Bad Bergzabern / Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Wie sich die Energiekrise auf Hallenbäder auswirkt

Die Wassertemperatur im Schwimmerbecken des Rebmeerbades beträgt 25 statt bisher 27 Grad.
Die Wassertemperatur im Schwimmerbecken des Rebmeerbades beträgt 25 statt bisher 27 Grad.

Kälteres Wasser, mehr Eintritt und Teilschließungen: Besucher von Hallenbädern müssen sich auch in der Südpfalz auf Änderungen gefasst machen. Wie finden die Stammgäste das? Und warum wird für ein Schwimmverein in Bad Bergzabern eine Ausnahme gemacht?

Ob Beckenbeheizung, Saunabetrieb oder Duschen: Hallenbäder schlucken Unmengen an Energie. Um die steigenden Kosten für selbige zumindest ansatzweise auffangen zu können, müssen sie reagieren. Der erste Ansatz der meisten Bäder ist die Temperatur. In so ziemlich allen Bädern sind sowohl Wasser- als auch Lufttemperatur kälter. „Die Deutsche Gesellschaft für Badewesen schlägt in ihrem Leitfaden für Schwimmbäder in der Energiekrise eine Absenkung der Wassertemperatur um zwei Grad vor, um den Gesamtenergieverbrauch um 25 Prozent zu senken“, sagt Georg Werling, Leiter der Stadtwerke Wörth.

Das Hallenbad in Wörth hat sich an diesen Vorschlag gehalten. Das Wasser des 25-Meter-Beckens hat nun 26 anstatt 28 Grad. Weiter runter wollte das Bad mit der Temperatur aber nicht gehen. „Wir haben uns da an unseren Kunden orientiert. Für die sportlichen Schwimmer wäre es sicher kein Problem gewesen noch weiter runter zu gehen, sie mögen es ja ohnehin frisch“, sagt Werling. „Wir haben aber auch eine Schwimminitiative mit Grundschülern, die es gerne etwas wärmer haben und unsere Golden-Ager, die zur Wassergymnastik kommen, und wohl irgendwo in der Mitte liegen.“ Um die Bildung von Kondenswasser zu vermeiden, musste das Bad auch die Raumlufttemperatur anpassen, die im Optimalfall zwei Grad wärmer als das Wasser sein soll. Auch der Whirlpool im Saunabereich ist mit 33 Grad zwei Grad kälter als sonst, eine der beiden finnischen Saunen wurde außer Betrieb genommen.

„Beim Reingehen braucht es Überwindung“

Die Maßnahmen stoßen laut Werling bei den Besuchern, die überwiegend Stammkunden sind, auf viel Verständnis. „Wir kommunizieren die Gründe für die Maßnahmen offensiv. Wir wollen damit die wirtschaftlichen Nachteile für die Stadt Wörth verringern, aber auch unseren Teil zu den Energiesparmaßnahmen im Land beitragen“, sagt Werling.

Markus Burck geht zwei Mal pro Woche im Hallenbad schwimmen. Auch wenn das Wasser für ihn etwas wärmer sein könnte, sei es, „wenn man mal schwimmt, völlig okay. Beim Reingehen braucht es aber etwas Überwindung“, sagt er. Was ihn wunderte: Als das Bad Anfang Oktober öffnete, seien die Duschen extrem heiß eingestellt gewesen. Das habe sich mittlerweile aber wieder normalisiert. „Ich glaube, die meisten Stammgäste merken den Unterschied im Wasser schon. Die Sportschwimmer hingegen, haben gesagt, dass das kühlere Wasser für Wettbewerbe sogar fast besser sei“, sagt Burck.

Rebmeerbad für vier Wochen geschlossen

Das Rebmeerbad in Bad Bergzabern hat ähnliche Vorkehrungen getroffen: Nichtschwimmerbecken (jetzt 29 Grad) und Schwimmerbecken (25 Grad) sind zwei Grad kälter, die Temperaturen in der Schwimmhalle, den Duschen und den Umkleiden wurde ebenfalls angepasst. Das Kinderplanschbecken und die Wärmestrahler bei der Sonnenliegewiese sind außer Betrieb, wie Jennifer Aschbacher von der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern betont. Anders als das Bad in Wörth bleibt das Rebmeerbad vom 23. Dezember bis zum 22. Januar geschlossen. „Die Leute sind trotzdem froh, dass wir aktuell weiter geöffnet bleiben“, sagt Aschbacher.

Seit 1967 kommt eine 78-jährige Schwimmerin fast täglich ins Rebmeerbad. Sie ist froh, dass sie trotz der schwierigen Situation weiterhin in Bad Bergzabern schwimmen kann. Als Stammschwimmerin hat sie keine Probleme mit den geänderten Temperaturen. „Jemand, der selten schwimmen geht, ist da sicherlich empfindlicher“, sagt sie. „Es sind aber ohnehin etwa 90 Prozent Stammschwimmer hier, die auch nach wie vor kommen und ihre Bahnen ziehen.“

„Es wird ein Minusgeschäft“

Dennoch könnte das Bad voller sein, findet die Rentnerin. Sie findet, dass dieses mehr Werbung für sich und Angebote wie freien Eintritt am Geburtstag oder Spielnachmittage einführen sollte, um auch wieder mehr Familien anzulocken. „Kinder sind heute anspruchsvoll, für sie gibt es hier zu wenig. Ihnen wird schnell langweilig“, sagt sie. Um ihren Teil zum Energiesparen beizutragen, weißt sie auch schonmal jüngere Gäste darauf hin, nicht zu lange zu duschen. „Wenn man es ihnen erklärt, sind sie sehr einsichtig“, sagt sie.

Aschbacher geht davon aus, dass trotz der Energiesparmaßnahmen und der leichten Erhöhung der Eintrittspreise (auch das Hallenbad in Wörth wird seine Preise ab Januar leicht erhöhen) die Kosten durch die gestiegenen Energiepreise nicht aufgefangen werden können. „Es wird wahrscheinlich ein Minusgeschäft.“

Sondergenehmigung für Schwimmverein

Und was machen die Schwimmer des TV Bad Bergzabern, die im Februar Mannschaftsmeisterschaften haben, wenn das Bad für vier Wochen schließt? „Die Wettkampfmannschaft darf ganz normal weiter trainieren. Wenn sie vier Wochen nicht ins Wasser dürfte, wäre das schwierig für den Wettkampf“, sagt der 2. Vorsitzende des Vereins Klaus Janson. Aschbacher betont, dass das Wasser dann aber nicht extra für die Schwimmer wieder erwärmt wird: „Ein Profischwimmer schwimmt auch bei 21 Grad. Die Sondergenehmigung für die Wettkampfmannschaft hat keinen Einfluss auf die Einsparungen durch die Schließung.“

x