Bad Bergzabern
Ukrainische Äbtissin berichtet vom Leben im Krieg
Mutter Seraphima ist Äbtissin des großen Klosters „Vom Erzengel Michael“, das im Hafengebiet von Odessa steht. Und das auch Pfarrer i.R. Rudi Job aus Bad Bergzabern kennt. Er war in Friedenszeiten schon mehrmals dort. Seit mehr als 30 Jahren engagiert er sich im Arbeitskreis Ukraine-Pfalz der evangelischen Kirche. Der Arbeitskreis unterstützt die Ukraine mit Hilfsgütern, mit dem Engagement für finanzielle Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter und Vielem anderen. Die Äbtissin wird begleitet von ihrer Mitarbeiterin Inna, Tatyana, der Leiterin einer Kita in Odessa mit 300 Kindern und der Sozialarbeiterin Irina. Die Frauen sind von Moldawien nach Frankfurt geflogen.
„Das Kloster besteht seit 1828“, erzählt Schwester Seraphima, die 100 Nonnen vorsteht. Seit Mai diesen Jahres ist ihr Kloster nicht mehr russisch-orthodox, sondern ukrainisch-orthodox. „Diese Trennung hat der Krieg ausgelöst“, so die Äbtissin, die seit 1991 in Odessa lebt. Die ukrainisch-orthodoxe Landeskirche wurde 2018 gegründet. An das Kloster angegliedert ist das „Haus der Barmherzigkeit“ ein Pflege- und Altenheim mit 150 Bewohnern, das von den Nonnen und von Ehrenamtlichen betrieben wird. Zudem bekomme jeder Hilfe, der sie benötige, so die Äbtissin.
In der Kita sind keine Kinder mehr
„Jeden Tag ist Alarm, der Strom ist weg, damit die Russen kein Licht sehen, wir haben kein Wasser, aber der größte Schmerz sind die toten Kinder“, erzählt Tatyana. In ihrer Kita sind keine Kinder mehr, sie bleiben zuhause, die Einwohner müssten viel Zeit in Bunkern verbringen, in der Kita werde jetzt unter anderem für die Soldaten gekocht, erzählen die Frauen. „Wir haben versucht uns an den Beschuss zu gewöhnen, aber es ist sehr schwer, ständig ist Luftalarm, aber Odessa unterstützt die ukrainische Armee sehr stark“, erzählen sie aus dem Alltag. Zudem gebe es kaum Obst und Gemüse, das in Friedenszeiten aus der Umgebung von Cherson komme.
Übersetzerin des Gesprächs ist Hanna Underberg. „Sie ist seit 1981 die gute Seele der Friedenskirche in Kaiserslautern und auch im Arbeitskreis Ukraine-Pfalz“, erzählt Rudi Job. In Bad Bergzabern wollen die Frauen im Haus der Familie Danke sagen für die Hilfe. Auch mit einer Ikone, die im Kloster in der Schule für Ikonenmalerei und Goldstickerei, der einzigen in der Ukraine, hergestellt wurde. Das Haus der Familie bietet allen Geflüchteten, auch denen aus der Ukraine, Hilfe an. Mit Rat und Tat, auch mit der Nutzung der Kleiderkammer oder des Möbellagers. „Mein tief empfundener Wunsch auch im Gebet ist Frieden“, sagt Dekan Dietmar Zoller beim Besuch der Äbtissin. Er freue sich über den kleinen Teil humanitärer und mit Unterstützung der Katastrophenhilfe der Diakonie finanzieller Unterstützung, den das Haus der Familie habe leisten können. „Wir fühlen uns geehrt, dass unsere Arbeit für die Geflüchteten, auch für die ukrainischen, wertgeschätzt wird“, sagt Helga Schreieck, die Leiterin des Hauses der Familie. Auch für Stadtbürgermeister Hermann Augspurger war das Treffen mit einer hochrangigen Vertreterin der ukrainisch-orthodoxen Kirche nicht alltäglich. „Es war interessant, von Menschen vor Ort zu erfahren, wie die Situation ist, die sich hier keiner vorstellen kann“, so Augspurger.
Für den Frieden zu beten, ist für die tiefgläubige Äbtissin selbstverständlich. Auch beim großen Friedensgebet in Kaiserslautern in der vergangenen Woche. Aber sie hat auch Angst, dass Russland weitere Länder angreifen könnte und diese zur „russischen Welt“ werden wie sie sagt. Die Ukraine brauche mehr Waffen, ist ihre Forderung. „Es geht nicht anders“, sagt auch Rudi Job, der es sich anders gewünscht hätte.