Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Streetbuddies sollen Verkehr vor Schule beruhigen

Schulleiterin Elke Grimminger (links), Beigeordneter Peter Grimm, Bauhofleiter Timmo Eckerle sowie Sachbearbeiter Michael Hafner
Schulleiterin Elke Grimminger (links), Beigeordneter Peter Grimm, Bauhofleiter Timmo Eckerle sowie Sachbearbeiter Michael Hafner vom Ordnungsamt bei der Standortbestimmung der Streetbuddies.

Bunte Figuren sollen Autofahrer in Annweiler künftig auf Kindergarten- und Schulkinder aufmerksam machen. Fünf solcher Warnfiguren will die Stadt vorerst aufstellen – nicht nur vor der Grundschule. Es gibt vor Ort jedoch noch andere Verkehrsprobleme.

Morgens hat es jeder eilig. Das haben Stadtbürgermeister Benjamin Seyfried und Grundschulleiterin Elke Grimminger gemerkt, als sie zusammen mit dem für Verkehr zuständigen Beigeordneten Peter Grimm und Michael Hafner, der in der Verbandsgemeinde für den Bereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig ist, die Verkehrssituation beobachtet haben. Wie Seyfried erklärt, soll der Schulweg für die „jüngsten und zugleich schwächsten Verkehrsteilnehmer“ sicherer gemacht werden. Unterstützung erhofft er sich dabei von sogenannten Streetbuddies. Die zirka einen Meter hohen Warnfiguren aus Plastik sollen die Aufmerksamkeit der Autofahrer erregen und diese zum Abbremsen bewegen.

Ein wichtiger Punkt, denn besonders in den frühen Morgenstunden ist die Verkehrssituation vor der Grundschule besorgniserregend: Autos, die zu schnell und oft auch zu nah am Gehweg fahren oder im ganzen Pulk direkt vor der Schule parken. Dabei kommt es sogar an diesem Morgen fast zu einem Unfall mit einem Bus, weil Autos die Straße blockieren.

Fest installierte Gehilfen

Die freundlich lächelnden Warnfiguren scheinen jedoch zu wirken. „Die Streetbuddies hatten tatsächlich schon einen kurzfristigen Effekt. Einige Leute haben sie gesehen und abgebremst“, sagt der Stadtbürgermeister. Vier von ihnen sollen nun fest vor der Schule installiert werden. „Nach einem halben Jahr werden wir sie dann wohl umplatzieren oder austauschen. So schaffen wir immer neue Anreize“, meint Hafner und lacht.

Durch eine private Spende konnte die Stadt die ersten fünf Buddies erwerben. Weitere sollen kommen. Diese werden laut Seyfried nach und nach im Bereich der Grundschule und an den Kindergärten aufgestellt. Er sei sich natürlich bewusst, dass die auffälligen Figuren ein leichtes Opfer für Vandalismus seien, dieses Risiko müsse man aber eingehen.

Vorsicht bei der Aufstellung

Institutionen und Privatmenschen, die einen Streetbuddy aufstellen möchten, rät Monika Gaß vom ADAC Pfalz auf Anfrage der RHEINPFALZ: „Es sollte in jedem Fall darauf geachtet werden, dass er kein Hindernis im Verkehrsraum darstellt.“ Fußgänger mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und auch Fahrradfahrende dürften durch die Aufsteller nicht behindert werden. Das könnte neue Probleme verursachen, meint der ADAC Pfalz.

Neben den Buddies sorge auch das Tempolimit von 30 auf der gesamten Straße für etwas Ruhe vor der Schule. „Aber hier herrscht den ganzen Tag Betrieb, und viele vergessen schnell, dass Kinder unterwegs sind“, weiß Beigeordneter Grimm. Wer seine Kinder mit dem Auto zur Schule bringen will, dem rät er, die Parallelstraße zur Schule zu nutzen. Dort könne man parken und die letzten Meter zu Fuß gehen.

Eltern sind das Problem

Was Grimmiger besonders ärgert: „Es sind keine Fremden, die die Verkehrsprobleme vor Ort verursachen – es sind die Eltern.“ Bereits seit Jahren versuche die Schule, die Erwachsenen zu sensibilisieren. Aktionen wie die Organisation von Eltern-Taxis oder ein Projekt der Viertklässler, bei dem die Kinder „Knöllchen“ an Falschparker und Raser vor der Schule verteilt haben, hätten bisher immer nur punktuell Erfolge erzielt.

Bis 2018 hatte der ADAC außerdem jedes Jahr Warnwesten an Erstklässler verteilt. Laut Gaß hat die ADAC_Stiftung ihre Projekte im Förderschwerpunkt Unfallprävention jedoch neu ausgerichtet und die Maßnahme deshalb eingestellt. Nach Angaben der Jugendverkehrsschule ist die Tragequote solcher Westen sowieso sehr gering. Das bestätigt auch Schulleiterin Grimmiger: „Am Anfang tragen sie die Kinder noch, dann werden sie irgendwann uncool und liegen im Schrank.“

Verhelfen Streetbuddies Eltern zur Einsicht?

Die Schule arbeite seit jeher eng mit dem ADAC und der Jugendverkehrsschule zusammen. Von beiden Institutionen werden die Kinder zwar schon ab der ersten Klasse für die Teilnahme am Verkehr fit gemacht, das Problem sieht Grimmiger jedoch woanders. „Unsere 298 Schüler wissen, was sie tun. Die Erwachsenen wissen es nicht“, sagt sie und lacht. Sie wünsche sich mehr Verständnis und Aufmerksamkeit, wenn es um die Verkehrslage geht.

Dafür sollen in den nächsten Monaten die Streetbuddies sorgen. Stadtbürgermeister Seyfried ist optimistisch, dass die kleinen neongrünen Gehilfen die Erwachsenen zur Einsicht verhelfen. Und sei es auch nur, um das Auto den ein oder anderen Tag stehen zu lassen, um die Kinder zu Fuß zur Schule zu begleiten. Das helfe schließlich auch der Umwelt und der eigenen Gesundheit.

Streetbuddies sollen ins Auge fallen und sensibilisieren.
Streetbuddies sollen ins Auge fallen und sensibilisieren.
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