Kreis Südliche Weinstraße Weihnachtswunsch wird wahr
„Es ist ganz cool, ich würde später gerne was mit Gartenbau machen“, sagt die 16-jährige Sarah, die zusammen mit ihrer gleichnamigen Mitschülerin im Erlebnis- und Sinnesgarten der Pro-Seniore-Residenz in Bad Bergzabern einen Klangkörper aus Holz säubert und anschließend imprägniert. Sie ist eine von zwölf Schülern der Realschule plus des Alfred-Grosser-Schulzentrums, die ein Jahr lang einmal pro Woche den Garten mit Pflanzen, Gemüse und Kräutern aufwerten wollen.
Peter Jung ist der Klassenlehrer der 10 BO. Die Abkürzung steht für Berufsorientierung, das bedeutet, hier haben Schüler im Alter von 15 bis 17 Jahren, die aus vielen Gründen Probleme mit dem Lernen haben, die Möglichkeit, ihren Schulabschluss zu machen. Zehn dieser Klassen gibt es in Rheinland-Pfalz. Mit einem besonderen pädagogischen Konzept. Drei Tage pro Woche haben die Schüler Unterricht, zwei Tage absolvieren sie Praktika. Heute ist ihr zweiter Einsatz im Erlebnis- und Sinnesgarten. An diesem herrlichen Frühlingstag werden eifrig Wege gesäubert, bis zum Nachmittag sind bereits vier Beete angelegt und bepflanzt, Sträucher und Pflanzen werden gegossen. „Der Erlebnis- und Sinnesgarten ist rund 1000 Quadratmeter groß und wurde 2011 eingeweiht“, informiert die Leiterin der Seniorenresidenz, Susanne Arnold. 270 alte Menschen leben in der Einrichtung. Wege wurden damals angelegt, ein Brunnen, ein Rosenbogen, der Kneippverein hat eine „Beerenstraße“ gespendet, die Berufsbildende Schule Klangkörper gebaut. „Es kam immer mal was dazu, je nachdem, wie wir finanziell ausgestattet waren, aber es blieben natürlich Wünsche offen“, erzählt Susanne Arnold. Diese Wünsche werden die Schüler in diesem Jahr erfüllen. „Es macht Spaß, für die alten Menschen etwas zu tun“, findet der 16-jährige Christopher. Er will Schreiner werden, aber Gärtner käme als künftiger Beruf auch in die engere Wahl. „Wir planen einen naturnahen Garten, auch mit Gemüse in Hochbeeten und einer Kräuterspirale“, erzählt sein Klassenlehrer. Die Einsätze werden im Unterricht vorbereitet. Wie groß werden die Beete, wie viele Pflanzen passen auf die Fläche, welche Pflanzen sollen es sein, vieles muss vor dem praktischen Einsatz geklärt werden. In den Beeten, die zunächst vorbereitet werden mussten, wurden an diesem Tag seit acht Uhr Früh-, Sommer- und Herbstblüher gepflanzt. Haselnussbüsche, Cornelkirschen und Schneeballbüsche sind ebenfalls im Boden. Die Klangköper wurden geputzt und imprägniert. Kurz vor Feierabend um 15 Uhr werden die gepflasterten rollstuhlgerechten und mit Lavendel eingesäumten Wege noch gereinigt, das Moos wird aus den Zwischenräumen gekratzt. „Dieses Projekt lebt von den Praxiseinsätzen, man sieht schon bei diesem zweiten Einsatz die Fortschritte“, sagt der Leiter der Realschule plus, Ludwin Michels. Ein weiterer Mosaikstein in der Praxis der Lebenswirklichkeiten, in denen die Schüler schon gearbeitet haben. Wie in etlichen Einsätzen im Rebmeerbad oder auf dem Ehrenfriedhof der Stadt. Einer der Schüler macht derzeit ein Praktikum bei Pro Seniore. „Er macht das sehr gut“, findet die Leiterin. Die Idee zum Projekt Erlebnis- und Sinnesgarten war auf der Weihnachtsfeier im vergangenen Jahr entstanden, an der sich die Klasse 10 BO beteiligt hat. Es ist ein Projekt, bei dem jeder gewinnt, sind sich die Beteiligten einig. Die Schüler durch Erfahrung in der Praxis und dem Wissen, etwas für alte Menschen zu tun. Die Bewohner der Pro Seniore mit einem Garten, in dem es viel zu sehen gibt und der vielleicht an die Kindheit erinnert, in der für viele ein Nutzgarten mit Gemüse, Beeren und Obst zum Alltag gehörte. Damit viele Bewohner nicht nur den Garten erleben können, gibt es in der Realschule plus eine Rollstuhl-Arbeitsgemeinschaft. Fünf Schüler der 9. Klasse kommen einmal pro Woche in die Pro Seniore, um mit Bewohnern im Rollstuhl spazieren zu gehen. Info Für das Projekt Sinnesgarten brauchen die Schüler allerdings noch Materialien: Sandsteine für eine Kräuterspirale, einen Kubikmeter Sand, fünf Kubikmeter Kompost oder Mutterboden und Holzpaletten für Hochbeete. Wer das Material spenden oder abgeben will, kann sich im Sekretariat der Realschule plus melden, Telefon 06343 98900. |pfn