Kreis Südliche Weinstraße Von Fühlkästen und Baumscheibenspiel

Förster Hugo Grünfelder erklärt der Klasse 3a der Grundschule Hauenstein verschiedene Baumarten.
Förster Hugo Grünfelder erklärt der Klasse 3a der Grundschule Hauenstein verschiedene Baumarten.

„Es ist die Douglasie.“ Die kleine Lina von der 3a der Grundschule Hauenstein hat sich die Eigenschaften des Baums mit den weichen Nadeln gemerkt und auch den Namen gewusst. Bei den Waldjugendspielen gestern im Wilgartswiesener Forst sind die 19 Grundschulkinder ausgeschwärmt, um auf Geheiß ihres Forstpaten Günter Beck nach von ihm bestimmten Waldbäumen zu suchen. Für jeden Treffer schreibt ihnen der Forstmann Punkte gut, mit denen sie am Ende einen Preis gewinnen können. Die Mädchen und Buben sind eifrig bei der Sache, besprechen sich untereinander und platzen nicht unüberlegt mit ihrem Wissen heraus. Klassenleiterin Lena Walter hält die Rasselbande zusammen, ist heute jedoch eher Statistin. Die Regie führen die Mitarbeiter von Landesforsten, insbesondere vom Forstamt Hinterweidenthal, zusammen rund 40 Forstbeamten benachbarter Forstämter. Wie jedes Jahr werden kurz vor den Sommerferien landesweit die Waldjugendspiele von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ausgetragen, gemeinsam mit dem Umweltministerium und in Kooperation mit dem Bildungsministerium. Beteiligt sind dritte und siebte Klassen, in Wilgartswiesen 18 Klassen mit 322 Schülern. Sie kommen aus Bad Bergzabern, Hauenstein, Hinterweidenthal, Waldfischbach-Burgalben und dem Elsass. In der Falkenburghalle zieht Ingo Berger vom Organisationsteam am Laptop die Strippen. Chef vom Dienst ist der örtliche Forstleiter Bernhard Klein. Auf seinem E-Mountainbike radelt er die Strecke auf und ab und sorgt dafür, dass alles funktioniert. An „Input-Stationen“ werden die Schüler zunächst mit Informationen gefüttert und in ihre Aufgaben eingewiesen. Beim Bäume-Input etwa erläutert Forstwirtschaftsmeister Hugo Grünfelder, wie man Waldbäume an Blättern, Nadeln, Früchten und Rinde voneinander unterscheidet. Mit ihrem Forstpaten wenden die Kinder dann in einem Quiz ihre Kenntnisse an. Manche haben von daheim bebilderte Bestimmungsbücher mitgebracht. Darüber hinaus profitieren sie vom Unterricht ihrer Lehrerin. Sie hat mit ihnen das Thema Wald schon durchgenommen. Schwer wird es an der Station der „Fühlkästen“. Hier gilt es, durch die Öffnung von geschlossenen Kästen Zweige, Rinde oder Früchte von Bäumen zu ertasten. Es darf in der Gruppe beraten werden, ehe das Ergebnis dem Forstmann gemeldet wird. Hier passiert es auch, dass einmal der Joker zum Einsatz kommen muss. Es ist der stille Luka aus der Klasse. Er greift hinein und weiß sofort Bescheid. Zur Auflockerung sind Beweglichkeit und Geschick gefragt, so beim Baumscheibenspiel. Hierbei dürften die Schüler nur auf vor sich hingelegte Baumscheiben treten, um eine Wegstrecke hinter sich zu lassen. Vor allem aber steht den Forstleuten der Sinn danach, den Kindern neben dem Sachwissen auch anschaulich moderne Forstwirtschaft zu verdeutlichen. Sie sprechen zum Beispiel den Begriff der Nachhaltigkeit an. Hauensteins Gemeindeförster Gerald Scheffler macht dazu zwölf Kinder zu einem „Modellwald“ in verschiedenen Wachstumsphasen, der sich mit den Jahren dezimiert, wo geerntet wird, aber auch wieder heranwächst, sodass sich Bestand und Struktur nicht verändern. „Jedes Jahr wird Holz genutzt“, sagt er. „Der Wald geht dabei aber nicht verloren, er bleibt nach wie vor erhalten.“ Eine Station weiter müssen die Erkenntnisse beim Forstwart Martin Reinhard mit einer Anzahl aufeinandergesetzter Baumscheiben selbstständig angewendet werden. Der Forstmann ist zufrieden. „Ihr habt gezeigt, wie man weitere Forstgenerationen im Bestand erhält“, lobt er. In einem Kreativ-Wettbewerb haben sich die Schüler im Vorfeld mit dem Thema „Wald bewegt“ befasst und Wald-Kunstwerke geschaffen.

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