Kreis Südliche Weinstraße Verlobung am Rosenmontag
Beim Tanzen auf dem Rosenmontagsball im Jahre 1956 hat es zwischen Gertrud und Franz Hering erst einmal nicht gefunkt. „Erst etwas später“, erzählt Franz Hering, „als wir uns näher kennengelernt haben. Da hat sie mir sehr gut gefallen.“ Und im darauffolgenden Jahr, wieder auf dem Rosenmontagsball, gab es schon die Verlobung. Am 30. August des gleichen Jahres wurde schon geheiratet. Heute feiern sie in Blankenborn ihr 60. Ehejubiläum im Kreis der Familie.
1955 kam Franz Hering als Flüchtling aus Ungarn, geflüchtet vor den Russen, über einige Umwege nach Blankenborn. Als gelernter Molkereigeselle fand er in Bad Bergzabern in einer Molkerei gleich Arbeit. Nachdem er in Blankenborn ein Häuschen erworben hatte, mehr schlecht als recht anzuschauen, holte er seine Familie aus Ungarn nach. Um sich ein weiteres Standbein zu schaffen, hatte die Familie lange Jahre eine Schweinezucht und eine kleine Hühnerfarm. Die betrieb der Vater von Franz. Bald gab es die erste Tiefkühltruhe im Ort, um das Fleischsortiment für die Metzgereien im Ort frisch zu halten. Da kam manch Blankenborner nur vorbei, um sich das „Ding“ mal anzuschauen. Gertrud Hering, geborene Mertz, stammt aus der Steinfelder Straße in Bad Bergzabern. Sie arbeitete lange Jahre in der Druckerei der Firma Pfeiffer und Wessbecher. Nachdem das zweite Kennenlernen schon besser funktionierte, ließ Franz seine Gertrud auch nicht mehr aus den Augen. Regelmäßig holte er sie mit seiner BMW 250 zu Ausflügen ab. Geheiratet wurde am einem sonnigen Tag, so erinnert sich Gertrud Hering, in der katholischen Kirche. Ihr Bräutigam holte sie am Elternhaus mit seinem eigenen Wagen ab. Franz Hering hatte das erste Auto in Blankenborn: einen Ford Taunus. Gefeiert wurde im Elternhaus von Gertrud. An das Hochzeitsessen können sich die Ehe-Jubilare noch genau erinnern. Franz Hering erzählt: „Da wir ja einen Schweinezuchtbetrieb hatten, gab es Rollbraten und Schnitzel.“ Danach zog das junge Paar zu Franz’ Eltern nach Blankenborn. Zwei Zimmer, Küche und Schlafzimmer konnten sie damals ihr eigen nennen. 1958 kam Tochter Angelika auf die Welt, 1959 Sohn Ulrich. Der Platz wurde noch enger, sodass Franz 1965 anbaute. Die Töchter Karin und Jutta kamen 1966 beziehungsweise 1973 zur Welt. Mit 58 Jahre ging Franz Hering in den Vorruhestand und konnte so viel Zeit mit seiner Familie verbringen. Eine wertvolle Zeit, wie er sagt, denn: „In der Molkerei musste ich drei Schichten arbeiten. Da hatte ich für meine Kinder sehr wenig Zeit.“ Auch als Eisenflechter und später Arbeiter bei Mercedes fehlte die Zeit. Da blieben nur die Wochenenden für Ausflüge. Einige Zeit war er Feuerwehrkommandant in Blankenborn sowie im Gemeinde- und Kirchenrat tätig. Heute lassen es die 82-jährige Gertrud und der 87-jährige Franz ruhig angehen. Einmal im Monat ist Kirche in Blankenborn und anschließend gemeinsamer Stammtisch, auf den sich das Ehepaar immer sehr freut. Den großen Garten hat Gertrud mittlerweile aufgegeben. Nur von ihrem kleinen Blumengarten kann sie sich nicht trennen. Franz liest mit Vorliebe Fernsehzeitschriften.