Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Labor ins Klassenzimmer: So tickt der neue Schulleiter am Gymnasium

Philipp Jähne (rechts) verabschiedet sich vom Edenkobener Gymnasium, Christian Bayer wird seine Stelle in der Schulleitung übern
Philipp Jähne (rechts) verabschiedet sich vom Edenkobener Gymnasium, Christian Bayer wird seine Stelle in der Schulleitung übernehmen.

Er hat das Gymnasium mit aufgebaut, war dort fast sieben Jahre Schulleiter. Nun möchte Philipp Jähne neue Abenteuer erleben. Der Nachfolger steht in den Startlöchern.

Christian Bayer bleibt an seiner neuen Wirkungsstätte nur eine kurze Eingewöhnungszeit. Am Freitag hat er sich von seiner Schule in Frankenthal verabschiedet, wo er fast zehn Jahre tätig war. Und gleich am Montag wird er an seiner neuen Wirkungsstätte willkommen geheißen, und zwar am Edenkobener Gymnasium.

Dort wird er der neue Schulleiter sein – oder, wie es Bayer selbst sagt, die Rolle des Moderators übernehmen. So interpretiert der 48-Jährige jedenfalls seine Aufgabe. „Genau das Gleiche habe ich vor meinem Dienstantritt auch gesagt“, erinnert sich sein Vorgänger, Philipp Jähne. Sechseinhalb Jahre sind seither vergangen. Er ist inzwischen 62 Jahre alt. „So gerne ich hier am Gymnasium war, möchte ich nun mehr Zeit für andere Dinge haben“, sagt er. Deshalb scheidet er auf eigenen Wunsch früher aus dem Berufsleben aus, für ihn beginnt nun die Freistellungsphase der Altersteilzeit.

Im Ausland zusammengearbeitet

Der Pfälzer, der in Schwegenheim zu Hause ist, hat schon Pläne für die Rentenzeit geschmiedet. So möchte er mit seiner Frau einmal quer durch Europa, von Gibraltar bis zum Nordkap – mit dem Rad. Etwa vier Monate dürften sie unterwegs sein, schätzt Jähne. Um seine Schule werde er sich derweil keine Sorgen machen. Nicht nur wegen des nahtlosen Übergangs, der mittlerweile nicht bei jedem Schulleiterwechsel selbstverständlich sei, sondern auch weil er seinen Nachfolger schon gut kennt.

Sie waren für Fortbildungen gemeinsam im Ausland: In Island und Irland lernten die beiden Schulleitern fremde Schulsysteme kennen. Zuvor waren sie auch in Dänemark, wobei Jähne dort noch in einer anderen Funktion auftrat. Damals war er bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). Die Aufgabe bei der Schulaufsichtsbehörde hatte ihn gereizt, weshalb er den Klassensaal gegen das Büro bei der ADD eintauschte. Als dann die Schulleiterstelle in Edenkoben ausgeschrieben wurde, bewarb er sich darauf. Nicht ohne Grund, war doch das Gymnasium eine Herzensangelegenheit für ihn.

Zahl der Lehrer fast verzehnfacht

Vor seiner Zeit bei der ADD hatte Jähne nämlich das Gymnasium in Edenkoben mit aufgebaut. Er hatte zusammen mit einer Handvoll anderer Kollegen das pädagogische Konzept für die Einrichtung erarbeitet. Damals war er noch am Gymnasium in Speyer tätig. Als dann die Einrichtung in Edenkoben gebaut und 2003 eingeweiht wurde, wechselte er von der Domstadt in die Südpfalz. Das sei schon spannend gewesen, eine Schule von null an wachsen zu sehen. Schließlich wurde jedes Jahr mit jedem neuen Jahrgang die Schule sukzessive aufgestockt.

Anfangs sei man dreizügig gewesen, mit acht Lehrern habe man begonnen. Inzwischen zähle das Kollegium 70 Frauen und Männer. Sie unterrichten knapp 900 Schüler. Seit diesem Jahr gibt es auch eine Begys-Klasse, ein Modell der Begabtenförderung. In dieser Klasse sitzt ein Teil der jetzigen Siebtklässler, die die Mittelstufe in drei statt in vier Jahren durchlaufen. Heißt: Nach der Neunten „springen“ sie in die 11. Klasse. Den Werdegang dieser Schüler und Tausender anderer Jugendlicher am Edenkobener Gymnasium wird nun Christian Bayer verfolgen. Er hat nämlich noch einige Berufsjahre vor sich.

Promotion an der TU Kaiserslautern

Bayer ist 48 Jahre alt, was für einen Schulleiter kein ungewöhnliches Alter ist. Allerdings hat er anders als viele andere Kollegen schon reichlich Erfahrung in dieser Rolle. Schon mit Ende 30 wurde er Schulleiter am Karolinen-Gymnasium in Frankenthal. Persönliche Gründe hätten ihn dazu bewogen, von der Einrichtung Abschied zu nehmen. Dadurch seien für ihn Familie und Beruf besser vereinbar. Allein schon dadurch, dass er von seinem Wohnort in der Südpfalz eine kürzer Strecke pendeln müsse.

Auch in einem anderen Punkt ragt Bayer heraus: Er ist als Seiteneinsteiger in die Schule gekommen. Nach seinem Abitur studierte er Physik an der Technischen Universität Kaiserslautern, er promovierte dort auch. „Da ich auch an der Uni immer gerne unterrichtet habe, nahm ich im März 2006 aus einer Laune heraus eine Vertretungsstelle am Leininger-Gymnasium in Grünstadt an.“ Ihm wurde deutlich, dass der Job an der Schule sein Traumberuf sei.

Er habe das Glück, seine neue Wirkungsstätte, einen Teil der Schüler und Lehrer schon kennengelernt zu haben, etwa durch den Tag der offenen Tür. Er sei beeindruckt, die Schule habe er bisher als sehr offen und zugewandt erlebt. Ein vertrauensvoller Umgang sei ihm wichtig. „Schließlich ist Schule nicht nur ein Arbeitsraum, sondern auch ein Lernraum. Ich möchte hier nicht nur als Schulleiter ankommen, sondern auch als Mensch.“

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