Interview
Tipps für ein friedliches Weihnachtsfest
Herr Rohmfeld, an welche kuriosen Ereignisse an Weihnachten können Sie sich erinnern?
Als Kind hatte ich mit meiner Familie an Heiligabend einen Spaziergang unternommen. Als ich damals zurückkehrte, sah ich im Wohnzimmer ein Licht brennen. Da war ich felsenfest davon überzeugt, das Christkind zu sehen. Dieses Erlebnis fällt mir spontan ein. Eine andere, eher unschöne Erinnerung ist, dass ich als Jugendlicher mal mit meinem Bruder am Nachmittag vor Heiligabend noch Schlittschuh fahren war. Wir haben uns etwas verspätet, weshalb es dann Ärger mit meinem Vater gab.
Steigt gerade an Heiligabend die Gefahr für familiäre Konflikte?
Ja, durchaus. Weihnachten ist ein familiäres und emotionales Fest. Schon als Kind hat man hohe Erwartungen an das Fest, an die Geschenke, an den familiären Zusammenhalt und an das Essen. Dass ich als Kind dachte, das Christkind gesehen zu haben, ist ein Beleg dafür, wie hoch die Erwartungen sind. Werden diese nicht erfüllt, kann es Probleme oder Krisen geben. Es kann sein, dass man dadurch empfindsam verletzt wird. Das kann dann negative Emotionen verursachen.
Wie kann dem entgegengewirkt werden? Gibt es Themen, die man an diesem besonderen Abend am Essenstisch vermeiden sollte?
An Heiligabend wäre es sinnvoll, nicht über Probleme zu sprechen. Vor allem brisante Themen sollten dann eher nicht besprochen werden. Man sollte sich eher dem Fest zuwenden, den Kindern Aufmerksamkeit schenken, um für eine gute, angenehme Atmosphäre zu sorgen.
Doch gerade in Zeiten von Corona kann es zu mehr Konflikten kommen, oder?
In der Tat kann Corona Probleme erst entstehen lassen oder bestehende Konflikte verschärfen, weil sich durch die Pandemie die Lebenssituation verändert haben könnte, indem man beispielsweise seinen Job verloren hat und dadurch in eine schwierige Lebenslage geraten ist. Corona kann auch wie ein Brennglas wirken, wenn Partnerschaften beziehungsweise Familien länger aufeinandersitzen und dadurch ihnen Probleme erst bewusst werden. Darüber hinaus kann die Familie wegen der Corona-Beschränkungen gespalten sein. Diese möglichen Konflikte können dann nur schwer ausgeblendet werden, sodass sie sich eher zu den emotionalen Anspannungen dazugesellen könnten, welche es an Weihnachten ohnehin immer geben kann. Es bietet sich daher an, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, wie man einen möglichen Streit vermeiden kann.
Was kann man denn dagegen tun, wie reagiert man?
Indem man den Dingen nach Möglichkeit mit Gelassenheit begegnet. Es kann ratsam sein, die Erwartungen an dieses Fest etwas zurückzuschrauben, um eine Anspannung gar nicht erst entstehen zu lassen.
Wenn gerade dicke Luft herrscht: Gibt es spezielle Tricks, um sich abzureagieren?
Es gibt Achtsamkeitsübungen, die trainiert werden können. Man achtet dann auf die eigene Atmung, indem man den Atemfluss beim Ein- und Ausatmen beobachtet. Man versucht dabei, im Hier und Jetzt zu bleiben. Immer, wenn man merkt, die Gedanken schweifen ab, sollte man auf das zurückkommen, worauf man sich konzentriert, eben auf die Atmung. Das kann helfen, sich von negativen Emotionen zu distanzieren.
Wenn der Ärger aber sehr groß ist, man vielleicht gar nicht daran denkt, sich auf die Atmung zu konzentrieren: Gibt es auch andere, banale Methoden?
Die gibt es. Man kann die Situation verlassen und sich ablenken, zum Beispiel rausgehen, frische Luft schnappen oder etwas machen, das die Aufmerksamkeit bindet. Oder ein bewusstes tiefes Ein- und Ausatmen. Dies verlangsamt die Atmung und führt zu einer Beruhigung wichtiger Hirnregionen wie der Amygdala, die dann wiederum weniger Adrenalin ausschüttet. Egal wie man sich regulieren möchte, ist es sinnvoll, die Techniken vorher auszuprobieren und eventuell auch einzuüben.
Was kann man tun, wenn ein Streit ausartet, gar zu einer körperlichen Auseinandersetzung führt?
Wenn es akut ist, sollte die Polizei verständigt werden. Danach gibt es verschiedene Anlaufstellen wie den Weißen Ring oder unsere Traumaambulanz in Landau, die dann weiterhelfen oder vermitteln können.
Zur Person
Robert Rohmfeld ist 59 Jahre alt und Vater eines Sohnes. Als promovierter Psychotherapeut leitet er die Tagesklinik und das Regionale Psychosomatische Zentrum in Landau.