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Tanja Hellmann: „Es ist wie eine Sucht“
Die Frau powert weiter. „Ich kann einfach nicht auf das Training verzichten, es ist wie ein Sucht“, sagt Tanja Hellmann, die Mutter von Emil (dreieinhalb Jahre) und Oskar (elf Monate), über sich als Läuferin und Vereinstrainerin. Mit zwei anderen Powerfrauen kann die 31-Jährige künftig um Mannschaftsmeistertitel über zehn Kilometer und im Cross konkurrieren: Natascha Hartl (34) und Eszter Varga (41) haben sich ihr bei der LG Rülzheim angeschlossen.
Die Frankenthalerin Varga will am Sonntag den Bienwaldmarathon in drei Stunden laufen. Schafft sie das, ist sie eventuell Pfalzmeisterin. Hellmann entscheidet spontan, ob sie in Kandel den Halbmarathon angeht. Die Kaiserslautererin Hartl trainiert zwar längere Strecken, läuft bis heute aber lieber kürzere Volksläufe. Zusammen sind sie ein Trio, das in der Südpfalz seinesgleichen sucht. Und hin und wieder zusammen trainieren will.
Marathon in Tel Aviv
Hellmann ist 2017 in Tel Aviv ihren ersten Marathon in 2:51 Stunden gelaufen. Drei Wochen vorher war sie vom Organisationsteam eingeladen worden, das ihr den Aufenthalt finanzierte. Mit zwei Lehrern und einem Mitschüler war sie 2009 im Land unterwegs gewesen. 2010 war sie zum Schüleraustausch dort. Israel ist ihr Lieblingsland geworden. Am Montag war sie wieder im Hebräisch-Kurs an der Volkshochschule in Karlsruhe. Viele Kurse hat sie schon besucht, viele hebräische Bücher gelesen. Einen beruflichen Hintergrund hat das nicht. Hellmann, die 2015 in Cardiff ein dreisprachiges Management-Studium abschloss (Englisch, Französisch, Spanisch), arbeitet in einem Softwareunternehmen in Kandel, das keine Beziehungen zu Israel unterhält.
„Ich hoffe, dass sie mich noch einmal einladen“, sagt sie mit der Erinnerung an den Marathon in Tel Aviv. Hellmann will immer Bestzeiten laufen. Jeweils vier Monate nach den Geburten lief sie zehn Kilometer in 38 Minuten. Sie trainiert jeden Tag bis zu zwei Stunden. Gerade viele Tempoläufe, am Freitag einen Tempodauerlauf. Ist die Gruppe jüngerer Sportler da, die sie trainiert, nimmt sie sich einen 1000-Meter-Tempolauf vor, während die anderen 400 Meter angehen. Mit Koordinations-, Kraft- und Techniktraining kommen dreimal in der Woche noch mal zwei Stunden zu ihrem Pensum dazu.
Kurze Nächte
Wie schafft sie das? „Es wird schwieriger“, sagt sie. Die Nächte sind kurz in Mutterschutzzeiten. Ihr Großer geht in den Kindergarten. Den Kleinen nimmt sie im Babyjogger mit. Oder sie lässt beide sich im geschlossenen Stadion austoben. Ihre Eltern und ihre Schwestern Luisa und Leonie Grießbaum helfen ihr als Babysitter.
Hellmann wollte im Mai den Halbmarathon in Mannheim bestreiten, der Dämmer-Marathon wurde jedoch wegen der Bundesgartenschau abgesagt. Gerade hat sie immer wieder mit Erkältungen zu kämpfen, die Emil nach Hause bringt. „Wenn, dann will ich den Halbmarathon nicht schlecht laufen“, sagt sie über die Aussichten, sie in Kandel anzutreffen. Bis gestern hatten 1372 Leute für den Halbmarathon und 503 für den Marathon gemeldet. Nicht schlecht heißt für Hellmann: ein Schnitt unter vier Minuten für den Kilometer. Im vergangenen Jahr lief sie in Karlsruhe 1:24:48 Stunden. Im September will sie in Karlsruhe einen Rekordversuch im Marathon wagen.