Schweigen-Rechtenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Weiter kein Zugriff auf gestohlene E-Bikes im Ausland

Auf Radtouren muss Helmut Otterbein weiterhin verzichten.
Auf Radtouren muss Helmut Otterbein weiterhin verzichten.

Ein Südpfälzer weiß genau, dass seine gestohlenen Räder im Ausland sind. Die französische Polizei wird aktiv – ohne Erfolg. Mittlerweile ist sie auch gar nicht mehr zuständig.

Die Hoffnung von Helmut Otterbein schwindet. Seit Ende September sind zwei E-Bikes, sein eigenes und das seiner Lebensgefährtin, verschwunden. Über Nacht sind sie aus seiner Garage in Schweigen-Rechtenbach gestohlen worden. Schnell ist klar, dass eine international agierende Bande am Werk war. Denn die beiden motorisierten Drahtesel sind keineswegs spurlos verschwunden. Otterbein hat Airtags, also kleine Ortungsgeräte, in deren Rahmen verbaut. So kann der Rentner mitverfolgen, welchen Weg die Räder nehmen.

Zunächst sieht er auf seinem Smartphone, dass sich das zusammen rund 8000 Euro teure Diebesgut in Straßburg befindet. Nachdem einige Tage trotz einer Anzeige des Diebstahls bei der Polizei in Bad Bergzabern nichts geschieht, macht sich Otterbein selbst auf den Weg. Er landet in Elsau, dem ärmsten Viertel der französischen Stadt direkt an der Grenze zu Deutschland. Erfolgreich ist seine Aktion nicht. „Ich bin froh, dass ich da heil herausgekommen bin“, sagt der passionierte Radfahrer. Ein paar Tage später stellt er fest, dass sein E-Bike nach Italien transportiert wurde. Otterbein echauffiert sich darüber, dass völlig klar ist, wo sich die Räder befinden, und er sie trotzdem nicht zurückbekommt. Keiner unternehme etwas, wirft er den Behörden dies- und jenseits der Landesgrenze vor.

Schon bei unserer ersten Berichterstattung über den Fall weist ein Sprecher des Polizeipräsidiums Rheinpfalz mit Sitz in Ludwigshafen diesen Vorwurf zurück. Die Kollegen vor Ort hätten alles getan, was sie tun können, sagt er. Die Räder seien zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. Das heißt, die Polizei in Frankreich sowie die in Italien wissen, dass sich dort Diebesgut befindet, dass einem Rentner aus der Südpfalz gehört. Und auch die Behörden in Frankreich sind nicht untätig.

Polizeiaktion in Frankreich bleibt erfolglos

Das erklärt eine Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) Baden-Württemberg auf RHEINPFALZ-Anfrage. Der Fall sei im Gemeinsamen Zentrum der deutsch-französischen Polizei (GZ) bearbeitet worden, nachdem die Hinweise zum Standort der E-Bikes übermittelt wurden. Sitz des GZ ist Kehl, also in unmittelbarer Nähe zu Straßburg auf deutscher Seit. Von dort aus wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Polizei und Zoll koordiniert. „Über das Lagezentrum erfolgte die Steuerung an die französischen Behörden nach Straßburg, die unmittelbar Fahndungsmaßnahmen an allen übermittelten Standortdaten veranlassten“, teilt die LKA-Sprecherin mit. „Letztendlich leider ohne Erfolg“, lautet das für Otterbein ernüchternde Fazit der Aktion.

Zum grundsätzlichen Vorgehen erklärt die Behördensprecherin: „Das GZ Kehl unterstützt standardmäßig Fahndungsmaßnahmen nach Ortungen von entwendeten elektronischen Geräten und Fahrzeugen aller Art, wenn Standortdaten übermittelt werden. Dabei konnten auch schon Erfolge erzielt werden.“ Es müsse allerdings erwähnt werden, dass ohne staatsanwaltschaftliche Ersuchen in Frankreich keinerlei Durchsuchungsmaßnahmen von Objekten oder Fahrzeugen durchgeführt werden können. Darin wiederum liegt das womöglich letzte Fünkchen Hoffnung für Otterbein.

Deutsche Behörden können nicht mehr tun

Denn auch die Staatsanwaltschaft Landau hat mittlerweile getan, was sie tun kann. „Die Ermittlungen in dem Verfahren wegen des Diebstahls der beiden Räder dauern an“, teilt die Leitende Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig auf Anfrage mit. In diese Ermittlungen seien auch die französischen und die italienischen Behörden durch entsprechende Ersuchen eingebunden.

Ob die Zusammenarbeit mit diesen beiden Ländern überhaupt hilfreich ist, muss bezweifelt werden. Denn mittlerweile sind die E-Bikes weitertransportiert worden. Und zwar eines nach Georgien und eines in die Türkei, wie Otterbein am Dienstag auf Nachfrage erzählt. Die Hoffnung darauf, dass er die beiden Fahrräder jemals wieder sieht, ist damit kaum mehr vorhanden.

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