SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Unternehmen im Kreis SÜW: Stimmung eingetrübt

Die Wirtschaftsförderung SÜW wäre froh, wenn das Angebot an verfügbaren Gewerbeflächen in der Region größer wäre.
Die Wirtschaftsförderung SÜW wäre froh, wenn das Angebot an verfügbaren Gewerbeflächen in der Region größer wäre.

Die Stimmung unter den Unternehmern im Landkreis Südliche Weinstraße ist eingetrübt. Weiteres Ungemach könnte durch die Rückforderung von Corona-Hilfen drohen.

Wie geht es zurück auf den Wachstumspfad? Den Flaschenhals für eine positive Entwicklung sehen viele Unternehmer im Landkreis Südliche Weinstraße in dem Punkt Arbeitskräftemangel. Denn hier zeigt sich eine große Verunsicherung über die weitere Entwicklung, berichtet der Wirtschaftsförderer des SÜW-Kreises, Uwe König. Er muss stets am Ball bleiben, um zu wissen, wie es um die Unternehmen in der Region bestellt ist. Das Stimmungsbild, das er sich einstweilen gemacht hat, hat er unlängst in seinem Arbeitsbericht dem Kreistag dargelegt.

Ein zentrales Anliegen des Wirtschaftsförderers ist die Entwicklung der Industrie- und Gewerbeflächen im Landkreis. „Hier sind wir nicht ideal aufgestellt“, bemerkte König in seinem Bericht und ließ die Erklärung für diese Aussage gleich folgen. Diese lässt den Schluss zu, dass die Lage verzwickt ist. Trotz der zuletzt schwierigen, krisenbehafteten Geschäftsjahre „gab und gibt es immer wieder Anfragen nach Gewerbeflächen“ in einigen Teilen des Landkreises SÜW, die jedoch nicht oder nur sehr eingeschränkt bedient werden könnten, da keine Flächen verfügbar sind, stellt der Wirtschaftsförderer fest.

Mangelnde Abgabebereitschaft

König führte als Gründe dafür an, dass dies – etwa im Gewerbegebiet Edenkoben-Venningen – unter anderem auch an der mangelnden Abgabebereitschaft der derzeitigen Grundstückseigentümer liege. Positiv sei unterdessen, dass in Offenbach, westlich angrenzend an die dort bereits vollständig vermarkteten Flächen im „Interpark“-Gebiet, die Baufreigabe für das neue Gewerbegebiet „Niedersand“ nun erfolge. Die Flächen seien zwischenzeitlich zu großen Teilen an Betriebe unterschiedlichster Branchen und Größen vermarktet. Auch die Flächen im Gewerbe- und Handwerkerhof in Herxheim seien gut vermietet. In den Verbandsgemeinden Annweiler und Bad Bergzabern seien die Gewerbeflächen ausgereizt. Nicht unerwähnt ließ der Wirtschaftsförderer in seinem Bericht, dass sich die Breitbandanbindungen in den bestehenden Gewerbegebieten weiter verbessern müssen.

Insgesamt ist die derzeitige Stimmung der Unternehmen an der Südlichen Weinstraße nach Angaben des Wirtschaftsförderers wie in vielen anderen Ecken Deutschlands eingetrübt. Viele Firmen beklagen die hohen Energiepreise, den Bürokratiedschungel, den Fachkräftemangel und eine rückläufige Konsumnachfrage. Deutlich wird dies bundesweit auch daran, dass viele wichtige Konjunkturdaten wie etwa der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die kommende Geschäftslage abbildet, nach unten weisen und infolgedessen die wirtschaftliche Dynamik fehlt. Bei dieser mäßigen Aussicht sei die Bestandspflege der bereits ansässigen Unternehmen in der Region ein besonderes Anliegen, so König.

Der Wirtschaftsförderer warf auch einen Blick zurück und rief ins Gedächtnis, dass die vergangenen Jahre nicht leicht waren: Die Jahre 2020 und 2021 seien stark durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt gewesen. Als Folge des Ukraine-Kriegs seien im vergangenen Jahr die Energiekrise, die hohe Inflation und Lieferengpässe zum Problem geworden.

Droht erneut Finanznot?

Zur Abmilderung der finanziellen Auswirkungen der Pandemie, so König weiter, seien verschiedene Hilfs- und Unterstützungsprogramme aufgelegt worden. Seinen Angaben nach wurden bis Ende des Jahres 2022 für den Landkreis SÜW insgesamt 5075 Anträge bewilligt und Coronahilfen von rund 72,3 Millionen Euro ausbezahlt. Rückforderungen aus entsprechenden Prüfungen seien nicht berücksichtigt.

An diesem Punkt wiederum sieht die SPD-Kreistagsfraktion ein Riesenproblem erwachsen. Sie befürchtet, dass Unternehmer von der Finanznot wieder eingeholt und vor neue existenzielle Probleme gestellt werden könnten. „Diese Rückforderungen werden viele hart, sehr hart treffen. Insbesondere Einzelhändler“, heißt es in der Stellungnahme der SPD. Mögliche Rückforderungen, aktuell sei die Soforthilfe des Bundes in der Prüfungsphase, treffe die Händler in Zeiten von Umsatzeinbrüchen und gestiegenen Ausgaben hart. Wolle die Wirtschaftsförderungsgesellschaft ihrem Anspruch aus ihrem Namen (Mittelstandsberatungs- und Betreuungsgesellschaft Südliche Weinstraße) gerecht werden, dann sei hier ein dringender Unterstützungsbedarf nötig, nimmt die SPD, die Bundeskanzler und Ministerpräsidentin stellt, die Wirtschaftsförderung des Kreises in die Pflicht.

Schlussendlich hatte König auch noch mal „Positives“ zu vermelden. Ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Situation der Unternehmen ist auch immer die Entwicklung der Insolvenzen. Bei der Anzahl der Unternehmensinsolvenzen (es waren 2022 im Kreis SÜW 11, 2021 noch 17) stehe der Landkreis SÜW im Vergleich zur Entwicklung der Nachbarkreise Germersheim (14/18) und Südwestpfalz (11/11) sowie im gesamten Bundesland Rheinland-Pfalz (596/684) gut da – gemessen an der Anzahl der vorhandenen Unternehmen.

Nach Auskunft der Kreisverwaltung SÜW gab es im Landkreis Südliche Weinstraße zum Ende des dritten Quartals 2022 (neuester verfügbarer Stand) 4743 Unternehmen, im Kreis Germersheim waren es zu diesem Zeitpunkt 5000 und im Kreis Südwestpfalz 3503.

Info

Weitere Informationen zur Wirtschaftsförderung Südpfalz gibt es im Internet unter www.suedpfalz.de

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