Bad Bergzabern Weihnachten bei der Tafel

 Die Leiterin des Hauses der Familie, Helga Schreieck, fährt mit zu den Menschen, die das Geschenk von ihrem Wunschstern überrei
Die Leiterin des Hauses der Familie, Helga Schreieck, fährt mit zu den Menschen, die das Geschenk von ihrem Wunschstern überreicht bekommen.

Im Hinblick auf die Festtage wird vielen Menschen, die auf die Tafel angewiesen sind, eine besondere Freude gemacht. Beim Ausliefern von Geschenken ist es zu zahlreichen berührenden Momenten gekommen.

Um die Mittagszeit herrscht reges Treiben in den Räumen der Tafel in der Kettengasse in Bad Bergzabern. Die ehrenamtlichen Helfer sortieren und räumen ein, denn am Nachmittag ist Ausgabe. 13 besondere Lebensmittelkisten stehen zum Abholen bereit, denn sie werden ins Haus gebracht. Ein berührender Einblick in die private Welt von Menschen, die auf die Tafel angewiesen sind. Annemarie Heller, seit Jahren im Team mit Mathilde David, der Leiterin der Tafel, hat die nackten Zahlen. 2023 wurden 10.470 Einkaufswagen gefüllt, 306 Haushalte mit insgesamt fast 800 Personen versorgt. Das ist eine Steigerung von fast 20 Prozent zum Vorjahr. Und eine Aufgabe, die mehr als 40 ehrenamtliche Helfer bewältigen.

Das Auto ist voll geladen

Doch zurück zum Lieferdienst: Das Auto ist inzwischen beladen für die drei Männer, neun Frauen und ein Ehepaar, die die Lebensmittel bekommen. „Teilweise können sie sehr schlecht laufen, sich nicht mehr in die Schlange stellen oder die Lebensmittel nicht mehr nach Hause tragen“, nennt Helga Schreieck, Gründe für das Ausfahren, dass das Haus der Familie, dessen Leiterin sie ist, übernommen hat. Wobei beim Packen der Kisten auch Besonderheiten der Kunden beachtet werden, wie das Toastbrot, das ein Kunde bekommt, weil er Probleme mit den Zähnen hat.

Helga Schreieck fährt heute mit, denn die Kunden bekommen auch das Geschenk von ihrem Wunschstern zu Weihnachten, dass die Bundeswehr und die Bundespolizei ins Haus der Familie gebracht hat. Und heute, am letzten Tag der Ausgabe in diesem Jahr, auch ein extra Weihnachtspaket der Tafel mit besonderen Sachen wie Kaffee, Schokolade oder Butter. Waren, die von Spenden an die Tafel gekauft wurden. Die Menschen, die beliefert werden, reagieren ganz unterschiedlich darauf, dass die Mitarbeiterin der RHEINPFALZ dabei ist und werden natürlich gefragt, ob sie mit ihr sprechen wollen. Manche wollen es gar nicht, was völlig in Ordnung ist, andere halten sich sehr kurz. Und bis auf Hildegard Bölke, die sich auch fotografieren lässt, wollte niemand seinen Namen in der Zeitung lesen.

Wunschstern-Weihnachtspäckchen

Alle, die die RHEINPFALZ getroffen hat, sind sehr gastfreundlich und hätten gerne noch viel länger geplaudert. Wie das einzige Ehepaar auf der Tour. „Es sind bei mir die Füße, ich kann sehr schlecht laufen, mein Mann hat Parkinson, wir haben immer gearbeitet“, erzählt die Ehefrau. Die sich über das Kompliment ihrer blitzsauberen Wohnung freut. „Ich halte mich mit einer Hand fest und mit der anderen putze ich“, schildert sie ihre Technik. Beide freuen sich über die Süßigkeiten, die sie als Wunschstern-Weihnachtspäckchen überreicht bekommen. Und für ein Getränk reicht die Zeit leider nicht. Die nächste Kundin ist eine 88-jährige Frau. Sie könne kaum noch etwas alleine machen, habe aber Hilfe von ihren Kindern, erzählt sie. Man kann sich ausrechnen, was bei 1000 Euro Rente und 500 Euro Kaltmiete zum Leben übrig bleibt. Sie habe schon viele Operationen hinter sich, unter anderen die nicht komplikationslose Amputation eines Zehs. „Als ich gesund war, bin ich zur Tafel gelaufen“, erinnert sie sich. Und verabschiedet die „Lieferanten“ mit ganz herzlichen Wünschen zum Fest.

Freude über einen Gutschein

Rund 300 Euro bleiben einer anderen Frau zum Leben, die seit 2013 Lebensmittel von der Tafel bekommt. Sie bezieht Wohngeld für die Miete von mehr als 500 Euro. Früher habe sie mehrere Putzstellen in öffentlichen Gebäuden gehabt, erzählt sie. „Sie steht finanziell für viele Frauen in Bad Bergzabern“, sagt Helga Schreieck. Ja, früher habe es mit dem Rollator noch geklappt, dann habe sie die Lebensmittel nicht mehr tragen können und der Weg sei auch zu weit gewesen, bestätigt die Frau. Sie freut sich riesig über den Gutschein für einen Supermarkt. „Ich bin zufrieden und ich verstehe auch, wenn es bei der Tafel mal weniger gibt, da habe ich nie gemeckert“, verabschiedet sie ihren Besuch mit allen guten Wünschen. Und einem kleinen Päckchen Kekse für die RHEINPFALZ, darauf besteht sie.

Bei Hildegard Bölke steht schon ein kleiner Weihnachtsbaum mit Schneeflöckchen, den ihr eine Freundin geschenkt hat. „Es ist der erste Baum seit vielen Jahren“, erzählt sie. 250 Euro bleiben ihr zum Leben, allein 620 Euro warm zahlt sie für die Einraumwohnung mit 50 Quadratmeter. Hildegard Bölke stammt aus Kiel und an ihre Jugend hat sie keine guten Erinnerungen. Sie verlässt früh das Elternhaus. „Ich weiß, was hungern ist“, sagt die heute 75-Jährige. Sie heiratet einen Musiker, das Leben meint es gut mit ihr. Sie geht mit ihm aus beruflichen Gründen sechs Jahre nach Wien, bekommt dort zwei Söhne. Deshalb werden ihr in Deutschland jetzt keine Erziehungszeiten angerechnet.

Kinder wohnen weit weg

Ihre Söhne wohnen weit weg, die Tochter hat ihr eine Wohnung in Bad Bergzabern besorgt. „Ich bin auf die Tafel angewiesen und bin sehr froh, dass es hergebracht wird“, freut sie sich über den wöchentlichen „Lieferdienst“. Gesundheitliche Probleme, auch mit dem Laufen, hat die gelernte Lebensmittelkauffrau mehr als genug, sie hat Pflegestufe zwei. „Ich muss trotzdem noch Vieles selbst bezahlen“, erzählt sie. Respekt, Höflichkeit, Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft sind ihre Werte im Leben.

Zurück bei der Tafel in der Kettengasse hat sich inzwischen eine große Schlange Menschen gebildet, die Lebensmittel abholen. Beim Lieferdienst ist Helga Schreieck sehr deutlich. „Für mich ist es ein Dienst, der nie in Frage gestellt werden und nie ausfallen darf“, sagt sie. Allein 60 kleine Weihnachtspäckchen wurden für die Ehrenamtlichen im Haus der Familie gepackt. „In der Kirchengemeinde werden es insgesamt rund 300 Ehrenamtliche sein.“ In der letzten Minute kommt Annemarie Heller noch angerannt. „Schreiben sie, dass wir ab Januar einen Aufnahmestopp bei der Tafel haben“ ruft sie der RHEINPFALZ zu.

Froh über die Tafel: Hildegard Bölke.
Froh über die Tafel: Hildegard Bölke.
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