatarische Schmorgericht Azu ist den Gästen nicht unbekannt.
Jeden Tag wird frisch gekocht
Dabei betonen die Webers, dass sie jeden Tag frisch kochen: „Fertigprodukte, wie Soßen oder Dressings benutzen wir nicht. Die Fleisch- und Wurstwaren beziehen wir von einem Metzger aus Hördt, Brot und Brötchen von einem Bäcker aus Herxheim, denn wir unterstützen regionale Lieferanten“. Und Nico Weber versichert ausdrücklich: „Ich bleibe meiner Linie treu. Bevor ich auf Qualität verzichte, höre ich lieber auf“.
Dieses Qualitätsbewusstsein sollten auch die Gäste haben und nicht nur auf das Geld achten, meint seine Frau. Die Kosten für Energie und Lebensmittel seien in den vergangenen Jahren stark gestiegen, aber sie hätten das nur zu einem Teil an die Kunden weitergegeben, um sie nicht zu verlieren. „Die fetten Jahre der Gastronomie sind vorbei“, stellen die Wirtsleute unisono fest. Es sei ein schleichender Prozess gewesen, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, unter der die Gastronomie besonders gelitten habe.
Der Alkoholkonsum geht zurück
Die höheren Preise hätten nicht nur zu mehr Sparsamkeit geführt. Viele Leute seien in ihrer ganzen Lebensführung verunsichert und fragten sich, ob sie sich das Essengehen überhaupt noch leisten sollen. Ein weiterer Grund, der gesellschaftlich gesehen positiv ist, aber den Wirten zum Nachteil gereicht, sei der zurückgehende Alkoholkonsum. Dabei sind die Preise für alkoholische Getränke im Clubhaus moderat, der Schoppen Riesling-Schorle ist für 4,10 Euro und das Pils für 3,90 Euro zu haben.
Gern würde das Paar in dem großen Gastraum mit rund 60 Sitzplätzen mehr Leute bewirten. In den Wintermonaten kommen mehrere Stammtische, Karten- und Dart-Spieler, dazu die Fußballerinnen und Fußballer nach ihrem Training. Samstag- und Sonntagmorgen ist Frühschoppen-Zeit. Mehr los ist in der Spielsaison, wenn sich bei Heimspielen der Biergarten mit den Teams und ihren Fans füllt. „Alles in allem genug, dass wir davon leben können. Aber reich wird man davon nicht“, so das Resümee.
Info
Das Clubhaus des SV Herxheimweyher befindet sich am östlichen Ortsende, Am Sportplatz 1. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag ab 17 Uhr; Samstag, Sonntag und Feiertage ab 11 Uhr. Montag ist Ruhetag. Telefon 07276 5004504, Internet www.sv-herxheimweyher.de
Die Serie
Seit dem großen Kneipensterben sind Vereinsheime in vielen Dörfern der Südpfalz die letzten Anlaufpunkte geworden für die Geburtstagsfeier der Oma, die Schafkopfrunde, den Bundesliga-Nachmittag. Manche von ihnen sind verpachtet. Wir wollen diese für die Ortschaften bedeutsamen Clubhäuser vorstellen, vor allem ihre Pächter. Welche Speisen und Getränke bieten sie an? Warum haben sie sich entschieden, ein Vereinsheim zu führen? Was macht ihnen manchmal das Leben schwer? Und was ist auch schön am Dasein als Clubhauswirt- oder -wirtin? Dem wollen wir in unserer Serie „Willkommen im Club“ nachgehen – empathisch, informativ, südpfälzisch.