Vorderweidenthal
Waldgaststätte Cramerhaus wechselt den Besitzer
Keinen Sitzplatz mehr gab es an schönen Wochenenden in der Waldgaststätte Cramerhaus unterhalb der Burgruine Lindelbrunn. Zahlreiche Wanderwege führen an der Gaststätte vorbei, die Burgruine selbst ist ein beliebter Ausflugsort. Allein im Biergarten unter alten Linden finden 350 Gäste Platz, im Innenraum sind es noch mal 150 Sitzplätze. Für Dampfnudeln, Rostige Ritter oder das freitägliche Rumpsteak durfte man nicht all zu spät kommen. Die einsame Lage, die Wanderwege, ein traumhafter Blick über den Wasgau und der Spielplatz haben das Haus für Einheimische und Gäste attraktiv gemacht. Und das soll so bleiben, auch wenn es jetzt einen neuen Besitzer und einen neuen Pächter gibt.
Vor fast 20 Jahren hatten Mathias und Inge Becker die Gaststätte und die dazugehörenden 13 Doppelzimmer gekauft. Gebaut wurde das Cramerhaus, zu dem auch 5000 Quadratmeter Land gehören, im Jahr 1932 vom Pfälzerwald-Verein. „Wir wollten kürzer treten“, sagt das Ehepaar Becker zu seinem Entschluss, das Objekt zu verkaufen. Eilig hatten die beiden es nicht, als die Entscheidung gefallen war. „Eigentlich war es nur ein Nebensatz, dass wir perspektivisch verkaufen wollen“, erinnert sich Mathias Becker.
Aufgaben sind klar verteilt
Gehört hat ihn Uli Osterheld, der wenige Meter vom Cramerhaus entfernt, im Forsthaus am Lindelbrunn, aufgewachsen ist und jetzt mit seiner Familie dort lebt. Seit 2013 betreibt er zusammen mit Jean-Pierre Baron aus Landau die Firma Jagdkonzept. Mit Seminaren und neuen Konzepten rund um die Jagd. Seit 14 Jahren bejagen die beiden, die sich seit ihrem 14. Lebensjahr kennen, unter anderem den Jagdbezirk Lindelbrunn. Auch Ehefrau Anne Osterheld hat den Jagdschein. Das Trio wird in unterschiedliche Rollen jetzt auch die Gaststätte betreiben.
„Der Charakter der Waldgaststätte soll erhalten bleiben. Und es gibt noch viele Gestaltungsmöglichkeiten, die haben wir jetzt in der Hand“, freuen sich Anne und Uli Osterheld. Gekauft hat das Anwesen Jean-Pierre Baron, der Immobilienprojekte entwickelt. „Er wird mit dem laufenden Geschäft nichts zu tun haben“, schildert Uli Osterheld die Aufgabenverteilung. Zusammen mit seiner Frau und Jana Rothhass, die auch zum Team der Firma Jagdkonzept gehört, wollen sich die drei um den administrativen Teil der Waldgaststätte kümmern. Damit wollen sie dem Ehepaar Becker den Rücken freihalten – für die Bewirtung der Gäste.
Mehr Wild auf der Speisekarte
Denn die Beckers werden nach wie vor das Gesicht der Gaststätte sein – nach dem Besitzerwechsel dann als Angestellte. „Für mich sind die beiden ein Sechser im Lotto“, freuen sich die Osterhelds. Und die Eheleute Becker sind ebenfalls begeistert, denn die Wege zwischen den beiden Familien sind kurz, man kann sich schnell austauschen. Und in den Ruhestand gehen wollen die beiden noch nicht. Das komplette Management brauchen sie jetzt nicht mehr zu stemmen, die Bewirtung so vieler Gäste ist Aufgabe genug.
Die pfälzische Küche bleibt erhalten, die Lieferanten kommen weiterhin aus der Region. Logischerweise wird es bei so vielen Jägern, die nun mitwirken, auch vermehrt Wild geben. Auch die 13 Gästezimmer werden weiterhin vermietet. „Eine Gaststätte mit diesem Flair ist wichtig in der Region und soll auch in ihrem Charakter erhalten werden“, findet Inge Becker. Vielleicht könne man ja den Biergarten im Sommer länger öffnen, das wäre bestimmt für viele Gäste attraktiv, so die Vision ihres Mannes. Neue Ideen sollen auf jeden Fall entwickelt werden, sind sich die alten und neuen Besitzer einig.
Benannt wurde das Cramerhaus übrigens nach dem Regierungsdirektor der Forstkammer der Pfalz, dem 1927 geborenen Heinrich Cramer. Sein Foto hängt im Eingangsbereich der Waldgaststätte. Welchen Anteil er am Bau des einstigen Unterkunftshauses des Pfälzerwald-Vereins hatte, ist nicht bekannt.
Info
Die Gaststätte öffnet wieder am Mittwoch, 13. April. Warme Küche gibt es von 11 bis 18 Uhr durchgehend, Ruhetage sind Montag und Dienstag.