Bad Bergzabern
VG-Sporthalle: Neuer Boden muss schon wieder raus
Schick sieht sie aus, die Verbandsgemeinde-Sporthalle in Bad Bergzabern. Seit der gut 5 Millionen Euro teuren Generalsanierung, die vor zwei Jahren endlich abgeschlossen werden konnte, kommt sie als echtes Schmuckkästchen daher. Das sieht auch Lothar Schmitz so, der seit knapp 40 Jahren als Hausmeister in der Halle ein und aus geht. Viele Jahre habe man immer nur mal hier, mal da geflickt, sagt er. Dass nun komplett renoviert wurde, sei auch nötig gewesen.
Das sagt er, während er auf dem nagelneuen Parkettboden steht. Dessen Oberfläche glänzt im Scheinwerferlicht, die Spielfeldbegrenzungen für Basketball, Handball und Co. strahlen noch in kräftigen Farben. Aber: So perfekt der Belag auf den ersten Blick aussieht ist er nicht. Ganz im Gegenteil, er ist derart beschädigt, dass er direkt wieder raus muss. Wie kann das sein, dass ein noch gänzlich unbenutztes Parkett kaputt ist?
Dielen mit fehlerhafter Nut geliefert
„Wir hatten einfach Pech“, sagt Stefanie Linsel, technische Leiterin der Bauabteilung der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern. „Eine Charge Bretter, die schon aussortiert waren, sind auf einer Palette gelandet, die hierher geliefert wurde.“ Wie das passieren konnte, weiß niemand. Jedenfalls liegen nun Dielen auf dem Boden, bei denen die Nut fehlerhaft gefräst ist. Mit dem Ergebnis, dass es an der Stelle, an der ein Brett in das nächste geschoben ist, einen Überstand gibt. Der wiederum ist zwar nur schwer sichtbar, dafür aber umso gefährlicher für die Sportler, denn dadurch entstehen kleine scharfe Kanten. Fährt man mit dem Finger darüber, spürt man den Höhenunterschied zwischen den zwei Brettern deutlich. Einerseits können die Sportler dort hängenbleiben, andererseits können sie sich daran verletzen, wenn sie darauffallen.
„Ich habe schon über 70 Stellen gefunden“, erzählt Hausmeister Schmitz. Anfangs habe er jeden Tag neue gefunden. Allesamt sind mit Klebeband markiert. An mehreren Stellen wurde sogar ein ganzes Stück aus dem Parkett herausgeschnitten, um das beschädigte Material genau begutachten zu können. Dort stehen nun rot-weiße Pylonen. „Seit zwei Wochen ist jetzt aber Ruhe, der Boden hat sich scheinbar gesetzt.“ Er habe mit dem Projektleiter gesprochen, der solche Baustellen schon seit 30 Jahren mache, erzählt Schmitz. „Der hat so etwas auch noch nie erlebt.“
Ein neuer Boden soll gefälligst auch neu aussehen
Die eine oder andere Überlappung wurde mittlerweile nachgebessert. Dadurch wird zwar die scharfe Kante geglättet, es bleibt jedoch ein unschöner Fleck am Boden zurück. Und noch schlimmer: Die notwendige Qualität kann laut Auskunft der Verbandsgemeindeverwaltung beeinträchtigt sein. Ein Zustand, der so nicht zufriedenstellend ist. „Wenn man einen neuen Boden bekommt, dann soll er auch wie einer aussehen und nicht ausgebessert sein“, sagt Linsel. Wie geht es jetzt also weiter?
Der Boden muss wie bereits erwähnt komplett ausgebaut und ein neuer eingebaut werden. Allerdings wird das nicht sofort passieren. „Die vereine und Schulen mussten lange genug auf die Halle verzichten“, sagt Verbandsbürgermeisterin Kathrin Flory (SPD). Deshalb werden nun alle Schadstellen provisorisch so ausgebessert, dass kein Verletzungsrisiko mehr besteht. Nach den Sommerferien, so Flory, könne die Halle dann in Volllast genutzt werden. Ausgebaut und ersetzt werde das Parkett erst in den Herbstferien, also Mitte Oktober. Drei Wochen sollen die Arbeiten dann dauern, das heißt nach den Ferien müssen die Sportler noch einmal eine Woche auf die Halle verzichten.
Grundsätzlich ist in Sachen Hallenboden in Bad Bergzabern offenbar der Wurm drin. Denn schon der Austausch war eigentlich gar nicht geplant, weil der alte Belag erst vor rund einem Jahrzehnt eingebaut wurde. So blieb er denn auch bei der großen Sanierung der Halle unangetastet. „Der Parkettboden ist so massiv, der lässt sich noch einige Male abschleifen, an dem haben Sie noch viele Jahre Freude“, sagte Stefan Rieß vom Architekturbüro Dillig aus Simmern, das federführend für die Sanierung verantwortlich war, bei der Wiedereröffnung 2021.
Verbandsgemeinde entstehen keine zusätzlichen Kosten
Schon wenig später wurde allerdings festgestellt, dass sich die Holzstäbe nach oben gewölbt hatten. Als Ursache wurde schließlich ein Wassereintritt ausgemacht. Nachdem ein Gutachter bescheinigte, dass eine nachhaltige Trocknung nicht möglich ist, war klar: Der noch gar nicht so alte Boden muss ersetzt werden.
Die gute Nachricht für die Verbandsgemeinde ist, dass durch den jetzt anstehenden erneuten Bodenwechsel keine zusätzlichen Kosten entstehen. 250.000 Euro hat der neue Boden gekostet, der Austausch läuft nun über die Gewährleistung und damit „kostenneutral für die Verbandsgemeinde“, sagt Linsel. Die Firma, die die schadhaften Dielen ausgeliefert und verbaut hat, habe dem sofort zugestimmt. „Die Sache ist denen ja auch peinlich“, sagt Linsel.