Bad Bergzabern
Wieso der kultige CD-Laden trotz gutem Geschäft schließt
Ein weiterer Schlag für die Geschäftswelt und die Kunden in der Kurstadt. Florian Oertel, Inhaber des Geschäfts „CD’s Musik und Souvenirs“ in der Marktstraße 32, wird seinen Laden im Oktober dieses Jahres schließen, obwohl er gut läuft. Dafür hat er mehrere Gründe.
Doch zunächst stellt Oertel den kultigen Laden der RHEINPFALZ vor. Man weiß nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Hunderte von Postkarten unterschiedlicher Motive stehen bereits vor dem Eingang. Im Laden selbst können sich Musikliebhaber wahrscheinlich stundenlang aufhalten. Denn es sind tatsächlich 26.000 CDs und DVDs, die angeboten werden. Um nur eine Spezielle zu kaufen, muss der Kunde nur den Chef fragen, Florian Oertel. Er weiß genau, welche Scheiben er hat, und auch, wo sie stehen.
Tausende CDs, 150 Teesorten
Oertel bietet viele musikalische Raritäten an, die es kaum noch gibt und die er teilweise hat anfertigen lassen. „Diese Auswahl findet man im weiten Umkreis nicht mehr, inzwischen habe ich allein 100 Lieferanten für die CDs“, sagt der Unternehmer. Die Kunden kommen teilweise von weit her, die Musik macht 60 Prozent seines Umsatzes aus. Dazu kommt das Teegeschäft mit 150 Sorten wie „Alte Liebe“ oder „Omas Garten“ sowie Teegeschirr, um das sich seine Schwester Stefanie Habermehl montags und zu Stoßzeiten kümmert. Außerdem gibt es Geschenkartikel, Wasserpfeifen, nostalgische Dosen und viele Souvenirs. Auf gut 50.000 Artikel komme er bestimmt, sagt Florian Oertel. Seine Inventarliste umfasse 400 Seiten.
Der Laden läuft, denn viele Kunden kennen sein Angebot und schätzen sein Wissen. „Ich stehe seit meinem zwölftem Lebensjahr im Laden, früher in dem meiner Eltern“, erzählt der 40-jährige Familienvater, der mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern im Alter von zwei und sechs Jahren im selben Haus wohnt.
Gründe für die Schließung
1988 ziehen Angelika und Jochen Oertel in die Kurstadt. Vier Jahre später eröffnen sie in der Neugasse ein Geschäft mit Computerspielen. „Man konnte sie im Laden ausprobieren“, erzählt der Sohn, Florian Oertel. Eröffnungsangebot sind damals alle Teile von „Commander Keen“, für 49 Mark pro Teil. Nach mehreren Umzügen des Geschäfts innerhalb der Innenstadt kauft die Familie 1993 das Anwesen in der Marktstraße 32. Im Jahr 2007 übernimmt Florian Oertel das Geschäft von den Eltern, mit 220 Quadratmeter Verkaufs- und Lagerfläche. „Ich stehe jeden Tag mindestens zehn Stunden im Laden, für die Musik braucht es Kenntnisse, da kann mich keiner ersetzen“, nennt der Geschäftsmann einen Grund für die Schließung. Denn der junge Vater will sich auch mehr seiner Familie widmen.
Die Preise sind ein weiterer Grund, weshalb er glaubt, dass sein Geschäftsmodell so nicht mehr funktionieren wird. „CDs waren mal bei 12 bis 15 Euro, heute geht es bis 20 Euro, Geschenkartikel und Tee haben bis zu 30 Prozent aufgeschlagen, Porzellan bis 50 Prozent“, zählt Florian Oertel auf. Der Gaspreis habe sich um ein Drittel erhöht. Die Zukunft für sein Geschäft sei nicht rosig, auch wenn er mit dem vergangenen Jahr zufrieden ist.
Was der Unternehmer nun vorhat
Was ihn ärgert, ist, dass seiner Erfahrung nach der Respekt, die Freundlichkeit und gutes Benehmen abgenommen und die Diebstähle zugenommen haben. Auch wenn der Laden mit 24 Kameras überwacht ist. Manche Täter erwischt er doch, lässt sich die geklaute Ware bezahlen und die Personalien geben. „Eine Frau hatte drei Karten gestohlen, ich habe es auf dem Überwachungscomputer gesehen und sie wiedererkannt, als sie Tage später noch mal kam“, erzählt Florian Oertel ein Erlebnis. Die Frau habe ihm ihre Personalien aufgeschrieben, welche aber nach Überprüfung des Ausweises falsch gewesen sein.
Viele Kunden haben ihn in den vergangenen Tagen angerufen und könnten es nicht glauben, dass er schließt. Im März beginnt er mit dem Ausverkauf, der bis Oktober dauern soll. Dann will Florian Oertel eine Auszeit nehmen und das Haus renovieren. „Wir bleiben in der Kurstadt, die Kinder sind hier verwurzelt“, sagt er. Er schließe mit gemischten Gefühlen: Einerseits gehe eine Ära zu Ende, andererseits bekomme er den Kopf frei für andere Ideen. Er freue sich auf etwas Neues. Was es werden wird, dafür will sich Florian Oertel Zeit nehmen.