Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel VG-Rat Bad Bergzabern: CDU und SPD in Geberlaune

Wie harmonisch werden die nächsten fünf Jahre im Schloss und im gesamten Bad Bergzaberner Land wohl sein?
Wie harmonisch werden die nächsten fünf Jahre im Schloss und im gesamten Bad Bergzaberner Land wohl sein?

Die Wahl hat den Verbandsgemeinderat Bad Bergzabern nicht auf Links gedreht. Vieles bleibt, wie es war. Und doch hatte die erste Sitzung Bemerkenswertes zu bieten.

Es ist der erste Eindruck, der zählt. In vielen Fällen bleibt er haften und ist nur schwer zu revidieren. Das bestätigen wissenschaftliche Studien. So gibt es in der Psychologie den Primäreffekt, der beschreibt, dass sich Menschen an die ersten Informationen zu einem Thema oder einer Person besser erinnern als an spätere. Die Werbeindustrie nutzt dieses Phänomen gerne aus. Produkte, seien sie auch noch so ungesund oder gefährlich, werden ganz offensiv mit einer positiven Botschaft vermarktet. Und wie wir alle aus eigener Erfahrung wissen: Das funktioniert oft ganz gut. Insofern darf man durchaus hoffnungsfroh auf die kommenden fünf Jahre blicken, wenn es um den Verbandsgemeinderat Bad Bergzabern geht.

Der kam am Dienstagabend in Oberhausen zum ersten Mal in neuer Konstellation zusammen. Und der erste Eindruck, den vor allem CDU und SPD hinterlassen haben, ist sehr positiv. Die beiden mit jeweils zehn Sitzen größten Fraktionen präsentierten sich geradezu in Geberlaune. Kooperation statt Konfrontation, Offenheit statt parteipolitischer Verbohrtheit, waren die Signale, die ausgesandt wurden. Wie wohltuend!

Grüne und FDP dürfen doch mit am Tisch sitzen

Konkret geht es um die Besetzung der Ausschüsse. In denen spiegeln sich die Mehrheitsverhältnisse im Rat wider. Das heißt: Wer im Rat viele Mandate hat, der ist auch im Ausschuss stark vertreten. Das heißt aber auch: Kleine Fraktionen tauchen dort mitunter gar nicht auf. Zu letztgenannten Gruppen zählen sowohl die Grünen mit drei Mandaten als auch die FDP, die nur einen Vertreter im VG-Rat hat.

Im Werksausschuss sowie im Haupt- und Finanzausschuss (Hufi) ist dadurch eigentlich kein Platz für die Liberalen, im Rechnungsprüfungsausschuss teilen die Grünen dieses Schicksal mit ihnen. Wie das Wort „eigentlich“ schon vermuten lässt, sieht die Realität anders aus. Denn die beiden dürfen doch mit an den Tisch. Weil die Fraktionen von Christ- und Sozialdemokraten gleich groß sind, hätte das Los entscheiden müssen, wer von beiden im Werksausschuss und im Hufi einen Sitz mehr als der andere hat. CDU und SPD hatten sich aber im Vorfeld der Sitzung darauf geeinigt, auf das Glücksspiel zu verzichten und den Platz der FDP zu geben. Noch eine Spur großzügiger gaben sich Schwarz und Rot beim Rechnungsprüfungsausschuss. In dem verzichten beide auf sichere Sitze, um Grünen und FDP die Mitsprache zu ermöglichen.

Klemens Ott
Klemens Ott

Beigeordnete bleiben im Amt

Neben den Ausschüssen waren auch noch zwei Beigeordneten-Stellen zu vergeben. Unstrittig war, dass Klemens Ott (Grüne) weiter eine davon besetzen wird. Mit 27 Ja- und fünf Nein-Stimmen wurde er wiedergewählt. Er bleibt zuständig für die Schulen. Für Ott rückt Bernhard Mertel in den VG-Rat nach. Um den anderen Posten gab es ein Duell zwischen Amtsinhaber Hans-Peter Geiger (SPD) und Ann-Kathrin Butscher (CDU). Mit 21 zu elf Stimmen hatte Geiger klar die Nase vorne. Da spielte bei aller Harmonie die Parteipolitik insofern dann doch eine Rolle, als mindestens die FWG eher mit der SPD kooperiert als mit der CDU.

Und nun noch einmal zurück zum Primäreffekt. Der ist eine kognitive Verzerrung, eine fehlerhafte Wahrnehmung. Stark vereinfacht gesagt heißt das, dass eine Sache in Wirklichkeit gar nicht so gut ist, wie sie zunächst zu sein scheint. Weil aber der erste Eindruck stärker haften bleibt als all das, was danach kommt, will man das unbewusst nicht wahrhaben. Übertragen auf den VG-Rat Bad Bergzabern heißt das, dass wahrscheinlich doch nicht alles so schiedlich-friedlich ist. Klar ist aber auch – und das nährt die Hoffnung auf ein konstruktives Miteinander: Eine Arena für Hahnenkämpfe war das Gremium in den vergangenen Jahren mit Sicherheit nicht.

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