Kreis Südliche Weinstraße Weitere Station des Sternenwegs
Seit Pfingstmontag ist die protestantische Kirche in Schweigen, ehemals St. Eustachius, als bedeutendes mittelalterliches Kulturdenkmal Station des „Sternenwegs/Chemin des Étoiles“, dem Europäischen Modellprojekt entlang der Jakobspilgerwege. Dem Muschelsetzen bei Bilderbuchwetter ging ein grenzüberschreitender ökumenischer Gottesdienst voraus.
Unter dem Motto „Entdecken, was verbindet“ gestalteten Pfarrerin Margret Lingenfelder, Diakon Andreas Roth und die Weißenburger Dekanin Esther Lenz den Gottesdienst, den die Bläsergruppe Bad Bergzabern musikalisch umrahmte. In ihrer zweisprachigen Predigt hob Lenz auf die geistig-seelische Dimension des Pilgerns und Wegesuchens ab und auf die tröstliche „Verankerung für jeden von uns“ unterm Sternenhimmel. Peter Michael Lupp, Projektleiter des Regionalverbands Saarbrücken, umriss das von dem Verband 2006 aus der Taufe gehobene „Sternenweg“-Projekt per Bildvortrag. Demnach orientierten sich die Jakobspilger im Mittelalter auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela an der feinen Sternenspur der Milchstraße als „kosmischer Wegweiser“. Das kulturelle Erbe der Jakobspilger wie die Pilgerschaft der Gegenwart, die die Kraftquelle der Inspiration und Spiritualität schätzten, bezögen sich auf die Wurzeln Europas, für Weltoffenheit, Freiheit, Humanität, Freundschaft, Demokratie und Frieden. Menschen auf der Suche nach diesen Werten, nach Lebenssinn und Erkenntnis, könne mit den steinernen Wegezeichen Mut zum Aufbruch und zu neuen nachhaltigen Lebensformen gemacht werden. Das Projekt habe Zeugnisse mittelalterlicher Baukultur entlang der Wege erfasst und mit der Jakobsmuschel ausgestattet, allesamt von Jugendlichen handgefertigt. Mehr als 350 dieser Zeugnisse umfasst die Wegstrecke von 1600 Kilometern auf 16 verschiedenen Routen, besonders alte Kulturlandschaften zwischen den Bischofssitzen Mainz, Worms, Speyer, Straßburg und Metz. Von der protestantischen Kirche Schweigen ist von der mittelalterlichen Kirche der Turm aus dem 14. Jahrhundert erhalten. Sie liegt direkt an den offiziell ausgezeichneten elsässischen Wegen der Jakobspilger Richtung Straßburg. Karl Unold von der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland Pfalz-Saarland, zuständig für die grenzüberschreitende Koordination, freute sich über das neue Bindeglied im Netzwerk der Sternenwege. Die Muschel auf einem Tablett mit Brokat wurde von den drei Geistlichen in die Erde gesetzt. Ortsbürgermeister Dieter Geißer hob das Symbol der „offenen Tür“ hervor und befand, dass der europäische Gedanke des Projekts und die Verbindung zum grenzüberschreitenden Pilgern „sehr gut zu Schweigen-Rechtenbach passt“.