Landau / Oggersheim
Von der Rolle, bis zur Zeitung: Ein Besuch im Druckzentrum
Beim Zeitung lesen mag der eine oder andere es ja lieber leise. Beim Zeitung machen ist es allerdings alles andere als still. Diese Erfahrung dürfen auch 20 Leser bei einer Führung durch das RHEINPFALZ-Druckzentrum (ODZ) machen. „Dabei war es früher noch viel lauter“, sagt Besucher Klaus Lossin. Er hat sich ganz besonders auf diesen Abend gefreut. Vor 50 Jahren hat er selbst eine Ausbildung zum Schriftsetzer in Bad Bergzabern gemacht. „Damals mussten wir noch alles per Hand machen und konnten die Zeitung sogar spiegelverkehrt lesen“, erzählt er. Er erinnert sich noch genau an das laute Klappern der Metallplatten aufeinander. Heute ist das alles nicht mehr nötig und der Beruf des Schriftsetzers wird im Druckzentrum auch nicht mehr ausgeübt. Das tut Lossins Begeisterung für den Ort aber keinen Abbruch. Schließlich gibt es auch so vieles zu sehen. Experte und Ansprechpartner ist an diesem Abend Stephan Eckel, Technischer Leiter der RHEINPFALZ und auch zuständig für das Druckzentrum.
200.000 Tageszeitungen verlassen täglich abends das ODZ im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim. Neben den zwölf Ausgaben der RHEINPFALZ werden in der Woche laut Eckel auch gut eine Millionen Ausgaben des „Wochenblatts“ für die Pfalz und Baden gedruckt und verschickt. Außerdem laufen auch andere Werbeprodukte und kleinere Lokalblätter durch die Maschinen in der 10.000 Quadratmeter großen Industriehalle. Unter anderem wird hier auch ein amerikanisches Wochenblatt für die Mitglieder der Airbase in Ramstein und Umgebung gedruckt. Rund 250 Menschen arbeiten hier.
Vorlagen auf Aluminium
Normalerweise ist der Andruck gegen 22 Uhr. Wegen einer Großbaustelle im ODZ ist der Druck jedoch schon auf 20.30 Uhr vorverlegt. Kurz vorher zeigt Eckel den Lesern noch, wie die Vorlagen für die einzelnen Zeitungsseiten entstehen. Die einzelnen Zeitungsseiten werden am PC in den Lokalredaktionen und der Zentralredaktion erstellt und können dann im Druckzentrum abgerufen werden. Die Druckplattenbelichter der CtP-Strassen (Computer to plate) bringen dann mit einem Laser die Seiten vom digitalen ins analoge: auf Zeitungsseiten große Druckplatten aus 98 Prozent Aluminium. Pro Zeitungsseite wird dann je eine Druckplatte für die Farben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz benötigt und belichtet. Die Farben werden, wie fast alles im ODZ, in großen Behältern und einem separaten Raum gelagert. „Die Farbe hat eine ähnliche Konsistenz wie Honig. Sie muss oft umgerührt werden oder man muss sie warm halten “, erklärt Eckel der Gruppe. Deshalb steht sie in einem Raum, der wärmer ist als das restliche Druckzentrum.
Nachdem die Druckplatten für die jeweils vier Farben erstellt wurden, werden diese in der Druckmaschine vollautomatisch eingebracht. Die Papierbahn läuft nacheinander an den vier Farbstellen vorbei, wodurch dann die vollständig bebilderte Seite entsteht. So entsteht die gewünschte Farbkombination für Bilder und Texte auf einer Seite. Knapp 1000 solcher Druckplatten werden für die RHEINPFALZ täglich beschichtet. Nach einmaliger Verwendung werden die Platten entsorgt und recycelt. Das Ehepaar Helmut und Ingrid Herrgen aus Landau ist so fasziniert von diesen Druckplatten, dass sie sich eine davon als Andenken mitnehmen. „Das ist etwas richtig Besonderes für uns, weil es ja einmalig ist. Jetzt können wir unseren Freunden nicht nur erzählen, was wir gesehen haben, sonders es auch zeigen“, sagt Ingrid Herrgen stolz. Während der Führung macht sie auch fleißig Fotos und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Es ist schon toll, das einmal so von innen zu sehen. Wir hatten ja keine Ahnung, wie viele Schritte es braucht bis zur fertigen Zeitung.“
Und bei Stromausfall?
Besonders ins Staunen kommen die Besucher auch im Papierlager, in dem die 1500 Kilo schweren Papierrollen in hohen Stapeln gelagert werden. Das Papier stammt, so erklärt Eckel, zumeist aus deutschen Produktionsstätten. 100 bis 120 dieser Rollen werden am Tag zu Zeitungen oder Werbeprodukten gemacht – und das am laufenden Band. „Reißt so eine Rolle denn auch häufig bei dem Tempo?“, will ein Leser wissen. Das sei zwar schon vorgekommen, passiere aber äußert selten, antwortet Eckel. Selbst wenn, wäre das nur eine kurze Zeitverzögerung.
Ihre Zeitungsform bekommen die endlosen Papierbahnen schließlich in sogenannten Falzapparaten. Dann laufen sie über ein langes Förderband an der Decke weiter und im letzten Schritt werden die Beilagen des jeweiligen Tages in die Zeitung gelegt. „Ich bin ja hier im Paradies“, jubelt ein Leser, als die Gruppe durch die Halle mit den Beilagen und Werbeheftchen geführt wird. Die Sortierung hier erfolgt auch wieder vollautomatisch.
So maschinengeneriert läuft vieles im ODZ. Eine Leserin möchte deshalb wissen: Was passiert denn, wenn einmal der Strom ausfällt? „Dann ist der Druck erstmal zu Ende“, sagt Eckel und lacht. Es gebe zwar einen Notstromgenerator, der würde allerdings nur wirklich Wichtiges wie die Beleuchtung der Fluchtwege und Waschräume versorgen. Für den weiteren Betrieb der Druckmaschinen würden gut zwei bis drei Megawatt benötigt. So einen Stromausfall habe Eckel jedoch noch nicht miterlebt.
Zum Schluss geht es für die Gruppe noch zum Verladen der fertigen Zeitungen. Die druckfrischen Exemplare werden zwischen 22 und 2 Uhr in rund 80 Kleintransporter geladen und in der gesamten Pfalz verteilt. Die Ausgabe Landau ist nach Pirmasens eine der ersten, die an diesem Abend gedruckt wird. „Das liegt an der Strecke, die die Transporter zu den Lesern zurücklegen müssen. Sie sollen schließlich rechtzeitig ausgeliefert werden“, erklärt Eckel.
Info
Führungen durch das ODZ sind nach Abschluss der Bauarbeiten ab 2023 nach Voranmeldung wieder möglich.