Landau / Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Wieso Gästeführer neuerdings Headsets nutzen

Gerade in Corona-Zeiten bieten Kopfhörer Vorteile für Teilnehmer von Gästeführungen.
Gerade in Corona-Zeiten bieten Kopfhörer Vorteile für Teilnehmer von Gästeführungen.

In Landau wird bei Stadtführungen der Hörkomfort beachtet. Teilnehmer können dank Kopfhörern aus Entfernung und trotz Nebengeräuschen dem Gesagten gut folgen. Die Interessensgemeinschaft Gästeführer Südpfalz möchte die Geräte ebenfalls nutzen, die Stadt Edenkoben lehnt aber ab.

Viele Menschen dürften das Prinzip aus dem Urlaub kennen: Wenn sie durch ein Gebäude geführt werden, etwa durch das Kapitol in Washington oder das Opernhaus in Sydney, und dabei Wissenswertes in der jeweiligen Landessprache vermittelt bekommen, ziehen sie sich Kopfhörer auf. In Landau werden die Geräte auch dafür genutzt, dass Menschen mit beeinträchtigtem Hörvermögen die Gästeführer besser verstehen.

Ermöglicht wurde die Anschaffung durch EU-Mittel, da der Kreis Südliche Weinstraße und die Stadt Landau im Land als Modellregion für barrierefreien Tourismus anerkannt sind. Im Fall von Landau musste das dortige Büro für Tourismus nur die Hälfte der Kosten tragen, für 25 Geräte waren 2500 Euro nötig. Die Stadt begründet die Investition damit, dass sie damit die Qualität der Führungen insbesondere für Menschen mit beeinträchtigtem Hörvermögen steigert.

System gerade in Corona-Zeiten von Vorteil

Seitdem kann bei Historischen Stadtführungen und themengebundenen Rundgängen auf die Kopfhörer zurückgegriffen werden. „Die Resonanz ist durchweg positiv“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Schließlich bieten die Geräte gerade in Corona-Zeiten den Vorteil, dass die Gästeführer trotz der geltenden Abstand- und Maskenregeln für die Teilnehmer gut verständlich sind.

Die Interessensgemeinschaft (IG) Gästeführer Südpfalz, in der alle Gästeführer aus der Region Mitglied sind, wünscht sich das System ebenfalls. Gerade die Edenkobener Vertreter hatten sich dafür starkgemacht, wie Vorsitzende Martina Roth berichtet. „Wir können das aber nicht selbst durch die Mitgliedsbeiträge und die Einnahmen bei unseren Führungen finanzieren.“ Als IG könnten anders als bei einem Verein auch keine Spenden gesammelt werden, weshalb die Gästeführer ihren Wunsch an die Stadt Edenkoben herangetragen haben. Allerdings wird die Kommune diesen nicht erfüllen.

Woran die Finanzierung der Headsets scheitert

Wie Stadtbürgermeister Ludwig Lintz (CDU) auf Anfrage mitteilt, ist solch eine Investition wegen der finanziellen Situation der Stadt nicht möglich. „Auch wenn Gästeführer sehr gute Arbeit leisten, arbeiten sie auf eigene Rechnung. Sie sind selbstständig und eine Art Kleinunternehmer.“ Vor diesem Hintergrund könnte eine Anschaffung für ihre Tätigkeit nur schwer argumentiert werden.

Zwar gebe es die Möglichkeit, die Kosten etwas zu drücken, indem die Kopfhörer auch Gästeführern aus anderen Gegenden der Südpfalz zur Verfügung gestellt werden. Dann aber würde das Problem entstehen, dass die Headsets bei Bedarf möglicherweise anderweitig genutzt werden.

„Thema ist nicht vom Tisch“

Davon abgesehen hält es die Stadt für problematisch, wenn die Geräte von zu vielen Menschen genutzt werden. Vor allem eine regelmäßige Desinfektion müsste gewährleistet sein. Gerade der Mehraufwand, die Wartung und Reparatur der Headsets, könnte ein Hinderungsgrund für Kommunen sein, sich die Geräte für Führungen zuzulegen. Das weiß Christian Bohr, der im Verein Südliche Weinstraße seit 2016 Projektleiter für barrierefreien Tourismus ist. „Die Kommunen werden sich aber mit solchen Aspekten beschäftigen müssen, um Barrieren abzubauen.“

Wie Lintz gegenüber der RHEINPFALZ mitteilt, ist das Thema noch nicht vom Tisch. „Wir schauen nach Lösungen und sind noch in den Gesprächen.“

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