Kreis Südliche Weinstraße „Völlig unnötig“

91-75123019.jpg

„Alle schriftlich eingereichten Gründe wurden abgetan, Alternativen nicht geprüft“, lautet die Kritik von Heidi Hussong-Braun, Gemeinderätin in Vorderweidenthal. Sie meint – auch ihre – Bedenken gegen den Bau einer gemeindeeigenen Halle im Neubaugebiet, den sie nicht verstehen kann. Weil die Gemeinde schon eine Halle hat, sagt sie. Sie hat rechtlichen Beistand in Anspruch genommen und behält sich vor, die Kommunalaufsicht einzuschalten.

Es ist ein mehrfacher Zwiespalt, in dem sich Hussong-Braun, die seit mehr als 20 Jahren dem Gemeinderat angehört, befindet und den sie, trotz emotionaler Beteiligung, trennen will. Ihr Mann ist Gemeindearbeiter in Vorderweidenthal. Ihr Sohn und seine Lebensgefährtin wollen auf einem Baugrundstück unmittelbar an der geplanten Halle, das sie vor vielen Jahren im Neubaugebiet „In den Pitzenäckern“ erworben hat, ein Wohnhaus bauen. Mit sechs Ja- bei zwei Neinstimmen hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung den Bau einer gemeindeeigenen Halle im Neubaugebiet „In den Pitzenäckern“ beschlossen (die RHEINPFALZ berichtete am 20. November). Dazu musste der Bebauungsplan geändert werden, der auf dem rund 500 Quadratmeter großen Gelände im Neubaugebiet, das noch Grünfläche ist, jetzt den Bau einer Halle vorsieht. Die drei teils ausführlich formulierten Einsprüche wurden in der Sitzung verlesen. Geplant ist ein Gebäude von rund 170 Quadratmetern, um den gemeindeeigenen Traktor, Anhänger und diverse Gerätschaften unterzubringen. Bis dato waren diese in einer Garage im gemeindeeigenen Gebäude Lindelbrunnstraße 7 untergebracht, das in diesem Jahr verkauft wurde. Einen Plan und eine Kostenschätzung für die neue Halle gibt es noch nicht. „Völlig unnötig“, findet Heidi Hussong-Braun eine neue Halle aus vielen Gründen, besonders hervorheben will sie aber einen: Die Gemeinde besitzt eine Halle, den sogenannten „Dreschschopp“ am Ortsausgang in Richtung Erlenbach. Das Gebäude sei rund 170 Quadratmeter groß, habe Stromanschluss, ein Wasseranschluss sei nicht schwierig zu installieren und vor allem bestünde eine gute Wendemöglichkeit für den Traktor mit Hänger, argumentiert die Gemeinderätin. Diese Wendemöglichkeit sei im Neubaugebiet nicht gegeben. Zurzeit sei der „Dreschschopp“ mit Materialien der örtlichen Vereine gefüllt, die aber problemlos weiter dort gelagert werden könnten, wenn aufgeräumt würde. „Die vorhandene Halle außerhalb der Ortslage ist belegt, verfügt über keinerlei Erschließung wie Wasser oder Strom, und zusätzlich wurde dort bereits eingebrochen“, ist der Beschluss des Gemeinderates in der Sitzungsvorlage unter anderem begründet. „Die Zu- und Abfahrt zu der geplanten Halle muss entweder rückwärts erfolgen oder mit mehreren Rangiermanövern bewerkstelligt werden“, ist ein weiteres Argument von Hussong-Braun. Zudem sei das Gelände aufgeschüttet und deshalb für eine Bebauung nicht geeignet. Angesichts von drei gemeindeeigenen Gebäuden, die alle stark renovierungsbedürftig sind, ist es in ihren Augen „unnötig“, Geld für eine neue Halle auszugeben. Zudem, so die Einschätzung von Heidi Hussong-Braun, seien trotz gegenteiliger Abstimmung nicht alle Gemeinderatsmitglieder für den Bau. Viele Bürger stünden ebenfalls nicht hinter diesem Beschluss. Ihr Sohn Matthias Braun und seine Lebensgefährtin Sarah Doll haben vor, auf dem Nachbargrundstück der geplanten Halle, das Heidi Hussong-Braun gehört, zu bauen. „Wir planen seit drei Jahren, das Holz für das Haus haben wir im Wald in Vorderweidenthal geschlagen“, erzählt Doll. Auf einer Terrasse mit Blick auf eine Halle zu sitzen, könne sie sich nicht vorstellen. Zum Zeitpunkt der Bauentscheidung sei dies auch kein Thema gewesen. Wie es jetzt weitergehen soll, steht für das Paar in den Sternen. (pfn)

x