Kreis Südliche Weinstraße Was tun gegen Ärztemangel?

Placeholder-Image

Wie ist es um die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum bestellt? Um diese Frage ging es bei einer Podiumsdiskussion der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung am Montag im katholischen Pfarrheim in Göcklingen. Das Thema scheint vielen Bürger auf den Nägeln zu brennen – darauf deuten die knapp 100 Besucher hin.

Kurz zu den Diskussionsteilnehmern. Dabei waren: Staatssekretär Alexander Wilhelm in Vertretung der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), Christian Mönch, Chefarzt für Chirurgie am Westpfalzklinikum Kaiserslautern, Albrecht Müller, Hausarzt in Klingenmünster, und Peter Heinz, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. Die Moderation übernahm Alexander Schweitzer, Chef der SPD-Fraktion im Mainzer Landtag. Die Ursachen des Ärzte- und Pflegepersonalmangels im ländlichen Raum seien vielseitig, sagte Wilhelm. Die Altersstruktur bei den Hausärzten sei ein Grund. Weitere Ursachen sieht Wilhelm in den Zulassungsvoraussetzungen für ein Medizinstudium und den begrenzten Studienplätzen. Bereits 2007 habe die Landesregierung einen Plan erstellt, der laufend weiterentwickelt werde. Er beinhalte auch Förderprogramme mit Anreizen für Ärzte, als Allgemeinmediziner im ländlichen Raum eine Praxis zu eröffnen. Heinz sprach sich für eine Aufwertung der Allgemeinmediziner und für zusätzliche Studienplätze in der Medizin aus. Für die Zulassung zum Studium dürfe nicht mehr hauptsächlich die Abiturnote ausschlaggebend sein. Das Interesse von Menschen (Ärzten) an Menschen (Patienten) müsse bei der Vergabe von Studienplätzen stärker berücksichtigt werden. Die Allgemeinmediziner dürften auch keine „Zehnkämpfer“ mehr sein, die wegen immer mehr Verwaltungsarbeit die Patientenbehandlung zurückstellen müssten. „Immer weniger Studierende entscheiden sich für die Allgemeinmedizin“, sagte Mönch. „Die jungen Mediziner streben heute eher eine geregelte Arbeitszeit in Kliniken und in der Pharmaindustrie an, als auf dem Land rund um die Uhr im Dienst zu sein. Für die gleiche ärztliche Leistung wie vor etwa 40 Jahren ist heute mehr Personal erforderlich.“ Teilzeit sei derzeit sehr attraktiv. Hinzu kämen noch familiäre Aspekte, die zunehmend zu berücksichtigen seien. Auch Mönch ist für eine Änderung der Auswahlkriterien bei der Zulassung zum Studium. Andere Strukturen schlug Müller vor – er ist seit 40 Jahren Allgemeinmediziner mit eigener Praxis in Klingenmünster. Ins Gespräch brachte er zum Beispiel Ärztezentren im ländlichen Raum, in denen Allgemeinmediziner und Fachärzte praktizieren könnten. Mit entsprechenden Fachkräften könnte ein kurzfristiger stationärer Aufenthalt – maximal drei Tage – die Situation der Patienten verbessern. Die Frage nach dem Träger, der auch eine Kommune sein könnte, wäre noch zu klären, sagte Müller. In diesen Fällen müsste die Planungssicherheit der Investoren gewährleistet sein. Eine weitere Hürde sei die Budgetierung bei den Hausärzten. Die Angst vor Rückzahlungsansprüchen seitens der Krankenkassen wirke abschreckend. 90 Prozent aller Absolventen mieden auch deshalb das Risiko einer eigenen Praxis. Dem widersprach Heinz. Im vergangenen Jahr habe es nur vier Rückzahlungsfälle gegeben.

x