Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Virtuelle Narretei als Fasnachtsersatz

Das Herxheimer Prinzenpaar Torsten und Theresa stimmt sich im Narrenschiff auf die Digital-Saison ein.
Das Herxheimer Prinzenpaar Torsten und Theresa stimmt sich im Narrenschiff auf die Digital-Saison ein.

Schunkeln auf Abstand, Gardetanz mit Mundschutz? Undenkbar. Von den feuchtfröhlichen Umzügen brauchen wir gar nicht erst zu reden. Wie gehen die Südpfälzer Narren mit der Situation um?

Wir erinnern uns an den Februar 2020. Eine Karnevalssitzung in Gangelt im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg gilt als Superspreader-Event der ersten Stunde. Nach der Feier mit dichtem Gedränge verbreitet sich das neuartige Coronavirus in Windeseile. Mittlerweile haben wir gelernt, mit der Pandemie umzugehen. Mal besser, mal schlechter. Doch eines ist klar: Solange das Virus in seinem jetzigen Ausmaß in der Bevölkerung grassiert, ist an Party ohne Abstand und Schutz nicht zu denken. Das bedeutet auch für die Narren: Die Faschingssaison 2021 wird anders. Sogar so anders, dass sie vielerorts komplett ausfällt.

Vieles – von der Arbeit bis zu sozialen Kontakten – muss in der Corona-Zeit auf den virtuellen Raum umziehen. Aber Fasching alleine daheim im Zoom-Meeting, das können sich viele Karnevalisten nicht vorstellen. Andere wollen jede Möglichkeit nutzen, um die liebgewonnene Tradition auch in einem Seuchenjahr aufrecht zu erhalten. „Für uns ist es ein Fest wie Weihnachten. Fasching kann man nicht absagen. Es findet so oder so statt“, sagt Vanessa Schlick von der Bad Bergzaberner Karnevalsgesellschaft Hameckia. „Da wir uns zurzeit nicht treffen dürfen, haben wir zu Corona-Aktionen per E-Mail und Video-Botschaften aufgerufen“, berichtet sie. Die Hameckia-Narren wollen sich über ihre digitalen Kanäle präsentieren. „So können wir unseren Freunden, Bekannten, Mitgliedern und Fans zumindest ein wenig Faschingsstimmung für zu Hause bieten.“

Getrennt zusammen sein

Ähnlich läuft es bei den Purzelhasen in Billigheim-Ingenheim. Um das Vereinsleben aufrecht zu erhalten, bilden Vereinsmitglieder wie Jean Baty und Simon Pfeffer ein Kreativteam. Dieses sammelt Ideen, wie diese ungewöhnliche Faschingssaison gestaltet werden kann. „Gerade für unsere Jugendarbeit war es extrem wichtig, dass es irgendwie weitergeht“, sagt Baty. Im vergangenen Sommer waren wenigstens Dinge wie das Tanztraining noch möglich. Jetzt, wo eigentlich die Planung der Umzüge und Prunksitzungen auf Hochtouren läuft, können sich die Narren gar nicht mehr treffen. Aber vielleicht kann man die tollen Tage ja auch getrennt zusammen verbringen, dachte sich das Kreativteam. Es entstand die Idee zu einer virtuellen Prunksitzung. Die gibt es als Stream, für den alte und neue Videoschnipsel zusammengeschnitten wurden. Die Gardeaufführung vom vergangenen Jahr, Büttenreden im Wohnzimmer und Sketche, die die Karnevalisten bei sich zu Hause aufgenommen haben. Natürlich unter Einhaltung der Hygieneregeln, zumeist mit kleinen Ensembles bestehend aus Familienmitgliedern.

Außerdem gibt es auf Bestellung die „Helau fa dahäm-Box“ mit Sekt, Purzelhasen-Gläsern und einer Flasche Grauburgunder. Ebenfalls enthalten sind ein Online-Zugang für den Livestream oder eine DVD mit den Filmaufnahmen für die Narren ohne Internetzugang. „Wir hoffen natürlich, dass möglichst viele mit uns zusammen den Livestream verfolgen, damit ein bisschen Gemeinschaftsgefühl aufkommt“, sagt Baty. Für die Livezuschauer soll es auch einen Chat mitsamt Quizfragen und Preisen geben.

Umzug in den eigenen vier Wänden

Eine ähnliche Idee hat der Carneval-Verein Narrhalla in Herxheim. Statt einer virtuellen Prunksitzung soll es hier aber einen virtuellen Umzug geben, berichtet Vorsitzender Hans-Peter Knoll. Die Narren in Herxheim und Umgebung sind aufgerufen, kleine Videobeiträge von bis zu einer Minute Länge zu machen. Und zwar im Kostüm und im selbst gestalteten Umzugswagen. Der wird natürlich kleiner als gewöhnlich. „Von Lego bis Raumschiff, alles darf genutzt werden“, sagt Knoll. Zu jedem Wagen gehört – wie beim normalen Umzug – natürlich ein eigenes Motto, das die Darsteller mit passender Musik präsentieren sollen. Das Ganze soll im eigenen Garten, Wohnzimmer oder Hof aufgenommen werden, öffentliche Plätze sind zu vermeiden. Die Beiträge können per E-Mail an info@cvh-herxheim.de oder auf der Facebookseite des Vereins eingereicht werden. Einsendeschluss ist der Schmutzige Donnerstag.

Die Videos werden am Faschingsdienstag um 13.11 Uhr auf der Facebookseite des CV veröffentlicht. Die drei Videos, die für ihren Beitrag die meisten Likes abstauben, bekommen einen Preis. „Der aber wohl wichtigste Grund zur Teilnahme ist einfach, dass wir trotz der ganzen Einschränkungen Spaß haben und zeigen, dass der Narr auch jetzt noch närrisch sein kann und dass wir Fasnachter trotz allem etwas auf die Beine stellen können.“ Wie in Billigheim-Ingenheim gibt es auch in Herxheim eine Faschingsbox, hier heißt sie „Fasching to go“.

Fasnachtsbox to go

Auch andere Vereine wie der Karnevalverein Rot-Weiß Klingenmünster bieten einen ähnlichen Service: „Bei uns gibt es ,Fasenacht aus de Dutt fer Dehäm’“, berichtet Vorsitzende Kathrin Flory. Die tolle Tüte wird am 6. Februar an die Haustür geliefert. An diesem Tag hätten die Rot-Weiß-Narren ihre fünfte Prunksitzung. Die „Dutt“ ist gefüllt mit einem USB-Stick mit Videomaterial von der Prunksitzung der vergangenen Kampagne, mit Secco, Knabbersachen und Faschingsdeko. Außerdem plant der Verein am Faschingswochenende für Aktive eine Videokonferenz mit eigenen Beiträgen – am Samstagabend für Erwachsene und am Sonntag für Kinder und Jugendliche.

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