Kreis Südliche Weinstraße Streicheleinheiten für die „Piep-Piep“

Ganz nah dran am Leben auf dem Land waren am Montag 20 Kinder der ersten Klasse der Klingbachschule Billigheim-Ingenheim auf dem Bauernhof der Familie Würtz in Dierbach. Sie durften nach Weisung von Besitzerin Silke Würtz die Tiere auf dem Bauernhof beobachten, vorsichtig streicheln oder füttern. Dieser Tages-ausflug stand ganz unter dem Motto „Lernort: Bauernhof“.
Seit 2013 ist der Bauernhof Würtz als „Lernort: Bauernhof“ vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung zertifiziert und anerkannt. Auf dem Hof können Kinder vom Vorschulalter bis zur weiterbildenden Schule einen Tag Natur pur erleben. Das Ehepaar Würtz bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, alles „rund um den Bauernhof“ zu erleben und auch selbst tatkräftig mitzuhelfen. Hier haben Jugendliche die Möglichkeit „mit allen Sinnen“ zu erfahren, wie zum Beispiel Lebensmittel produziert und verarbeitet werden. Der Ausflug auf den Bauernhof dient auch zur Förderung motorischer und sozialer Fähigkeiten. Für die Klingbach-Schüler steht zuerst einmal ein selbstproduzierter Durstlöscher als Willkommenstrunk auf dem Programm. Frisch gestärkt ging es zu den von den Kindern „Piep-Piep“ genannten kleine Küken einer Henne. Die hat ein wachsames Auge auf ihren Nachwuchs. Trotzdem lässt sie viele Streicheleinheiten der Kinder für ihre Kleinen zu. Gleich hinter der Scheune warten schon die Ziegen und Hühner in einem freien Gelände auf die Erstklässer. Die Kinder versammeln sich im Sitzkreis zwischen den Hühner und Bäuerin Silke Würtz erklärt: „Wir teilen die Gruppe. Ein Teil fährt mit meinem Mann Bernhard auf dem Traktor aufs Feld zu den Schafen und Schweinen.“ Viel Brot und Kartoffeln muss da für die Fütterung von den Kindern gerichtet werden. Dann geht es los. Während der Traktor-Fahrt sieht man nur strahlende Kindergesichter. Zuhause begutachtet der andere Teil der Gruppe das Essen für die Hühner. Lehrerin Angelika Schäfer erklärt zusammen mit Silke Würtz, wie man am besten ein Huhn auf den Arm nehmen kann, ohne gleich ein wildes Geschrei auszulösen. Alle hören aufmerksam zu. Oskar, sechs Jahre alt, probiert es. Fazit des jungen Mannes: „Also, das Huhn mag auf den Arm genommen werden. Sein Herz schlägt ganz normal. Das freut mich.“ Mary-Juanna ist zum ersten Mal auf einem „richtigen Bauernhof“, wie sie erzählt: „Es ist so aufregend. Man darf die Tiere streicheln und füttern. Ich finde es klasse hier.“ Brian, eigentlich das lebhafteste Kind in der Klasse, war sehr schüchtern und auch ein wenig ängstlich am Anfang. Ganz im Vertrauen flüsterte er seiner Lehrerin ins Ohr: „Gell, ich will kein wildes Tier auf den Arm nehmen.“ Doch seine Bedenken verflüchtigen sich im Nu. Huhn und Brian sind ein Herz und eine Seele. Da kann auch der kleine Junge ganz entspannt lächeln. Silke Würtz muss ebenfalls lächeln bei dem Anblick: „Genau diese Reaktion stelle ich bei den Kindern oft fest. Die Angespanntheit weicht einem ganz entspannten, natürlichen Umgang zwischen Kindern und Tieren. Das klappt immer ganz vorzüglich.“ Die Kinder fühlen sich wohl zwischen den Tieren. Doch jetzt geht ess ab in die Küche – Mittagessen vorbereiten: „Pellkartoffeln und weißer Käse“. Kartoffeln frisch vom Feld kommen in den Topf und einige Kinder rühren unter genauer Anweisung der Bäuerin den frischen Quark an. Danach gibt es Rührkuchen, frisch aus dem Ofen. Zubereitet mit Eiern von glücklichen Bauernhof-Hühnern. Eine kleine Überraschung hält Silke Würtz für die Kinder noch bereit: frische Butter stampfen. Das ist dann noch mal eine ganz neue Erfahrung. Die Butter wird nicht einfach aus dem Kühlschrank genommen, sondern produziert mit eigener Hände Arbeit. Unterstützt wird dieses Initiative seit Jahren von der Allianz-Umweltstiftung, die das Konzept „Lernort: Bauernhof“ anbietet und sich so für die Förderung und Entwicklung junger Menschen engagiert. (alve)