Kirrweiler
Telefonbetrüger: Die miese Masche des falschen Kommissars
Zugegeben, es dauert ein kleines Weilchen, bis bei mir alle Alarmglocken schrillen, als sich ein Ben Eisberg am späten Vormittag telefonisch bei mir gemeldet hat und sich als Ermittler „in der Sonderkommission KK4“ beim Landeskriminalamt Mannheim vorstellt. Ob ich denn mitbekommen hätte, dass es heute in meiner Straße einen Polizeieinsatz gegeben habe? Ich verneine. Die Polizei benötige die Mithilfe der Anwohner bei den Ermittlungen der „eigens vor drei Wochen eingerichteten Sonderkommission“. Aha, Zeugen gesucht; oder so. Noch bin ich willig.
Es seien zwei Rumänen festgenommen worden, Mitglieder einer Bande von mindestens 35 Mittätern, und man habe sie beim Einbruch in die Wohnung einer älteren Dame überrascht, klärt der Anrufer mit leichtem Eifel- oder Süd-NRW-Akzent weiter auf. An dieser Stelle werde ich hellhörig, denn in unserer kleinen Ortsrandstraße gibt es außer meinen Vermietern und mir ausschließlich junge Familien.
Frage nach dem Sparbuch
Aber das beflügelt auch meine Neugier. Und so lasse ich die Stimme am anderen Ende der Leitung weiter vortragen. Bei der Festnahme habe man verschiedene Beweismaterialien sichergestellt. Unter anderem seien auch Kontoverbindungen von mir, Gerda Pohlit, auf zwei Schriftstücken aufgetaucht, ebenso der Hinweis, dass ich über ein Sparvermögen über 100.000 Euro verfüge. An der Stelle entfährt mir ein „schön wär’s!“.
Man ermittle inzwischen auch gegen einen Angestellten „Ihrer Bank“, der Kontoverbindungen an dubiose Stellen weitergegeben haben soll. Dessen Name sei Grün. „Und nun, Frau Pohlit, benötigen wir dringend Ihre Mithilfe, schon um Sie schützen zu können. Sie müssten mir nun mitteilen, über welche Summe Sie tatsächlich verfügen. Denn die Höhe Ihres Vermögens bestimmt die Maßnahmen, die wir zu Ihrem Schutz ergreifen.“
Mir bleibt eben mal die Luft weg, aber nur kurz. Ich antworte in betont sachlicher Manier, telefonische Auskünfte dieser Art nicht zu geben und schlage vor, dass er vorbeikommen und sich mit Polizeimarke ausweisen könne; dann sei ich kooperativ. Daraufhin meine er, könne er nicht, weil „verdeckter Ermittler“, und ich solle ihm gefälligst nicht seinen Beruf erklären. Er spreche mit mir über eine „absolut abgesicherte Leitung, Polizei-High-Tech“. Natürlich verstehe er meine Bedenken, daher verbinde er mich gerne auch noch mit der Notrufzentrale Mannheim; die würden mir seine Identität bestätigen.
Opfer wird unter Druck gesetzt
Kurzes Pausenzeichen – „Notrufzentrale, was kann ich für Sie tun?“. Anstelle einer Nummer erscheint im Display, wie schon zuvor, „Anonym“. Ich frage nach Ben Eisberg, die Stimme, die der des ersten Anrufers verdammt ähnelt, bestätigt mir: Hoher Beamter, Sonderkommission, Chef. Und verbindet mich zurück. Die Höhe meiner Spareinlagen gebe ich trotzdem nicht preis. Herr Eisberg wird postwendend zum Vulkan, droht mit der „Schließung meiner Akte“, die dann auch bei Geldverlust nicht wieder geöffnet werde, da hätte ich halt Pech gehabt, wenn ich jetzt nicht mitmache. Und überhaupt, wieso ich so störrisch sei und was ich für ein staatsbürgerliches Verständnis habe, hier die Ermittlungen zu behindern. Jetzt habe ich ein bisschen Blut geleckt, und kontere, dass er mir als Polizisten-Tochter so einen Quatsch nicht weismachen könne.
Damit habe ich das Gespräch endgültig gedreht. Ich schlage vor, er möge mir zu meiner Sicherheit eine E-Mail von seiner Dienststelle schicken, die ich dann kurz bestätige. „Dann können wir über weitere Auskünfte reden.“ Jetzt flippt er langsam aus. Das müsse er mit der Staatsanwaltschaft abklären, schließlich ermittle er ja als Undercover, und überhaupt, sowas Verbohrtes habe er noch nie erlebt. Aber er werde es versuchen. Indes solle ich ihm jetzt doch endlich die gewünschte Auskunft über mein Guthaben geben. Ich antworte nochmals, dass ich telefonische Auskünfte nicht erteile. Da legt er auf. 15 Minuten hat das Gespräch immerhin gedauert.
Polizei hat wenig Hoffnung
Die Beamtin bei der Polizeidienststelle Edenkoben, die ich anschließend zwecks Anzeige gegen Unbekannt aufsuche, notiert alles geflissentlich, lobt mich für meine Reaktion, macht aber wenig Hoffnung auf Ergreifung der Täter, zumal die Staatsanwaltschaft erst bei Schädigung ermittelt. Meist werde aus dem Ausland angerufen. Dennoch sei man für Hinweise dankbar, da die Masche immer noch bei vielen älteren Menschen greift.
