Kreis Südliche Weinstraße Wenn die Kitas ausgebucht sind
Hintergrund: Die 73 Kitas im Landkreis Südliche Weinstraße sind bis auf wenige Ausnahmen voll. Es gibt aber viele Eltern, die keinen Kita-Platz haben, die aber beide arbeiten müssen – und die eine Betreuung für ihr Kind brauchen. Tagespflegepersonen schaffen hier Abhilfe. Der Besuch bei einer Tagesmutter in Essingen.
«Südpfalz.»„Ratter, ratter, ratter“, tönt es aus der Seifenblasenmaschine, mit der Leo herumfährt. Merle und Clara spielen unterdessen im Sandkasten. Kenai, noch etwas schüchtern, hat es sich in der Holzhütte gemütlich gemacht. Den Jungen und Mädchen, allesamt nicht älter als drei Jahre, wird es im Garten von Marion Dreisigacker nicht langweilig. Schließlich wären da auch noch das Bällchenbad oder die Bobbycars, mit denen sie sich beschäftigen könnten. „Ich finde es schön, mich um Kinder zu kümmern und ihre Entwicklung mitzubekommen“, erzählt die Essingerin, was ihr als Tagesmutter Freude bereitet.
Lange Wartelisten
Zu Zeiten, in denen oft beide Elternteile für den Lebensunterhalt der Familie arbeiten müssen, sind die Betreuungsplätze in den Kindertagesstätten knapp, die Wartelisten lang. Ein bundesweiter Trend, der sich auch im Kreis Südliche Weinstraße bemerkbar macht. Wie jüngst berichtet, sind bis auf wenige Ausnahmen alle 26 kommunalen und 47 kirchlichen Kitas ausgelastet. In Edesheim und Bad Bergzabern beispielsweise kann es vorkommen, dass Eltern zwei bis drei Monate auf einen Kita-Platz warten. Vor diesem Hintergrund kommt Tagespflegepersonen wie Dreisigacker eine besondere Rolle zu. Sie können Abhilfe schaffen, wenn der Sohn oder die Tochter vorübergehend betreut werden muss. „Bei mir werden Kinder abgegeben, die warten bis zu einem Dreivierteljahr, bis sie in die gewünschte Kita können“, berichtet Dreisigacker. „Es gibt aber auch Mütter und Väter, die bewusst nach einer Tagesmutter suchen.“ Mal wollen sie, dass die Kinder sich zunächst in einer kleineren Gruppe zurechtfinden, bevor sie in die Kita kommen. „Für andere Elternteile ist es besser, weil sie so zeitlich flexibler sind.“ Schließlich gibt es Mütter und Väter, deren Arbeitszeit so unterschiedlich ist, beispielsweise bei Schichtarbeit, dass die Betreuung der Kinder weder institutionell noch familiär abgedeckt werden kann. Häufig wird auch ergänzende Tagespflege für Kinder ab zwei Jahren benötigt, sei es vor oder nach der Betreuung in der Kita oder der Schule. Einen rechtlichen Anspruch auf die Betreuung ihrer Kinder in einer Kita oder bei einer Tagespflegeperson haben Eltern, wenn ihre Kleinen zwischen einem und drei Jahre alt sind.
Maximal fünf Kinder zur gleichen Zeit
Dreisigacker betreut derzeit auch einen Neunjährigen, der nach der Schule zu ihr nach Hause kommt. Darüber hinaus passt sie auf ein Geschwisterpaar auf, das zuvor in der Kita war. Insgesamt sind es neun Kinder, die Dreisigacker unter der Woche betreut. „Die Kinder sind aber nie zur gleichen Zeit da, sondern völlig unterschiedlich, je nachdem, wann und wie lange die Eltern arbeiten. Schließlich darf ich nur bis zu fünf Kinder zur gleichen Zeit betreuen“, berichtet die 56-Jährige. Fängt ihr normaler Tag in der Regel um 7 Uhr an und geht bis 16 Uhr, hat sie zwei Mal die Woche bis 20 Uhr noch Jungen und Mädchen bei sich. Während die Kleinen in und um die Holzhütte herum toben, die der Mann von Marion Dreisigacker gebaut hat, geht plötzlich die Tür zum Hof auf. Die Kinder bekommen einen neuen Spielkameraden. Jonah, ein dreiviertel Jahr alt, wird von seiner Mutter Mona Sehn zu Dreisigacker gebracht. Sie hat sich bewusst für eine Betreuung bei einer Tagesmutter entschieden. „Er ist ja noch sehr klein, hier in einer überschaubaren Gruppe ist er fürs erste gut aufgehoben“, findet Sehn, die nach den Schulferien ihr Referendariat beginnen wird. Klar, fände sie es schöner, den Kleinen bei den Großeltern abzugeben. Diese wohnen aber weiter weg. „Bei anderen Familien sind die Omas und Opas dagegen noch in einem berufsfähigen Alter, sodass sie nicht auf die Enkelkinder aufpassen können“, weiß Marion Dreisigacker zu berichten.
Große Nachfrage
Wie die Kreisverwaltung auf Anfrage mitteilt, gibt es an der Südlichen Weinstraße insgesamt 48 Tagespflegepersonen, 44 Frauen und vier Männer. Sie geben insgesamt auf 202 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren Acht. „Sie sind gut ausgelastet, insbesondere in größeren Gemeinden ist die Nachfrage hoch“, teilt die Pressestelle der Kreisverwaltung mit. Die Motive, weshalb Frauen und Männer sich zu Tagespflegepersonen ausbilden lassen, sind unterschiedlich. Marion Dreisigacker hatte früher einen anderen Beruf, dem sie nicht mehr nachgehen konnte, weil sie sich um ihre an Demenz erkrankte Mutter kümmern musste. „Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes, die ich kannte, machte mich darauf aufmerksam, dass ich die Pflege meiner Mutter mit der Beschäftigung als Tagesmutter verbinden kann.“ Heute, rund sechs Jahre später, ist sie überglücklich mit ihrer Entscheidung, sich als Tagesmutter einbringen zu können.