Landau / Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Villa Zick-Zack: Fotovoltaik bleibt wohl nur ein Wunsch

Erbaut im Jahr 1680: die Villa Zick-Zack in Bad Bergzabern.
Erbaut im Jahr 1680: die Villa Zick-Zack in Bad Bergzabern.

Energiesparen ist das zentrale Thema landauf, landab. Aber anscheinend nicht beim Kreisrechtsausschuss, der sich mit dem Bau einer Fotovoltaikanlage auf einem Carport an der Villa Zick-Zack in Bad Bergzabern befasste. Diese Sitzung und die damit verbundenen Kosten hätte man sich sparen können. Wieso?

Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, wie die Entscheidung des Kreisrechtsausschusses zu der geplanten Installation einer Fotovoltaikanlage an der Villa Zick-Zack in Bad Bergzabern ausfallen wird. Es wird wohl keine Genehmigung geben. Doch von vorne.

Vor elf Jahren kauften Karla Schutt und ihr Lebensgefährte Klaus Erfurth, Ingenieur für Elektrotechnik, die Villa Zick-Zack in Bad Bergzabern. Ein herrschaftliches Anwesen mit großer Geschichte, erbaut im Jahr 1680. Es ist nach dem Gasthaus Zum Engel in der Königstraße das historisch wichtigste Gebäude in der Kurstadt. „Ein Gebäude von überregionaler Bedeutung“, attestierte auch das Denkmalschutzamt. Das Paar erfüllt sämtliche Auflagen des Denkmalschutzes, investiert Millionen Euro.

Fast alle Behörden befürworten das Projekt

Anfang vergangenen Jahres beantragten die Besitzer den Bau eines Carports mit Fotovoltaikanlage. 14 Meter lang und rund drei Meter breit. Das höre sich groß an, falle aber bei den Dimensionen des Geländes und der Lage des Standortes nicht auf, sagte das Paar. Der Carport ist eher Mittel zum Zweck. Die Herzensangelegenheit von Klaus Erfurt ist eine Fotovoltaikanlage, die er auf dem Dach installieren will. Er hat Jahrzehnte weltweit in der Fotovoltaik-Branche gearbeitet. Der Carport soll so bepflanzt werden, dass er den Charakter des Anwesens nicht stört und die Anlage nicht einsehbar ist. Alle betroffenen Behörden befürworteten den Antrag – mit Ausnahme des Denkmalschutzes.

Klaus Erfurth kann in der heutigen Zeit, in der Erneuerbare Energien ein zentrales Thema sind, überhaupt nicht verstehen, dass die Bauanfrage von der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße Anfang September abgelehnt wurde. „Die Fotovoltaikanlage würde fast das ganze Haus und unsere beiden Elektroautos mit Strom versorgen.“

Weit mehr als 50 Hauseigentümer beraten

Einer, der sich mit denkmalgeschützten Gebäuden auskennt, ist Professor Hans Dennhardt, seit weit mehr als zehn Jahren Stadtplaner in Bad Bergzabern und zuständig für die historische Innenstadtsanierung. Weit mehr als 50 Gebäudeeigentümer hat sein Büro bei der Umsetzung beraten, auch die Besitzer der Villa Zick-Zack. Er wundere sich über diese Entscheidung der Denkmalbehörde, sagte Dennhardt auf Nachfrage der RHEINPFALZ im Frühjahr.

Der Einspruch der Besitzer wurde nun vor dem Kreisrechtsausschuss in Landau verhandelt. Anwesend waren der Vorsitzende, Leitender Regierungsdirektor Manfred Lutz, zwei Mitarbeiter des Bauamtes der Kreisverwaltung, eine Mitarbeiterin des Bauamtes der Stadt Bad Bergzabern und Jutta Henß vom Büro für Stadtsanierung in der Kurstadt. Die Sitzung war nach einer knappen Stunde beendet.

„Außengelände“, lautet das Argument

Die Vertreterin der Hausbesitzer, Cornelia Hegele-Ray, argumentierte, dass das als Waldgebiet ausgewiesene Außengelände nachweislich nie eines war und die Fotovoltaikanlage nicht einsehbar sei. „Außengelände“, lautete das Argument des Ausschusses. Dort sei keine Bebauung zulässig. Wobei das Außengelände das Ende der geteerten Auffahrt zum Wohnhaus ist, wenige Meter von der Haustür entfernt.

Es gebe ja die Möglichkeit, einige Meter weiter weg die Anlage zu bauen, sagte Lutz. Henß wies darauf hin, dass dies wegen der dort stehenden großen Bäume und des Schattens, den sie werfen, wenig Sinn ergebe. „Ein Carport geht sicher nicht im Außenbereich“, war auch die Einschätzung der Bauabteilung des Kreises.

Was der Kreisrechtsausschuss der Stadt rät

Henß wies auch auf das neue Gesetz zu Erneuerbaren Energien hin, denen jetzt im Außenbereich Vorrang zu gewähren sei. „Alles hat nach diesem Gesetz hinten anzustehen, die Erneuerbaren Energien haben Vorrang.“ Und viele Gemeinden würden derzeit große Fotovoltaikanlagen planen. Im Außenbereich.

Das Gesetz müsse zunächst in die Fachliteratur eingearbeitet werden, lautete die Auskunft der Bauabteilung. „Die Stadt möchte dieses Vorhaben unterstützen. Sie sieht keinen Konflikt“, war ein weiteres Argument von Henß. Der Vorsitzende zeigte sich leicht belustigt: „Es ist das erste Mal, dass die Stadt ein so kleines Vorhaben unterstützt. Das ist interessant.“ Als er informiert wurde, dass die Besitzer des Hauses inzwischen ausgezogen sind und das Anwesen zum Verkauf steht, zeigte sich Lutz überrascht: „Ehrlich?“

Die Stadt solle den Flächennutzungsplan ändern, war sein Rat. Das sei bürokratisch ein schwieriges Unterfangen, entgegnete Henß. Die Entscheidung des Kreisrechtsausschusses steht noch aus.

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